Ärger mit den Kollegen, Unklarheiten bei Gehalt und der Finanzierung oder Fragen zur Prüfungsvorbereitung. Für die deutschen Azubis gibt es während der Ausbildung immer wieder Probleme, die sie beschäftigen und bei denen sie Rat in Foren suchen. Wir haben verschiedene Internet-Foren untersucht und dabei eine klare Gewichtung der unterschiedlichen Themengebiete feststellen können.

Analysiert wurden circa 10.000 Beiträge verschiedener Internetforen (wie www.azubi.net und www.arbeits-abc.de) des letzten Jahres (August 2010 – August 2011), in denen über Probleme und Schwierigkeiten in der Ausbildung diskutiert wird. Dabei ließen sich verschiedene Schwerpunkte in dem Informationsbedarf der Azubis herausstellen. Neben allgemeinen Beiträgen, die sich mit der Ausbildung und ihren Ablauf beschäftigen, beziehen sich die meisten Anfragen der Forenbesucher auf ganz bestimmte Themengebiete.

Ergebnis der Analyse sind insgesamt fünf Themenbereiche, die besonders häufig diskutiert werden (jeweils in Prozent, gemessen an der Gesamtzahl der Forenbeiträge):

Ausbildungsstudie_20111. Wie geht’s weiter nach der Ausbildung?
    Weiterbildung

Die Forenanalyse zeigt deutlich, dass viele junge Menschen sich mit dem Thema Weiterbildung schon frühzeitig auseinandersetzen. 21,5 Prozent der Beiträge beschäftigen sich sehr konkret mit Weiterbildungsmöglichkeiten nach einer Ausbildung. Vor allem Weiterbildungen, die auf den betriebswirtschaftlichen Bereich abzielen, sind bei Azubis offensichtlich sehr beliebt. So sucht ein Forenbesucher im März diesen Jahres Rat bei anderen Mitgliedern des Portals „Uni-Protokolle“ um sich zwischen einer Weiterbildung zum Betriebswirt, Handelsfachwirt oder Wirtschaftsfachwirt  zu entscheiden (Quelle: Uni-Protokolle 05.03.2011).

Ein anderes Thema, welches in diesem Rahmen diskutiert wird, ist die Möglichkeit einer Umschulung. Denn wenn sich statt der erhofften Übernahme eine Arbeitslosigkeit abzeichnet, suchen Betroffene in den Foren Ideen zu beruflichen Alternativen. Wie der Beitrag von „Nalin“, die nach einer Ausbildung zur Bürokauffrau arbeitslos geworden ist und nun die Forenmitglieder um Rat fragt:

Eine Freundin von mir hat mir vorgeschlagen, [eine] Umschulung als Steuerfachangestellte oder Kauffrau im Gesundheitswesen zu machen.(…) Was ist Umschulung?? Wie soll das mit der Umschulung gehen? Wie lang dauert das?? (Quelle: arbeits-abc 22.02.2011)

2. Eine eigene Wohnung als Azubi?
    Finanzierung/Gehalt

Mit einem Anteil von 21,4 Prozent nehmen die Diskussionsbeiträge zu den Fragen rund um Geld und Lohn einen großen Bereich ein. Hierbei unterscheiden sich die Anfragen in allgemeine Fragen zu den verschiedenen Gehältern von Ausbildungsberufen und speziellen Beiträgen zu möglichen Förderungen wie die BAB (Berufsausbildungshilfe). Bei den Beiträgen zu den Gehältern lassen sich zwei Themenschwerpunkte gliedern: Zum einen informieren sich viele junge Leute in den Foren, wie hoch der Lohn ihres angestrebten Ausbildungsberufes ist, zum anderen interessiert viele die Umrechnung von diesem in das tatsächliche Nettogehalt.

