Gefördertes Lernen: Das große Stipendien-Dossier – Teil 5

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Wenn die geeigneten Stiftungen oder Förderer gefunden sind, geht es an die schriftliche Bewerbung. In diesem Schreiben steckt eine Menge Arbeit drin, daher sollte man sich schon frühzeitig damit auseinandersetzen. Es empfiehlt sich, zunächst den eigenen Lebenslauf zu verfassen, um einen Überblick zu bekommen. Auf dieser Grundlage erstellt man dann das Motivationsschreiben, was anstelle des Anschreibens von vielen Stiftungen gefordert wird.

Die Bewerbungsunterlagen sollten insgesamt aus folgenden Teilen bestehen:

  • Anschreiben oder Motivationsschreiben
  • Tabellarischer oder ausformulierter Lebenslauf
  • Gutachten oder Empfehlungsschreiben
  • Zeugnisse, Studiennachweise und Nachweise sozialer Tätigkeiten
  • Ein ansprechendes Lichtbild
  • Ein ausführliches Exposé deines Projekts (nur bei Promotionsförderung)

Drei Fragen solltest du in deinen Bewerbungsunterlagen beantworten:

  1. Was ist der Hintergrund oder meine Motivation für meine Bewerbung?
  2. Warum passe ich zu dem Stipendienprogramm? Was verbindet mich mit den Zielen der Stiftung?
  3. Bin ich in der Lage, meine selbstgesteckten Ziele zu erreichen?

wichtigWichtig: Wir würden zu diesem Dossier gerne dein Feedback bekommen. Schreib uns also bitte an info@hauptsache-bildung.de oder unten in den Kommentaren was dir gefallen oder nicht gefallen hat, wo du dir mehr Tiefe erwünscht oder was du uns allgemein zum Thema Stipendium sagen möchtest. Wir freuen uns auch über eigene Erfahrungsberichte von dir.

 

Das Anschreiben

Das Anschreiben wird in der Regel sehr kurz gehalten, wenn zusätzlich ein Motivationsschreiben verlangt wird. Sollte jedoch keines gefordert werden, verfasst man am besten ein klassisches Bewerbungsschreiben. Dabei sollte man auf folgendes achten:

You, Me, We-Struktur

  • Im ersten Abschnitt, dem „You“-Abschnitt, erläuterst du zunächst die Gründe für deine Bewerbung. Im Vordergrund steht dabei die Stiftung selbst, ihre politische Grundorientierung, ihr Engagement und warum man sich für die Stiftung entschieden hat.
  • Im zweiten Abschnitt kannst du anschließend auf deine eigenen Leistungen eingehen und auf das, was du in Zukunft vorhast.
  • Im gemeinsamen Abschnitt – sozusagen – geht es darum, wie du deine Ziele mithilfe des Stipendiums erreichen kannst.

Tipp: Diese Struktur darf man natürlich auch gerne beim Verfassen des Motivationsschreibens beibehalten.

Motivationsschreiben

Das Motivationsschreiben ist eine Besonderheit der Stipendien-Bewerbung. Es geht hierbei nicht um die Darstellung deines bisherigen Werdeganges, sondern um die Ziele, die du dir selbst gesteckt hast. Natürlich kannst du erwähnen, dass du mit deinen bisherigen Lebensstationen bereits auf einem guten Weg bist. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass dieses Ziel durchaus einen gesellschaftlichen Aspekt hat. Den meisten Stiftungen sind positive gesellschaftliche Entwicklungen wichtig, genau aus diesem Grund fördern sie junge Talente.

Hinweis: Einige Stiftungen verlangen kein Motivationsschreiben, sondern möchten die Hintergründe für die Bewerbung wissen. In diesem Fall geht es nicht um Begründungen, sondern um Fakten aus dem eigenen Leben. Du musst dann explizit angeben, was in deinem Leben der entscheidende Punkt war, dich bei dieser Stiftung zu bewerben.

Maximal zwei DIN-A4 Seiten

Es sollten nicht mehr als zwei DIN-A4 Seiten verfasst werden, besser weniger. Die Stiftungen achten sehr genau darauf, ob sich jemand kurz und präzise fassen kann. Es geht auch nicht darum, alles lückenlos zu erläutern. Packe daher nur die wichtigsten Punkte in das Schreiben.

Zukunftsperspektive

Wage einen Blick in die Zukunft, indem du beschreibst, was du erreichen möchtest. Welche Ziele hast du dir gesteckt? Sind diese Ziele realistisch und für dich in den nächsten Jahren erreichbar? Dazu ist es notwendig, dir zunächst einmal darüber klar zu werden. Lege eine MindMap an oder spreche mit deiner Familie oder Freunden über deine Pläne.

