Buchrezension: „Social Media im Personalmanagement“

von Dennis Bätge

Das Buch „Social Media im Personalmanagement“ von Frank Bärmann richtet sich vor allem an Personaler und Leute aus dem Personalmarketing, die ihr Unternehmen in die digitale Welt des Recruiting führen sollen oder wollen. Es besticht durch viele Studienergebnisse, eine Reihe von grafischen Auswertungen derselben und durch die zielgerichtete Vorstellung der großen Social Media Plattformen in Bezug auf Recruiting. Außerdem geht der Autor auf Strategien für Online-Auftritte ein und stellt einige Guidelines mit Bezug zum Umgang im Social Web auf.

Das Buch beginnt mit der wohl oft vorkommenden Erfahrung wenig internetaffiner Personalverantwortlicher, dass man über die klassischen Kanäle bestimmte Zielgruppen nicht mehr oder kaum noch erreichen kann. Immer weniger junge Menschen, so der Autor, lesen regelmäßig Zeitung und wühlen nach ihrem Schulabschluss die lokalen Stellenanzeigen durch. Bei vielen geht der erste Schritt über das Internet. Und dort bieten sich ganze Datenbanken an Biographien – wenn man mit der richtigen Strategie vorgeht.

Zunächst erläutert Bärmann, welche Bestandsaufnahme zum Einstieg in das Personalmarketing über Social Media notwendig ist. Für Marketingexperten sind die vorgestellten Strategien nicht wirklich revolutionär, aber Bärmann zeigt zielgerichtet, worauf es beim Auftritt in der Social Media-Welt ankommt. Vor allem aber stellt er einige effektive Werkzeuge für das Monitoring vor. Denn die Auswertung der Ergebnisse ist mindestens ebenso kompliziert wie wichtig.

Was bietet das Buch?

Im weiteren Verlauf stellt Bärmann jede Social Media-Plattform vor. Von XING über Facebook und Twitter bis zu Weblogs. Einzig Google+ wird aus nicht genannten Gründen vernachlässigt, zumal es beim Verfassen der letzten Zeilen, im Sommer 2012, bereits einen ordentlichen Marktanteil erreicht hatte. In den jeweiligen Kapiteln werden die Möglichkeiten des Recruiting und des Employer Brandings mit den jeweiligen Mitteln der Social Media Kanäle erklärt. Das Buch präsentiert alle wichtigen Funktionen auf einen Blick. Wer sich jedoch die Mühe macht, und die Plattformen genauer untersucht, oder bereits einige Erfahrungen gesammelt hat, für den sind viele Informationen nicht neu.

Was einem im Kapitel zu Facebook seltsam vorkommt, ist der Gedanke, dass allein durch die Facebook-Präsenz eines Unternehmens, dessen Image verbessert werde soll. Es wird auch bei jungen Menschen nicht der Fall sein, dass man ein Unternehmen oder eine Marke attraktiver findet, allein aufgrund der Tatsache, dass das Unternehmen zeigt, dass es in der Lage ist, eine Facebook Seite zu erstellen und zu pflegen. Gleichwohl betont Bärmann, dass die Präsenz allein nicht viel nützen wird. Für das Marketing will er mindestens eine Person abgestellt wissen oder ein Arbeitsvolumen von mind. 2 Stunden täglich einkalkulieren. Es ist klar, dass bei der großen Konkurrenz auf den Social Media Kanälen bloße Existenz schier nicht ausreicht. Hier kann es auch ratsam sein, auf das klassische Mittel eines Redaktionsplans zurückzugreifen, um Themen termingerecht zu präsentieren. Denn: Aller Inhalt ist schwer.

Auch am Ende des Buches, wenn es um die Risiken der Nichtnutzung von Social Media geht, steht Bärmann zu sehr auf der Seite der Befürworter. Ob es sich für ein Unternehmen lohnt, im Bereich Social Media aktiv zu werden, vor allem im Personalbereich, hängt entscheidend von der Branche und dem Unternehmensziel ab. Dass man vor allem junge Menschen nicht mitnimmt, wenn man nicht online ist, mag sein, zwingt aber nicht zu einer Internetpräsenz um jeden Preis. Vor allem die Bedeutung von Social Media wirkt an manchen Stellen etwas überbetont. Bei den von Bärmann besprochenen Bewertungsportalen für Unternehmen ist eine Nichtpräsenz vielleicht sogar sinnvoller. Immerhin erläutert der Autor die Gefahren, die in Form von nicht repräsentativen Votings auf das Image eines Unternehmens warten. Dann ist man lieber nicht präsent als unfair repräsentiert.

Fazit

Das Buch bietet einen umfassenden Überblick über das, was man beachten sollte, wenn man das Personalmarketing auf Facebook und Co. ausdehnen möchte. Es ist verständlich geschrieben und überzeugt durch den Gebrauch vieler Quellen von bekannten Instituten und Experten. Es scheint jedoch, als dienten die vielen Statistiken und Diagramme dem Zweck, dem Leser zu suggerieren, dass es endlich Zeit ist, etwas im Bereich Social Media-Personalmanagement zu machen – was mitunter gar nicht sein muss. Jemand, der sich für Bärmanns Buch entschieden hat, wird den neuen Medien eh aufgeschlossen sein, sodass diese Überzeugungsarbeit nicht mit dem vom Autor betriebenen Elan in diesem Maße geleistet werden muss.

Bildnachweis: Titelbild © hjr Verlag