Gefördertes Lernen: Das große Stipendien-Dossier – Teil 2

Hochqualifizierte Fachkräfte sind mehr gesucht denn je. Deutschland soll im internationalen Wettbewerb auch in den nächsten Jahrzehnten an der Spitze mitwirken – so heisst es. Stipendien sind ein effektiver Weg, um diese Ziele zu erreichen. Zum einen gewähren sie finanzielle Sicherheit, damit sich die Geförderten voll und ganz auf das Studium oder die Ausbildung konzentrieren können. Zum anderen bündeln Stiftungen neben den Hochschulen eine große Menge an Know-How und bieten darüber hinaus auch viele fachspezifische und interdisziplinäre Kontakte, die im späteren Berufsleben wichtig sind.

Was ist ein Stipendium und warum vergibt man diese?

Das Wort Stipendium kommt aus dem Lateinischen und kann mit „Spende zahlen“ übersetzt werden und wurde in der Geschichte für kirchliche, militärische, aber auch für schulische Förderungsmaßnahmen verwendet. Später kam die Förderung von Künstlern und Handwerkern hinzu. Vergeben wurden zumeist Gelder und in fast allen Fällen von einem privaten Stifter, der in der Regel ein übergeordnetes (staatliches, religiöses oder wirtschaftliches) Interesse an der Förderung hatte. Heute gibt es nach wie vor eine große Menge privater Stifter, jedoch sind die meisten Stipendiaten in den staatlichen Förderprogrammen oder denen der Wirtschaft untergebracht.

Stipendien sind Programme zur Förderung von Begabten. Das Wort „begabt“ sollte jedoch nicht alltagssprachlich mißverstanden werden. Denn streng genommen ist auch das BAföG ein Stipendium. Es geht letztlich darum, dass jemand, der einen bestimmten Hochschulabschluss anstrebt, in seinem Unternehmen gefördert wird, sofern es der Gesellschaft zugute kommt. Da die Herausbildung wissenschaftlichen Nachwuchses und die wissenschaftliche Forschung im allgemeinen der Gesellschaft zugute kommt, ist also nahezu jeder Studierende förderungswürdig. Dem Ganzen liegt der Gedanke zugrunde, dass sich die Gesellschaft besonders durch die überdurchschnittlichen Leistungen von Individuen weiterentwickelt.

Dass die meisten befragten jungen Menschen die Chance auf ein Stipendium eher kritisch sehen, zeigt, dass noch mehr über die Möglichkeiten einer Studienförderung informiert werden muss.

Die bekanntesten Förderer sind die zwölf großen Stiftungen, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert werden. Darunter fallen die parteinahen, die kirchlichen und weitere Stiftungen. Diese zwölf Begabtenförderungswerke haben sich zur „Arbeitsgemeinschaft der Begabtenförderungswerke in der Bundesrepublik Deutschland“ zusammengeschlossen und prasentieren sich auf  www.stipendiumplus.de mit ihren jeweiligen Profilen.

Was bieten die staatlichen Förderungswerke?

Was alle Stiftungen gemeinsam haben ist, dass

  • die Teilnahme an der ideellen Förderung (also Seminare, Tagungen usw.) verpflichtend ist. Jeder kann und soll von dieser Art Förderung profitieren.
  • regelmäßig ein Bericht über die Fortschritte des Studiums eingereicht werden muss
  • alle Stipendiaten später Zugang zum Alumni-Netzwerk der Stiftung haben und über die Veranstaltungen informiert werden können
  • Auslandsaufenthalte erwünscht sind und mithilfe von finanziellen Zuschüssen gefördert werden
  • Praktika und Sprachkurse, sofern relevant für das Studium, ebenfalls bezuschusst werden
  • Studiengebühren in den betreffenden Ländern bis zu einem maximalen Grenzwert übernommen werden

Was sind die finanziellen Leistungen der zwölf großen Förderungswerke?

Die Studienförderung richtet sich in der Regel an das BAföG, d.h. es gelten die gleichen Voraussetzungen. Die Promotionsförderung ist für 2 Jahre möglich, mit der Möglichkeit, zweimal für jeweils 6 Monate zu verlängern. Außerdem kann ein Antrag auf Kinderbetreuung gestellt werden, wodurch sich die Förderungsdauer um ein Jahr verlängert. Mit den neuen Maßnahmen des Bundesministeriums ist es nun auch möglich, für Examensphasen, Auslandsaufenthalte und Praktika auf spezielle Fördertöpfe zuzugreifen.