Bei Fragen rund um die Finanzierung drehen sich die meisten Beiträge um die Berufsausbildungshilfe. Gerade wenn Azubis aufgrund ihrer Ausbildung von zuhause wegziehen müssen, kann eine Wohnung über das zumeist niedrige Ausbildungsgehalt alleine nicht finanziert werden. Die Unterstützung durch die BAB stellt deshalb für viele junge Menschen die einzige Möglichkeit dar, eine Ausbildungsstelle auch in größerer Entfernung anzunehmen. Immer wieder berichten Mitglieder hier über unverständliche und nicht nachvollziehbare Ablehnungen durch die Arbeitsagentur aufgrund einer schulischen Erstausbildung. So wie es von einem Forenbesucher geschildert wurde:

“ (…) Ich bin auf eine Höhere Handelsschule gegangen und habe meine Fachhochschulreife gemacht. (Zusatz: Kaufmännische Assistentin. (…) Vor ca. einem Monat BAB beantragt und erhielt nun heute einen Anruf von der Agentur für Arbeit. Sie meinte (…), das es sein kann, dass mir kein BAB zusteht, weil dies als Zweitausbildung gilt. Ich war ziemlich geschockt, weil ich ja nur meine Fachhochschulreife abgeschlossen habe.” (Quelle: arbeits-abc 22.02.2011)

Leider ist es vielen Jugendlichen vor dem Besuch einer höheren Handelsschule, die mit einer Doppelqualifikation der Berufsausbildung und der Fachhochschulreife endet, nicht klar, dass hiermit ihren Anspruch auf die Berufsausbildungshilfe verlieren. Auch die Arbeitsagentur scheint die Jugendlichen diesbezüglich nicht aufzuklären. Vielen Schulabgängern mit schlechten Realschulabschluss wird schließlich dazu geraten diesen Bildungsweg einzuschlagen um später mit den erhöhten Qualifikationen ihre Ausbildungschancen zu verbessern.

3. Als Azubi durch die Hölle?
    Probleme mit Chef/Kollegen/Mobbing

Viele der Forenbeiträge beschäftigen sich mit persönlichen Schwierigkeiten, die die Azubis in ihrer Ausbildung haben. 18, 5 Prozent der Einträge schildern zum Teil erschreckende Erlebnisse, die Auszubildende in ihrem Betrieb erleben. Viele leiden unter einem schlechten Arbeitsklima und in manchen Fällen lässt sich hier schon Mobbing sprechen. Etliche Beiträge schildern zudem desaströse Ausbildungszustände. Dabei handelt es sich um wiederholtes Überschreiten der Arbeitszeit, wochenlange Ausbildungsphasen, ohne dass ein Ausbilder  anwesend ist und Zuteilung von Aufgaben, die nicht von einem Azubi erledigt werden dürfen. Dazu in vielen Fällen ein vielfaches Überschreiten der Arbeitszeiten, die in den seltensten Fällen ausgeglichen werden. Ein Azubi schreibt hierzu folgendes:

(…) arbeite ich 3 Tage 10 Stunden und gehe 2 Tage in der Schule und gehe Samstags nochmal arbeiten (…) wenn ich möchte, dass die Überstunden ausgezahlt werden, die ich auch von Montag bis Freitag leiste, MUSS ich zuerst 100 Überstunden leisten, da erst die 101 Überstunde bezahlt wird. (Quelle: Azubi.Net 22.06.2011)

Viele Azubis fühlen sich aus diesem Grund sehr oft „ausgenutzt und als billige Arbeitskraft“ eingesetzt, zudem beklagen sich viele über die mangelhafte Einhaltung von Ausbildungsplänen. So berichtet eine Auszubildende zur Industriekauffrau, dass sie seit über einem Jahr in ihrem Betrieb nur ‚Fax, Telefon, Post und die Ablage macht und nur sehr selten überhaupt einen Auftrag bearbeiten darf.‚ (Quelle:Azubi.Net 22.09.2010)

Ein anderer Auzubildender zum Kfz-Mechatroniker fragt deshalb anderen Forenmitglieder, inwieweit ‚das Aufsammeln von Kippenstummeln auf dem Hof, Rasenmähen und Unkraut hacken‘ nun zu seiner Ausbildung gehören würde. (Quelle: Azubi.Net 20.09.2010)

Leider berichten viele dieser Azubis, dass ein klärendes Gespräch mit ihrem Ausbilder nicht möglich ist und sie Angst vor dessen Reaktionen haben. Auch die IHK stellt nach Berichten für die Wenigsten eine echte Hilfe dar. Oft wurden sie von zuständigen Mitarbeitern  ‚abgewimmelt‘ oder dazu aufgefordert sich einfach ‚zusammenzureißen‘.

