Gefördertes Lernen. Das große Stipendien-Dossier – Teil 4

Wer sich auf die Suche nach einem passenden Stipendium macht, wird im Internet mit einer beschaulichen Menge an Datenbanken und Suchmaschinen konfrontiert. Doch welche Datenbank nützliche Ergebnisse ausgibt, ist nicht immer sofort klar.

Aus diesem Grund haben wir die fünf größten deutschen Datenbanken für Stipendien im Internet miteinander verglichen. Diese Datenbanken werden in den Suchmaschinen bevorzugt gefunden. Selbstverständlich sind dies nicht die einzigen Quellen, aber da eine große Menge an interessierten Studierenden auf die Datenbanken zugreift, haben wir uns für einen Test entschieden. Die meisten Datenbanken verfügen über ungefähr 1000 Einträge und bieten damit bereits ein großes Potential, das richtige Stipendium zu finden. Unten beschreiben wir die Datenbanken hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile und geben in der anschließenden Übersichtstabelle auch eine persönliche Bewertung ab.

Der Datenbank-Test von Hauptsache Bildung

Hinweis zum Test: Bei den Datenbanken mit Profil haben wir versucht, für unsere junge Abiturientin Anna ein Stipendium im Bereich Wirtschaftsinformatik zu finden. Anna besitzt einen Abiturnotendurchschnitt von 2,3 und hat keine besonderen Förderungspotentiale (etwa Migrationshintergrund oder Erkrankungen).

StipendienLotseDie Datenbank Stipendienlotse vom Bundesministerium hat für unsere Kandidatin Anna 19 Treffer angezeigt. Allerdings mussten wir den Studienort weglassen, da ansonsten der Filter zu scharf war und keine Ergebnisse angezeigt wurden. Die Datenbank ist leicht zu bedienen und liefert in sekundenschnelle erste Ergebnisse.

Pro: Die Ergebnisse sind alle spezifisch für unser Studienfach. Besonders die Programme für angehende IT-Spezialisten waren wie geschaffen für Anna. Neben vielen unternehmensnahen Angeboten fanden sich aber auch einige der großen Förderwerke. In einer Sammelmappe kann man jedes relevante Förderprogramm speichern. Neu eingetragenen Stipendienprogramme werden prominent im rechten Menü aufgelistet.

Contra: Durch die deutschlandweite Suche, die wir gezwungenermaßen durchführen mussten, waren auch einige Programme dabei, die für uns nicht relevant waren – etwa wenn eine Hochschule nur ihren Studierenden ein Stipendium gewährt oder bestimmte Programme, die nur für Migranten sind. Einige Ausnahmen, wie die TU Braunschweig mit dem Intel-Stipendium, sind jedoch auch deutschlandweit für alle Studierende offen.

Fazit: Eine sehr gute Übersicht, die leider nicht lokal sortiert ist. Stipendienlotse gab in unserem Test die treffendsten Ergebnisse aus.

MyStipendiumBei MyStipendium muss man einige persönliche Daten preisgeben, zum Beispiel den eigenen Wohnort, die Abiturnote, spezielle Mitgliedschaften in gemeinnützigen Organisationen und die Berufe der Eltern. Darüber hinaus kann man besondere Lebenssituationen angeben, etwa, ob man eine bestimmte Erkrankung hat oder Behinderung besitzt, ob man Waise ist oder arbeitsunfähig, ob man einen Migrationshintergrund nachweisen kann oder ein ausgezeichneter Athlet ist. All diese Angaben sollen helfen, das geeignete Stipendium zu finden. Leider nimmt das Ausfüllen des Profils schon einige Zeit in Anspruch.

Pro: Mit 19 Stipendien haben wir eine große Auswahl erhalten. Insgesamt waren von den 19 Vorschlägen zwar nur 4 spezifisch auf den Bereich Technik oder Wirtschaft zugeschnitten. Als angehende Studentin der Wirtschaftsinformatik kann sich Anna jedoch auch bei den allgemeinen Förderprogrammen bewerben. Sehr gut gefallen haben uns auch die weiteren Angebote: „Neue Stipendien“ informiert über neue entstandene Fördermöglichkeiten und bietet denjenigen, die sich schon einmal erfolglos beworben haben, die Möglichkeit, es noch einmal mit einem anderen Programm zu versuchen. Tipps zur Bewerbung, zum Anschreibung und zu den Formalia runden das Informationsangebot von MyStipendium ab.

