Die Antwort auf oben genannte Frage ist ungefähr so interessant wie das Innenleben eines Tischtennisballs und selbstverständlich auch eher rhetorisch gemeint. Eltern aus allen Bevölkerungsschichten können gerne befragt werden, wo sie ihre Kinder lieber sehen würden – auf einer Hauptschule oder einer weiterführenden Schule (als würde die Hauptschule nicht weiterführen…).

Es kommen dann meist Kommentare in folgender Form: „Wir versuchen alles, damit unsere Tochter wenigstens auf die Realschule kommt“ oder „Wenn es nicht anders sein soll, dann muss unser Sohn eben auf die Hauptschule. Die Mittlere Reife kann er ja später nachholen“.

Diese Antworten implizieren jedoch immer folgende Aussage: „Wir haben vorerst versagt“ bzw. „Unsere Kinder haben vorerst versagt“. Wenn die vierte Schulklasse mit einer Enttäuschung endet – und Kinder merken sehr wohl wenn die Eltern enttäuscht sind – dann ist das Schulkind auf eine negative Weise vorgeprägt. Diese negative Prägung führt meist dazu, dass die Kinder sich der Situation anpassen und dem entsprechend keine besseren schulischen Leistungen mehr zeigen. Unsere Großeltern hätten vielleicht noch gesagt: „Wir brauchen nicht nur Akademiker, sondern auch Leute, die die Arbeit schaffen!“ Doch diese Aussage ist heute nicht mehr zeitgemäß.

Klasse A und Klasse B

Vor ein paar Jahrzehnten wurde in England heimlich ein schulisches Experiment durchgeführt. An einer Schule gab es zwei Klassen. Am Ende des Schuljahres wurde eine Prüfung gemacht. Aufgrund der Ergebnisse dieser Prüfung, sollten die Kinder für die Klassen des nächsten Jahres eingeteilt werden – so wurde es den Kindern und Eltern erzählt. Im nächsten Jahr sollte es eine Klasse A und eine Klasse B geben. Was weder Kinder noch Eltern wussten: Die Kinder wurden so auf die Klassen aufgeteilt, dass Klasse A und B möglichst genau die gleiche Anzahl an guten und weniger guten Schülern enthielt. In der Klasse des Prüfungsbesten waren also auch die Schüler, welche die Prüfung sehr schlecht gemeistert hatten.

In beiden Klassen saßen also Schüler mit annähernd gleichen Begabungen. Die Prüfungsergebnisse wurden nicht veröffentlicht, sondern nur die (wertungsfreie) Tatsache, in welcher Klasse die betreffenden Schüler das nächste Jahr sein werden. Die Schüler, die in die Klasse A eingeteilt wurden, erhielten großes Lob von ihren Eltern und viele waren angenehm überrascht, dass es ihr Kind in die Klasse A „geschafft“ hatte. Die Kinder der Klasse B bekamen von ihren Eltern oft vorgehalten, dass sie nicht fleißig genug waren – Enttäuschung machte sich breit.

Nach dem ersten Schuljahr der beiden neuen Klassen wurde abermals ein Test durchgeführt und das Ergebnis war erschreckend, wenn auch nicht völlig überraschend. Die Kinder der Klasse A zeigten wesentlich bessere schulische Leistungen als die Kinder der Klasse B. Die Einteilung in die Klasse A beflügelte die Kinder also dazu, ihre Ergebnisse weiter zu verbessern, während die Kinder der anderen Klasse tatsächlich zu Kindern der Klasse B, also zu zweitklassigen Schülern wurden.

Fazit

Hier wollen wir uns die meisten Worte sparen, weil die oben angeführte Parabel aussagekräftig genug ist. Selbstverständlich müssen Kinder gemäß ihren Fähigkeiten gefördert werden und dazu brauchen wir ein mehrgleisiges Schulsystem. Aber müssen wir unseren Kindern wirklich die Enttäuschung zumuten, dass sie es leider nicht auf eine weiterführende Schule geschafft haben, sondern auf der Hauptschule gelandet sind? Wir denken, das muss nicht sein und plädieren deshalb für die Abschaffung der Hauptschulen!

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