4. Falschen Job erwischt?
Ausbildungswechsel/Abbruch

Bei vielen Azubis stellt sich leider  innerhalb des ersten Lehrjahres heraus, dass der angestrebte Beruf nicht ihren persönlichen Vorstellungen entspricht. Im vergangenen Jahr haben  rund 20 Prozent aller Auszubildenden ihre Ausbildung abgebrochen. Etwa 12 Prozent der Forenbesucher hoffen auf eine Entscheidungshilfe bezüglich ihrer Pläne die Ausbildung abzubrechen. Oft sind die Jugendlichen von anderen (Lehrer, Eltern, Arbeitsagentur) in die Ausbildung gedrängt worden und beginnen aus Angst vor Arbeitslosigkeit einen Job, mit dem sie nichts verbindet. Ein typisches Beispiel ist dafür der Beitrag einer jungen Forenbesucherin:

habe im August eine Ausbildung als Bankkauffrau angefangen … Es war noch nie mein Traumberuf und leider fällt es mir auch erst im Nachhinein auf das ich nie wirklich begründen konnte warum ich Bankkauffrau erlernen möchte (…) (Quelle: arbeits-abc,  17.12.2010)

Zudem sind sich die jung Leute oft unsicher, ob sie die Ausbildung tatsächlich abbrechen oder „in den sauren Apfel beißen“ und die Ausbildung zu Ende bringen sollten. Dabei sind viele Azubis verunsichert, wie eine Kündigung  abläuft und wie sie diese rechtlich richtig aussprechen. Dazu kommt noch, dass bei den meisten Forenbesuchern die Angst sehr groß ist mit einer abgebrochenen Ausbildung im Lebenslauf keine neue Stelle zu finden.

Nicht zu unterschätzen sind aber auch die Azubis, die weniger wegen einer falschen Job-Vorstellung ihre Ausbildung frühzeitig beenden möchten als wegen der schlechten Arbeitsbedingungen in ihrem Betrieb. Bei etlichen der Anfragen beklagen sich die Betroffenen über das Arbeitsklima und dem schlechten Ausbildungsverhältnissen. Viele der Betroffenen können sich deshalb ein Weiterführen ihrer Ausbildung vorstellen, nur nicht in ihrem derzeitigen Betrieb.

5. Bestanden oder nicht?
    Schule/Prüfung

Beliebt sind die Foren darüber hinaus auch bei Auzbis, um sich über Prüfungen und die Berufsschulen auszutauschen. Gut 9,5 Prozent der Forenbesucher stellen hier Fragen zu konkreten Prüfungsabschnitten oder berichten über Unterrichtseinheiten in der Schule. Die Foren werden genutzt um detaillierte Informationen zu den Prüfungsaufgaben zu erfragen und bieten Azubis die Möglichkeit bei Schwierigkeiten in der Schule Rat bei Gleichgesinnten zu suchen. In einigen Foren gibt es deshalb eigene Rubriken, die sich rund um das Thema Berufsschule drehen (wie bei azubi.net)

Ein besonders häufig diskutiertes Thema ist dabei die mündliche Prüfung. Gerade Schüler haben wenig Erfahrung mit dieser Form der Leistungsabfrage, weshalb sie sich in den Foren über Ablauf, Inhalt und Vorbereitungsstrategien informieren.

Fazit

Die Ergebnisse der Forenanalyse zeigen, dass Azubis mit vielen Problemen in ihrer Ausbildung zu kämpfen haben und ganz offensichtlich weder in ihrem Betrieb noch an öffentlicher Stelle (sei es die IHK oder die Arbeitsagentur) eine geeignete Anlaufstelle sehen, um diese klären. Augenscheinlich funktioniert der Informationsaustausch und die Zusammenarbeit zwischen Betrieb, Berufsschule und IHK nur selten, was auf Kosten der Azubis geht. Besonders was die Ausbildungsinhalte und das allgemeine Ausbildungsverhältnis anbelangt, herrschen zum Teil erschreckenden Missstände in den Betrieben. Gerade junge Azubis werden ausgenutzt und nur allzu oft von ihrem Vorbesetzen schikaniert.

Auch über Finanzierungshilfen und Weiterbildungsangebote sind die wenigsten Azubis ausreichend informiert. Solange die IHK und die Arbeitsagentur sich nicht stärker für Auszubildende einsetzen, sie in ihren Rechten und Pflichten unterstützen und ihnen ihre Möglichkeiten aufzeigen, werden deshalb auch weiterhin die meisten Azubis lieber kompetenten Rat in einem Forum suchen als sich an eine offizielle Stelle zu wenden.

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