MindMap

Um deine Gedanken so frei wie möglich zu machen und dein gesamtes Potential an Kreativität auszuschöpfen, sind in der Regel MindMaps hilfreich. Bei MindMaps geht man folgendermaßen vor: Man schreibt maximal 4 zentrale Begriffe oder Sätze in die Mitte eines DIN A4-Blattes. Dann schreibt man darum alles, was einem spontan zu diesen Begriffen oder Sätzen einfällt. Die Elemente werden anschließend miteinander verbunden. Hierbei kommt es zu ganz unterschiedlichen Verknüpfungen. So könnte eine MindMap aussehen:

MindMap

Zielgerichtet Schreiben

Verfasse für jeden Förderer ein eigenes Motivationsschreiben. Setzte dich intensiv mit der Stiftung, ihren Idealen, Projekten und ihrem Förderprogramm auseinander und überlege dir, wie du am besten genau dazu passt. Dabei sollte man allerdings Floskeln vermeiden, denn dass es zum Beispiel einer christlichen Stiftung bei ihren Werten vor allem um das „christliche Menschenbild“ geht, ist dort allen Beteiligten klar.

Hintergründe angeben

Während im Lebenslauf deine einzelnen Stationen aufgelistet sind, gibst du im Motivationsschreiben die Gründe für deine Entscheidungen an. Warum hast du dein Studium aufgenommen? Warum bist du ehrenamtlich in diesem oder jenen Verein tätig? Mache klar, warum deine bisherigen Leistungen der Stiftung wichtig sind. Beschreibe hier noch nicht konkret deine Idee (bei der Promotionsförderung), aber lege einen Grundstein, sodass die Prüfer wissen, wo du dich in naher Zukunft siehst.

Tipps für erfolgreiches Schreiben

Man sollte auf jeden Fall die „Standardregel“ für gute Bewerbungen beachten. Dazu gehört

  • vermeide lange und zu verschachtelte Sätze
  • besser aktiv statt passiv
  • vermeide Alltagssprache
  • versuche einen klaren, logischen Aufbau zu wahren

Hier noch einige Tipps:

  • Redundante Sätze vermeiden, etwa, „Da ich Auslandserfahrungen wichtig finde, habe ich ein Erasmus Studium begonnen“
  • Weniger vornehmen, mehr machen: Statt „Der Einsatz Ihrer Stiftung auf diesem Gebiet hat mich sehr motiviert“ besser „Den Einsatz Ihrer Stiftung auf diesem Gebiet finde ich vorbildlich. Ich selbst habe bereits erste Erfahrungen sammeln können und hoffe,…“
  • Beschreibe dich nicht, schreibe über dich: Statt „Ich bin teamorientiert“ lieber „Ich habe an diesem Projekt vor einem Jahr zusammen mit anderen im Team gearbeitet“
  • Aufrichtig sein: Du solltest bei jeder Formulierung ein gutes Gefühl haben, deinen Namen drunter setzen zu können; falls dem nicht so ist, hast du etwas vielleicht nur zu übertrieben oder aus einem falschen Blickwinkel dargestellt?
  • Korrektur lesen lassen: Das Schreiben sollte unbedingt von einer kompetenten Person gegengelesen werden, vor allem was Rechtschreibung und Kommasetzung anbelangt.

Der Lebenslauf

stiftEs gibt verschiedene Arten für einen Lebenslauf und somit auch verschiedene Möglichkeiten sein Curriculum darzustellen. Obwohl es meistens ausreichend ist, einen schlichten Lebenslauf zu verfassen, kann man auch hier natürlich mit einigen Elemtenten, wie Schriftarten oder Zeilentrennung arbeiten, um seinen Lebenslauf von dem der anderen etwas abzuheben – vorausgesetzt, du kennst dich ein wenig in deinem Textverarbeitungsprogramm aus.

Tabellarischer Lebenslauf

Der tabellarische Lebenslauf ist mittlerweile die häufigste Form. In ihn gehören alle wichtigen Stationen des Lebens. Eine gängige Einteilung sind die „Lebensstationen“ Schulische Ausbildung, Hochschulische Ausbildung, Berufserfahrung oder Berufstätigkeiten, Soziales Engagement, Wissenschaftliche Leistungen (Veröffentlichungen) und eventuell relevante Hobbies. Falls es passend erscheint, darf man auch gerne besondere Fähigkeiten nennen, bei künstlerischen Stiftungen etwa die musikalische Erfahrung oder bei internationalen Förderern die Fremdsprachenkenntnisse.

