Gefördertes Lernen. Das große Stipendien-Dossier – Teil 7

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Studierfähigkeitstests – vorbereiten und meistern

Auswahltests sind ein beliebtes Verfahren, um mit der großen Masse an potentiellen Stipendiaten fertig zu werden. Manche Stiftungen müssen innerhalb weniger Wochen mit fast tausend Bewerbungen fertig werden. Daher greift ein großer Förderer – die Studienstiftung des Deutschen Volkes – seit 2010 auf Begabungstests zurück. Bisher ist sie die einzige Stiftung, die ein solch aufwändiges Verfahren nutzt. Die Vorteile überwiegen jedoch.

Die Studienstiftung hat den „Studierfähigkeitstest“ 2010 eingeführt, um es Studierenden zu ermöglichen, sich auch ohne Empfehlung des Lehrers oder Professors für das Stipendium bei der Studienstiftung zu bewerten. Damit ist bei diesem Förderer zum ersten Mal eine Selbstbewerbung möglich. Generalsekretär Gerhard Teufel erklärte 2012 in einem Interview: „Mit dem Auswahltest entdecken wir Begabungsreserven, die im alten Verfahren vielleicht unerkannt geblieben wären. Durch die verschiedenen Aufgabentypen ist der Test zudem hervorragend geeignet, um sich über seine eigenen Fähigkeiten klar zu werden.“

Wie läuft der Studierfähigkeitstest ab?

Beim Studierfähigkeitstest wird kein Fachwissen geprüft, sondern die intellektuellen Fähigkeiten des Bewerbers, sprich, das räumliche und sprachliche Vorstellungsvermögen, die Artikulationsfähigkeit, die Kreativität und ein gewisses ein mathematisch-logisches Verständnis. Dadurch möchte man ein Abbild der charakterlichen Fähigkeiten, wie Leistungsbereitschaft, soziale Kompetenz sowie außerfachliches Interesse erlangen, um zu erfahren, ob der Kandidat effektiv studieren wird – oder nicht. Die Aufgaben sind in der Regel so angelegt, dass es kaum jemand schafft, alle Aufgaben in der vorgegebenen Zeit zu bearbeiten. Das bedeutet aber auch gleichzeitig, dass man sich nicht vornehmen sollte, den Test fehlerfrei zu meistern.

Wie lange dauert der Test? Gibt es ein zeitliches Limit für die Aufgaben?

Der Test dauert insgesamt 4 Stunden und besteht aus fünf Blöcken. Für jeden Block steht eine Gesamtzeit zur Verfügung, sodass man diese eigenständig auf die einzelnen Aufgaben verteilen kann. Man kann jedoch nicht eventuell gewonnene Zeit mit in den nächsten Aufgabenblock nehmen. Das setzt die Kandidaten natürlich unter Stress, sorgt aber gleichzeitig auch dafür, dass sie unter Hochdruck arbeiten. Für die Stiftungen kommt es darauf an, zu prüfen, ob die Kandidaten mit dieser Belastung klar kommen.

Welche Aufgabenblöcke gibt es?

AufgabenblockAnzahl der AufgabenGesamtzeitdurchschn. Zeit pro Aufgabe
Interpretieren von Diagrammen und Tabellen2255 min2,5 min
Erschließen von Analogien1037 min3,7 min
Sprachstile erkennen3630 min0,83 min
Erschließen von Regeln2232 min1,45 min
Texte analysieren2445 min1,88 min

Was für Aufgaben erwarten einen?

Der Test ist darauf ausgelegt, die allgemeinen intellektuellen Fähigkeiten zu erproben. Wer sich ein Bild vom Niveau der Aufgaben machen möchte, der kann sich gerne folgende Beispielsaufgabe (Schwierigkeit: hoch) anschauen.

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Wie kann man sich effektiv auf solche Tests vorbereiten?

Man kann es auf keinen Fall leisten, innerhalb weniger Wochen sein räumliches Vorstellungsvermögen o.ä. zu verbessern. Was man aber tun kann, ist, sich mit den Aufgabentypen vertraut zu machen. Weiß man, was von einem verlangt wird, kann man während der Prüfung wichtige Zeit sparen. Einen Einblick in die Aufgaben der Studienstiftung bekommt man hier:

Die Studienstiftung nutzt einen speziellen Test, bei dem eine Vorbereitung weder sinnvoll noch empfohlen ist. Sie bietet daher eine Demo-Version ihrer Testsoftware an:

Wer sich also intensiv auf den Test vorbereiten möchte, sollte diese Demo unter realen Bedingungen, also mit Stoppuhr, absolvieren. Hilfsmittel wie Taschenrechner oder das Internet sollte man nicht benutzen, da diese auch beim Test vor Ort nicht zugelassen sind. Einige Tipps können wir dennoch geben:

  • Aufgaben genau lesen: Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte die Aufgabenstellung intensiv, mehrmals und sehr genau lesen. Nur so vermeidet man Missverständnisse.
  • Reihenfolge beachten: Die ersten Aufgaben sind in der Regel einfacher als die folgenden. Aufgrund des Zeitdrucks sollten diese zuerst bearbeitet werden.
  • Zeitmessung: Während die Armbanduhr zulässig ist, ist Smartphone oder Handy verboten. Daher sollte man sich schon zu Hause daran gewöhnen, die Uhr nicht aus dem Blick zu verlieren.
  • Wenn die Zeit abläuft: Falls noch unerledigte Aufgaben übrig sind, sollte man diese überfliegen und auf gut Glück ankreuzen – denn falsche Antworten geben keine Minuspunkte.
  • Auf „Fallen“ achten: Manche Aufgaben führen einen auf den ersten Blick in die Irre. Daher sollte man auf Fußnoten oder Zusatzinformationen achten.
  • Black-Outs vermeiden: Genau darum geht es. Dies aber kann man auch zu Hause üben.

Dissatisfied Business LadyBekommt man am Ende eine differenzierte Rückmeldung?

Nein. Man bekommt lediglich mitgeteilt, ob man bestanden hat oder nicht. Eine genaue Aufschlüsselung der Ergebnisse liegt nicht im Interesse der Stiftung.

Wie lange muss man warten, bis man eingeladen wird bzw. das Ergebnis bekommt?

Bei vielen Stiftungen ziehen sich die Auswahlverfahren über mehrere Monate. Nach der Anmeldung zum Test der Studienstiftung dauert es ca. 6 Wochen bis zur Einladung. Der Termin findet dann in der Regel ca. 2-3 Wochen später statt. Auf das Ergebnis kann man dann auch schon einmal bis zu 3 Monate warten. Und in fast allen Fällen stehen erst dann die Auswahlseminare an. Von der Anmeldung bis zur endgültigen Zusage kann es also durchaus ein halbes Jahr dauern.

Ist der Auswahltest kostenlos?

Bei den meisten Förderern ist ein Auswahltest nicht kostenlos. Welche Gebühren erhoben werden, hängt von der jeweiligen Stiftung ab. Ein Beitrag zwischen 20 und 50 Euro ist keine Seltenheit.

Müssen Kandidaten aller Fächer diesen Test absolvieren?

Nein. Bewerber für künstlerische Fächer müssen diesen Test nicht absolvieren, da spezielle Vorschlags- und Auswahlverfahren für die Fächer Kunst, Design, Film, Musik, Schauspiel, Regie, Tanz und Choreographie existieren.

Zu jedem Kapitel des Dossier wird an dieser Stelle ein staatliches Förderwerk kurz vorgestellt:

Portrait staatlicher Förderer: Die Friedrich Ebert Stiftung

Unter dem Motto: „Rückenwind für Talente“ fördert die Heinrich Böll Stiftung seit 1996 jährlich rund 1000 Studierende und Promovierende aller Fachrichtungen. Die Stiftung ist die grüne politische Stiftung. Schon zuvor gab es parteinahe Landesstiftungen der Grünen, allen voran die Buntstift-Föderation grünnaher Landesstiftungen und Bildungswerke e. V. Auch heute noch ist die Heinrich Böll Stiftung offiziell ein eingetragener Verein und keine Stiftung im eigentlichen Sinne. Jedes Jahr werden bis zu 200 neue Stipendiaten aufgenommen. Einen Schwerpunkt bei der Förderung liegt auf Kandidaten mit Migrationshintergrund, aus nicht-akademischem Elternhaus, angehende Journalisten, Studierende an Fachhochschulen und solche, die ein MINT-Fach belegen oder belegen möchten.

Ihre politischen Grundwerte sind Grundwerten Ökologie, Demokratie, Solidarität und Gewaltfreiheit. Darüber hinaus war es seit jeher ein Bestreben der grünen Landesstiftungen, die Probleme im Zusammenhang mit Migration und Geschlechterdemokratie in den Fokus der Gesellschaft zu Rücken. Und auch die Bekämpfung der Diskriminierung von Homosexuellen ist ein wichtiges Anliegen der Stiftung.

Namensträger ist der 1985 verstorbene Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll, welcher als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit gilt. In seinen Werken thematisierte Böll vor allem die Sinnlosigkeit des Krieges und die Schrecken der nationalsozialistischen Herrschaft, vielfach aber auch das Schicksal und Los der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Als Linksintellektueller war er zur Zeit Adenauers ein bekannter Gegenspieler des Kanzlers, wenngleich nicht im Bereich der Politik. Sein wohl bekanntestes Werk ist „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, welches den Umgang mit dem Terror der 1970er und vor allem die Arbeit der Presse damit thematisiert.

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Heinrich Böll Stiftung
„Rückenwind für Talente“

Sitz: Berlin
Zielgruppen: Studierende / Doktoranden
Derzeit gefördert: 1000 Stipendiaten
Maximalalter: keine Beschränkung
Maximale Förderdauer: Regelstudienzeit + 1 Semester
Bewerbungsmöglichkeiten: ausschließlich Online-Bewerbung
Nächster Termin: Jeweils zum 01.03. und 01.09. eines Jahres

Anschrift: Heinrich-Böll-Stiftung Studienwerk, Schumannstr.8, 10117 Berlin
Web: www.boell.de