Contra: Leider wurden nicht alle unsere eingegebenen Daten korrekt berücksichtigt. Insgesamt wurden uns 19 Stipendien vorschlagen, darunter aber auch sehr allgemeine Förderungsprogramme, wie das Deutschlandstipendium an der betreffenden Universität und Förderungen, die sich auf andere Bereiche (in diesem Fall Jura) beziehen. Sinnlos war der Vorschlag für eine Praktikumsförderung, obwohl wir angegeben haben, dass wir vor Studienbeginn bereits eines absolviert haben. Auf Platz 1 landete zudem das einmalige „Stipendium“ der Postbank, welches bei Eröffnung eines Kontos bei der Bank möglich ist. Solche Einträge irritieren den Suchenden eher, als dass sie helfen.

Fazit: Die langwierige Profilerstellung belohnt einen mit einer gut sortierten Übersicht. Leider sind viele Treffer nicht spezifisch genug.

e-fellowsAuf E-Fellows erwartet den Besucher eine Suchmaske, die sich sehr stark an derjenigen von Stipendienlotse orientiert. Die Seite ist ein gemeinsames Projekt von Telekom AG, McKinsey & Company und der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, die unter anderem die Wochenzeitung DIE ZEIT herausgibt.

Pro: Die Datenbank mag nicht gut sortieren, aber dafür erhält man eine große Auswahl an Förderprogrammen, die man zwar manuell durchgehen muss – dafür hat man dann aber kein Potential verschenkt. Als Karrierenetzwerk bietet E-Fellows ein gutes Informationspaket an. Neben der Datenbank gibt es Kurzvorstellungen besonderer Stipendienprogramme und viele Infos zu den Themenbereichen Abitur, Job-Skills, Praktika und Bewerbung.

Contra: E-Fellows überschüttet einen mit Suchergebnissen. Unsere Standardsuche für ein Bachelor-Stipendium im Bereich Wirtschaftsinformatik brachte satte 132 Treffer. Bezeichnenderweise war die Deutsche Telekom AG als Datenbankbetreiber als erster Treffer gelistet. Auch verirrten sich in die TopTen solche Ergebnisse wie die Förderung der Edelsteinforschung, die mit unserem Fach nichts zu tun hat. Die Freitextsuche hingegen ergab nur einen Treffer.

Fazit: Keine gute Filterfunktion. Die Suchergebnisse erschlagen den unbeholfenen Studienanfänger dermaßen, dass man zuerst lieber bei den anderen Datenbanken vorsortieren sollte.

daadAuslands-stipendien.de ist die Datenbank des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Sie ist daher eingeschränkt auf die Suche nach Stipendienprogrammen für Auslandsaufenthalte.

Pro: Die Datenbank gab uns bei jeder unserer Suchanfragen mindestens 5 Ergebnisse aus. Die meisten Resultate sind zwar nicht fachspezifisch, das tut bei internationalen Stipendien aber auch nichts zur Sache. Sehr gut sind die länderbezogenen Hinweise, die für das Zielland spezifisch angezeigt werden.

Contra: Das Carlo-Schmid-Programm ist nahezu immer dabei, außerdem die Möglichkeit für Fahrtkostenzuschüsse bei Auslandspraktika, die Jahresstipendien für Studierende aller Fächer und die Kurzstipendien. Insgesamt gibt es also wenig passgenaue Stipendienprogramme, was letztlich dazu führt, dass man mit vielen Studierenden anderer Fächer konkurriert. Außerdem sind nahezu alle Programme in Kooperation mit dem DAAD. Somit werden viele andere Förderer, die eventuell auch Auslandsstipendien vergeben, nicht angezeigt.

Fazit: Für Auslandsaufenthalte ist diese Stipendiendatenbank gut geeignet.

frauenkarrierewegeFrauenkarrierewege – Dieses Projekt dient der gezielten Förderung von Frauen im Bereich Wirtschaft und Karriere und ist auf eine Initiative der Landeskonferenz der Frauenbeauftragten der Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern (LaKoF) zurückzuführen. Hintergrund ist die gezielte Förderung von Frauen im Bereich Wissenschaft, Wirtschaft und Karriere. Die Datenbank beinhaltet nicht nur Stipendien, sondern auch andere Förderarten, wie Druckkostenzuschüsse, Mentoring, Wettbewerbe und Existenzgründungshilfe.