Chronologischer Lebenslauf

Bei einem chronologischen Lebenslauf werden die einzelnen Stationen nach Datum sortiert. Dabei stehen die aktuellsten Ereignisse oben, damit die Stiftung schnell erkennt, was der Bewerber zuletzt gemacht hat oder derzeit tut. Egal welches Datumsformat (März 2013 oder 03.13) man wählt, wichtig ist, dass man konsequent dabei bleibt. In vielen Fällen ist eine Angabe auf den Tag genau unmöglich und auch unnötig, daher reicht in der Regel der Monat des jeweiligen Jahres aus.

Thematischer Lebenslauf

Der thematische Lebenslauf ist nach Kategorien geordnet. So sind beispielsweise alle Schulabschlüsse in einem Abschnitt zusammengefasst und alle Berufserfahrungen oder sozialen Engagements in einem jeweils anderen Abschnitt. Selbstverständlich kann man innerhalb der Kategorien auch wieder chronologisch ordnen.

Ausformulierter Lebenslauf

Neben dem tabellarischen Lebenslauf fordern einige Stiftungen auch einen ausformulierten Lebenslauf als Fließtext. Mit diesem Lebenslauf wollen die Prüfer nicht nur erfahren, wann du etwas getan hast, sondern auch warum. In den Text fließen auch die Hintergründe einer Tätigkeit ein – während eine Tabelle sich auf die reinen Fakten konzentriert. Einige wenige Stiftungen verlangen den ausformulierten Lebenslauf handschriftlich verfasst.

Brüche im Lebenslauf

Falls du eine Klasse wiederholt hast oder dich in deinem Studienfach umentschieden hast, solltest du das im Lebenslauf nicht verschweigen. Solche Brüche werden in den meisten Fällen nicht negativ aufgefasst, solltest du aber auf Nachfrage begründen können. Der Versuch, Lücken zu kaschieren, zeigt den Prüfer hingegen, dass du nicht ehrlich mit ihnen umgehst.

Anpassung an die Stiftung

Jeder Lebenslauf enthält eine ganze Reihe von Fakten. Häufig auch so viele, dass es mehr als zwei DIN A4-Seiten werden. Dann allerdings solltest du kürzen: Streiche die unwichtigen Stationen raus und betone lieber das, was die Stiftung interessierten könnte.

Gutachten

Viele Stiftungen fordern von deinem Lehrer oder deinem Professor ein Gutachten. Häufig sind es auch zwei Gutachten, die unabhängig voneinander verfasst und verschickt werden müssen. Beim Gutachten geht es darum, deine Bewerbung durch eine Empfehlung zu bekräftigen. Der Gutachter betont in der Regel sowohl dein fachliches als auch dein nicht-fachliches Können.

Wichtig ist, dass dein Lehrer oder Professor weiß, wie man ein Gutachten verfasst und auf was es bei welcher Stiftung ankommt. Außerdem ist entscheidend, wie gut dein Gutachter dich kennt. Immerhin muss er auch etwas zu deiner Persönlichkeit verfassen. Dabei ist es hilfreich, dem Gutachter zumindest noch einmal den eigenen Lebenslauf zukommen zu lassen. Gutachten werden teilweise sehr genau gelesen. Steht beispielsweise in deinem Gutachten, dass du „sehr gute“ Noten hast und zu den Besten gehörst, ist das deutlich positiver, als wenn du „gute“ Noten hast und dich „stets engagierst“. Ob du Einblick in Dein Gutachten bekommen darfst, legt der Gutachter fest.

Etwas anderes sind freiwillige Empfehlungsschreiben: Diese werden von den Stiftungen nicht gefordert, können aber als Referenz für die eigenen Leistungen dienen. Auch hier sollte der Verfasser über Erfahrungen mit dieser Art von Schreiben besitzen und dich persönlich gut genug kennen.

Nachweise und Lichtbild

Du solltest dich frühzeitig um die geforderten Nachweise, wie Zeugnisse und Bescheinigungen kümmern. Viele Dokumente müssen beim Schuldezernat, beim Studierendensekretariat oder beim Prüfungsamt angefordert werden. Besonders das Ausstellen vorläufiger Zeugnisse kann seine Zeit dauern. Bedenke auch, dass die Gutachter häufig auch nicht von heute auf morgen ein Schreiben aufsetzen können. Die meisten Professoren haben viele Gutachten zu schreiben und einige sind in den Semesterferienteilweise nicht anwesend.

Bei beglaubigten Kopien kannst du auf eine Reihe von kostenlosen Serviceleistungen zurückgreifen.Viele Krankenkassen bieten Beglaubigungen gebührenfrei an und als Student hat man häufig ein Studentenwerk oder einen AStA zur Verfügung. Einige Stiftungen möchten die Dokumente in mehrfacher Ausfertigung vorliegen haben, weshalb es besser ist, mehr Kopien zu machen als zu wenig.

