Die ganze Woche haben wir über die Möglichkeiten und Chancen von älteren Arbeitgebern gesprochen und haben verschiedene Projekte, die sich mit dem Thema befassen, vorgestellt. Nun ist es vielleicht auch einmal an der Zeit, sich direkt an den Kreise der Betroffenen zu wenden, bzw. eigentlich sogar an zwei Kreise:

Zum einen an die Unternehmen: Ja, es findet ein Umdenken statt, auch bei Euch. Zum Glück! Das haben wir diese Woche gesehen. Es gibt immer mehr von Euch, die bewusst nach älteren Mitarbeitern suchen und deren Erfahrung schätzen. Das ist gut.

Aber leider sieht es tatsächlich so aus, dass immer noch die Hälfte von Euch überhaupt keine Mitarbeiter über 50 Jahren einstellt. Warum eigentlich? Immerhin ist es nun ja nicht so, als ob diese Arbeitnehmer nicht noch eine rosige Zukunft bei Euch vor sich haben könnten. Die Rente mit 67 ist durch – und das bedeutet schließlich 17 wunderschöne, erlebnisreiche und produktive Jahre mit dem Arbeitnehmer 50+. Ihr müsst ihn einfach nur lassen.

Schließlich liegt es auch an Euch, wie Ihr diese ‚geheimen‘ Fachkräfte nutzt. Mit der kontinuierlichen Förderung und dem Ausbau des vorhandenen Wissens eurer älteren Mitarbeiter wäret Ihr im punkto Fachkräftemangel bestimmt auf der sicheren Seite. Weiterbildung ist zwar auch für Euch ein wichtiges Thema, aber vor allem bei den Jungen oder den Führungskräften. Aber während die mit ihren erweiterten Qualifikationen früher oder später wieder das Zeitliche segnen und sich einen noch besseren, lukrativeren oder einfach anderen Job suchen, bleiben Euch die gut ausgebildeten Alten erhalten. Vorausgesetzt, Ihr habt überhaupt welche.

Zum anderen an die Generation 50+:
Ja, auch Ihr habt einiges an Nachholbedarf! Und die Devise lautet ‚Machen statt Meckern‘. Die Zeiten ändern sich nun mal – es gilt zwar nicht jede Veränderung blind mitzumachen, aber manchmal lohnt sich zumindest ein Gedanke, ob es nicht doch an der Zeit ist sich zu ändern.

Mein Vater war, bis er vor zwei Jahren in Rente gegangen ist ( jetzt ist er 67), seit Abschluss seines Studiums bei ein und der selben Institution beschäftigt, fast vierzig Jahre. Das klappt heute einfach nicht mehr. Unsere Gesellschaft ist schnelllebiger und wechselhafter geworden – das wirkt sich auch auf unsere Arbeitswelt aus. Was und wer heute noch up to date ist, kann morgen schon ein alter Hut sein.

Wo wir schon beim Thema wären: Natürlich ist es schwer für Euch den ganzen jungen, hippen und frischen Uni-Absolventen Konkurrenz zu machen und natürlich wissen wir sehr wohl, dass sich die meisten Personaler blind für jung statt alt entscheiden würden – aber Ihr habt ganz andere Vorteile!

Erfahrung zum Beispiel: Denn während die jungen Unerfahrenen sich erst einmal in das Arbeitsleben einfühlen, überhaupt erst einmal einen Blick dafür bekommen müssen, seid Ihr schon lange mittendrin! Nur gilt es diesen Vorteil auszubauen. Und da haben offensichtlich noch viele von Euch Nachholbedarf. Lebenslanges Lernen heißen hier die Zauberwörter, um aus seiner Erfahrung eben keinen alten Hut, sondern ein immer tragbares Modell zu machen. Warum kommt für so wenige von euch eine Weiterbildung in Frage? Meint Ihr, Ihr habt genug gelernt? Es gibt so viele Möglichkeiten und Angebote, auch und gerade für euch. Ihr müsst einfach nur anfangen sie zu nutzen.

Bildnachweis: @istockphoto.com/AndreasFranke

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