Pro: Wer sich als Frau auf der Suche nach einer gezielten Förderung ist, wird hier mitunter sehr schnell fündig. Die Oberfläche ist unkompliziret und die Suchergebnisse

Contra: Die Datenbank hat nicht allzu viele Initiativen und Angebote im Bereich Stipendien, sodass es eigentlich egal ist, welches Fach gewählt wird, da häufig dieselben Ergebnisse ausgegeben werden.

Fazit: Weibliche Studierende sollten diese Datenbank nicht unterschlagen. Die Chancen auf eine Förderung werden durch die Spezialprogramme nochmal deutlich erhöht.

NameKategorienRegistrierungAnzahl StipendienFreitextsucheBewertung
StipendienlotseArt der Förderung
Bildungsphase
Zielregion
Angestrebter Abschluss
Standort/Studienfach
Nicht erforderlich800Ja
MyStipendiumProfilerstellung erforderlichErforderlich1240Nein
E-FellowsBildungsphasen
Art der Förderung
Fach
Region
Nicht erforderlich700Ja
DAADFachrichtung
Zielland
Status
Nicht erforderlichNur AuslandsförderungNein
FrauenkarrierewegeStatus
Fachrichtung
Art der Förderung
Nicht erforderlichunbekanntNein

Wie in den vorangegangen Kapiteln auch, stellen wir einen weiteren staatlichen Förderer kurz vor:

Portrait staatlicher Förderer: Konrad Adenauer Stiftung

Die Konrad Adenauer Stiftung (KAS) gehört mit seinen ca. 3000 Stipendiaten zu den größten Stiftungen Deutschlands. Die Tätigkeiten der Stiftung orientieren sich an christlich-demokratischen Wertvorstellungen. Mit ihren zahlreichen Niederlassungen, vor allem in den Entwicklungsländern, fördert die Stiftung Rechtstaatlichkeit und Demokratie und steht für die Verwirklichung der Menschenrechte ein.

Die KAS ist davon überzeugt, dass sowohl die Wertorientierung als auch die Verantwortungsbereitschaft von jungen Menschen über die Gestaltungsfähigkeit der Gesellschaft entscheidet und fördert daher gezielt akademische und nicht-akademische Nachwuchskräfte. Dabei konzentriert sich die KAS nicht nur auf Studierende, sondern vor allem auch auf die Förderung der Ausbildung qualifizierter Journalisten, auf die gezielte Förderung ausländischer Nachwuchskräfte und verfügt darüber hinaus auch über eine Reihe von Zusatzprogrammen, wie Praktikumsvermittlung und Berufsorientierung.

Die KAS fordert, neben einem überdurchschnittlichen Schulabschluss, auch „Toleranz und Aufgeschlossenheit, Kreativität und Bereitschaft zum Dialog auch mit anderen Religionen“.  Alle an einer deutschen Hochschule ordentlich immatrikulierten Studierenden können sich bei der KAS eigenständig bewerben. Für eine Bewerbung gefordert werden, neben dem ausführlich Lebenslauf und den Zeugnissen, sowohl ein Gutachten eines Hochschullehrers oder Fachlehrers einer Schule, sowie ein Persönlichkeitsgutachten.

Die KAS bietet seinen Stipendiaten mehr als 150 Seminare aus unterschiedlichen kulturellen, historischen und politischen Kontexten an. Außerdem verfügt die KAS über ein Austauschprogramm mit US-Hochschulen und unterstützt Auslandsaufenthalte während der Studienzeit.

kas

Konrad Adenauer Stiftung
Talente entdecken, Talente fördern

Sitz: Sankt Augustin / Siegburg
Zielgruppen: Schüler / Studierende / Angehende Journalisten / Doktoranden
Derzeit gefördert: Rund 3000 Stipendiaten
Maximalalter: 35
Maximale Förderdauer: Orientiert an den BAföG-Vorgaben
Bewerbungsmöglichkeiten: Eigenbewerbung
Nächster Termin: 1. Juli (für Sommersemester) und 15. Januar (für Wintersemester)

Anschrift: Konrad-Adenauer-Stiftung e.V., Rathausallee 12, 53757 Sankt Augustin
Web: www.kes.de