Beim Lichtbild gelten die klassischen Regeln wie bei einer beruflichen Bewerbung:
bewerbungsfoto

  • Zeit nehmen und mit dem Fotografen Probeaufnahmen absprechen
  • Angemessene Kleidung: Bluse, gebügeltes Oberhemd oder schlichter Pullover; gerne auch Sakko oder Kostüm; keine grellen Farben; dezentes Make-Up
  • Guter Kontrast zwischen Hintergrund und Kleidung
  • Kein zu ausgefallenes Foto
  • Achtung: Brillenträger! Achtet auf Lichtspiegelungen

Ansonsten gilt: Zeige dich sich so natürlich wie möglich, gepflegt und mit einem Lächeln. Meistens sind es die Aufnahmen, die „zufällig“ entstanden sind, die einem am besten gefallen. Versuche nicht krampfhaft aus dem Rahmen zu fallen – im Zweifel lieber ehrlich und zurückhaltend. Bei der Wahl zwischen Farbfoto und Schwarz-Weiß gibt es keine Richtlinie – hier sollte man entscheiden, was einem selbst besser gefällt oder zum Stil der restlichen Bewerbungsunterlagen passt.

Das Exposé

Das Exposé ist nur für die Promotionsförderung erforderlich und ist eigentlich eine unmögliche Literaturform. Es geht darum, ein Projekt, welches man sich vorgenommen hat, so zu beschreiben, als hätte man es bereits hinter sich. Es ist daher äußerst schwer und erfordert manchmal viel Mitarbeit vom betreuenden Dozenten. Der Zeitaufwand kann mitunter enorm werden: in der Regel sollte man 2-6 Monate Zeit für das Anfertigen einplanen.

Es wird am Ende dieses Dossiers ein Zusatzkapitel zum Verfassen von Exposés geben. Daher hier nur in aller Kürze: das Exposé besteht aus folgenden vier Teilen:

  1. Vorstellung des Dissertationsthemas und aktueller Bezug
  2. Ausführliche Begründung zur Wahl des Themas
  3. Aktuelle Forschungs- oder Quellenlage
  4. Inhaltliche und methodische Darstellung des Projekts
  5. Arbeits- und Zeitplan
  6. Derzeitiger Stand des Projekts

Zu jedem Kapitel des Dossier wird an dieser Stelle ein staatliches Förderwerk kurz vorgestellt:

Portrait staatlicher Förderer: Die Friedrich Ebert Stiftung

Friedrich Ebert, der erste Reichspräsident der Weimarer Republik, stammte aus einer Arbeiterfamilie. Er selbst hat eine Sattlerlehre gemacht, war früh gewerkschaftlich aktiv und ist anschließend in die Politik gewechselt, wo er 1912 zum Mitglied des Reichstages ernannt wurde. Ein Jahr später übernahm er den Parteivorsitz der SPD. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges und dem Sturz des Kaiserreichs übernahm Ebert die führende Rolle in der Durchsetzung demokratischer Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung von der er 1919 zum Reichspräsidenten gewählt wurde.

Die Stiftung wurde 1925, direkt nach dem Tod Eberts, gegründet um die sozialdemokratischen Ideale seines Gründers zu bewahren und zu fördern. Eberts Karriere vom einfachen Handwerker zum Staatspräsidenten war das Vorzeigebild sozialdemokratischer Ideen. Dementprechend hat sich die Stiftung verpflichtet, die politische und gesellschaftliche Bildung junger Menschen zu fördern und begabten Menschen auch ohne materielle Unterstützung der Eltern ein Hochschulstudium zu ermöglichen.

Die Ebert Stiftung ist neben der Bildungsförderung auch in über 100 Ländern politisch aktiv, um für die soziale Demokratie, die politische Teilhabe aller Bürger, die Stärkung der Gewerkschaften und für eine sozial gestaltete Globalisierung zu kämpfen. Zudem verfügt die Stiftung über das deutschlandweit größte Archiv zur deutschen Arbeiterbewegung.

FES

Friedrich Ebert Stiftung
„Der sozialen Demokratie verpflichtet“

Sitz: Bonn
Zielgruppen: Studierende / Doktoranden
Derzeit gefördert: 2700 Stipendiaten
Maximalalter: keine Beschränkung
Maximale Förderdauer: Mindestens vier Semester, maximal BaföG-Dauer
Bewerbungsmöglichkeiten: Online-Bewerbung, anschließend postalisch inkl. Gutachten
Nächster Termin: Jeweils zum 31.12. und 30.06. des Jahres

Anschrift: Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), Studienförderung, Godesberger Allee 149, 53175 Bonn
Web: www.fes.de