Studienförderung
Promotionsförderung
Grundstipendium: (angelehnt an das BAföG)
597 Euro / Monat
Promotionsstipendium: (abhängig vom Einkommen)
1050 Euro / Monat
Krankenversicherung: bis 62 Euro
Pflegeversicherung: bis 11 Euro
Familienzuschlag: 155 Euro / MonatFamilienzuschlag: 155 Euro / Monat
Büchergeld: 150 Euro / Monat
(ab 01.09.2013: 300 Euro / Monat)
Forschungskostenpauschale: 100 Euro / Monat
Kinderbetreuung: ab 113 EuroKinderbetreuung: 155 bis 255 Euro
Auslandsaufenthalte: Zuschüsse zu ReisekostenAuslandsaufenthalte: evtl. Zuschüsse zu Reisekosten
Praktika: ZuschüssePraktika: eventuelle Zuschüsse

Das Thema Steuern und Sozialversicherungen

Laut § 3 Ziffer 44 Einkommensteuergesetz (EStG) ist das Stipendium steuerfrei. Jedoch gilt hier eine Förderungshöchstgrenze von 1800 Euro / Monat. Im Zweifel kann das zuständige Finanzamt die Steuerpflicht klären. In Sachen Sozialversicherung sieht das anders aus. Während bei der Studienförderung die Sozialabgaben wie im Falle des BAföGs berechnet werden, ist bei der Promotionsförderung kein Versicherungsschutz gegeben. Doktoranden müssen sich also selbständig privat oder gesetzlich versichern. Sofern der Stipendiat zur Gruppe der Studierenden zählt (bei Doktoranden ist der Status ungeklärt; im Zweifel entscheidet die Krankversicherung) und das Höchstalter noch nicht errecht hat, kann er eine studentische Krankenversicherung abschließen. Kindergeld wird vom Stipendium unabhängig behandelt. Zu diesem Thema gibt es von der Universität Bielefeld ein Merkblatt zur Übersicht sowie einen Ratgeber für Promovierende.

Für Eltern: Wer seine Kinder betreuuen lassen muss, der hat bei vielen Stiftungen seit Neustem den Anspruch auf spezielle Fördertöpfe. Diese Fälle müssen jedoch mit der Stiftung bzw. dem Betreuer abgesprochen werden. In Sachen Elternzeit und Elterngeld ist zu beachten, dass das Einkommen aus Stipendien nicht in die Berechnung des Elterngeldes miteinfließt. Elternzeit kann im Regelfall nicht genommen werden, da Sie keiner arbeitsrechlichen Beschäftigung nachgehen. Elterngeld (im Rahmen des Mindestbetrags von 300 Euro / Monat) kann dennoch beantragt werden. Wer die Partnermonate nutzen möchte, muss für die letzten 12 Monate mindestens ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis nachweisen. Wer neben der Kindererziehung keine Zeit mehr für das Studium findet, kann das Stipendium auch wegen Familienzeit unterbrechen. Auch hier wird die persönliche Absprache mit der Stiftung empfohlen. Ist man als Stipendiatin in der gesetzlichen Krankenkasse freiwillig versichert (und damit in keinem Beschäftigungsverhältnis), entfällt auch der Anspruch auf Mutterschaftsgeld. Die Universität Kiel hat dazu einige Informationen kurz zusammengefasst.

Für Stipendiaten, die Dienstleistungen für ihren Stipendiengeber erbringen, kann ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis vorliegen. Das ist häufig bei universitätsinternen Stipendien der Fall. Der Arbeitgeber ist in diesem Fall verpflichtet ist, auch rückwirkend Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen. Als Stipendiat kann man die Versicherungspflicht prüfen lassen. Die GEW (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft hält für dieses „Statusfeststellungsverfahren„, welches im Normalfall nur Doktoranden betrifft, einen Flyer bereit.

Zu jedem Kapitel des Dossier wird an dieser Stelle ein staatliches Förderwerk kurz vorgestellt:

Portrait staatlicher Förderer: Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft

Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft, oder auch Studienförderwerk Klaus Murmann, bietet eine persönliche Betreuung, ein überfachliches Seminarprogramm und den direkten Kontakt mit Unternehmern. Sie fördert junge Menschen mit „Gemeinsinn und Unternehmergeist“, wie es heißt.

Die Stiftung stellt derzeit um die 170 Veranstaltungen wie Akademien, Dialogforen mit Unternehmen und Trainings zu Schlüsselkompetenzen bereit, die auch von Stipendiaten organisiert oder initiiert werden können. Die sdw arbeitet hierfür auch mit der Heinz Nixdorf Stiftung zusammen. Während Studierende in das Studienförderwerk aufgenommen werden, haben  Lehramtsstudierende die Möglichkeit, dem „Studienkolleg“ beizutreten. Dieses gibt über 25 Veranstaltungen speziell für angehende Lehrer. Darüber hinaus gibt es als Reisekostenzuschuss eine BahnCard 25 sowie Ermäßigungen bei der Deutschen Lufthansa AG für ausgewählte Veranstaltungen des Förderprogramms. Die Bewerbung erfolgt online und über einen regionalen Vertrauensdozenten. Anschließend wird man für einen Tag in das  Assessment-Center nach Berlin eingeladen. Dieses Auswahlverfahren findet zweimal jährlich statt.

Stiftung der deutschen Wirtschaft
„Wir stiften Chancen“

Sitz: Berlin
Zielgruppen: Studierende / Doktoranden
Derzeit gefördert: 1600 Stipendiaten
Maximalalter: 32 Jahre
Maximale Förderdauer: Mindestens vier Semester, Ende der Regelstudienzeit
Bewerbungsmöglichkeiten: Online-Bewerbung, regionaler Vertrauensdozent
Nächster Termin: Bewerbung rechtzeitig zum nächsten Assessment-Center (14. April bis 22. April 2013)

Anschrift: Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) gGmbH, Breite Straße 29, 10178 Berlin
Web: www.sdw.org