Ganz zu Anfang muss gesagt werden, dass der Entschluss für einen beruflichen Neuanfang definitiv gefasst werden sollte bevor sich eine Burnout- oder Boreout-Symptomatik manifestiert. Diese beiden „neuzeitlichen Berufskrankheiten“ kommen schließlich nicht aus heiterem Himmel, sondern kündigen sich über einen längeren Zeitraum hinweg an. Ein sicheres Zeichen, dass die Zeit für einen beruflichen Neuanfang gekommen ist, ist schlichtweg der fehlende Enthusiasmus oder ganz einfach die mangelnde Freude bei der Arbeit.

Oft stehen dem Entschluss für einen Berufswechsel jedoch auch existenzielle Gründe im Weg. Die Familie soll weiterhin sicher versorgt werden und die dauerhafte Sicherheit des neuen Berufes ist erst einmal ungewiss. Wenn man jedoch einen Schritt in eine neue Richtung macht, steht man zwangsläufig für eine kurze Zeit auf nur einem Bein – diese Unsicherheit gilt es zu überwinden, denn wer immer fest auf zwei Beinen stehen möchte, der verharrt im Stillstand.

Hier die häufigsten Gründe und Überlegungen, um einen beruflichen Neuanfang aufzuschieben:

  • Mein jetziger Job ist sicher, vom neuen Job weiß ich das nicht
  • Meine jetzige Arbeit kann ich ohne große Anstrengung erledigen
  • Ich habe relativ große Freiräume bei meinem jetzigen Arbeitgeber
  • Ich möchte warten bis die Kinder „aus dem Haus“ sind
  • Ich will warten bis die Baufinanzierung abgelaufen ist
  • Mit meinen jetzigen Arbeitskollegen komme ich gut klar
  • Spaß kann ich in meiner Freizeit haben, auf die Arbeit gehe ich um Geld zu verdienen
  • Ich möchte nicht noch einmal die „Schulbank drücken“
  • Es dauert Jahre bis ich mich in einem neuen Beruf etabliert habe

Vielleicht kommen Ihnen diese Aussagen sehr bekannt vor, denn man bekommt sie schon recht häufig zu hören. Diese ganzen Sprüche setzen jedoch meistens voraus, dass es im neuen Beruf erst einmal schlechter läuft als im alten Job. Das muss aber nicht sein und manche Menschen wären sehr erstaunt wenn sie wüssten, wie viel man erreichen kann, wenn der Beruf auch gleichzeitig Berufung ist und man jeden Tag mit einem gesunden Enthusiasmus zur Arbeit geht.

Diese Freude an der Arbeit, wirkt sich auch überaus positiv auf die Gesundheit des Arbeitnehmers aus. Wenn man jeden Tag mit Spaß bei der Sache ist, kann man vieles wegstecken ohne gleich frustriert zu sein. Sich jeden Tag mit einem langen Gesicht auf die Arbeit zu schleppen, das ist auf Dauer weder für den Arbeitnehmer noch für den Arbeitgeber von Vorteil.

Wenn folgende Aussagen auf Sie zutreffen, dann sollten Sie über einen beruflichen Neuanfang nachdenken:

  • Ich bin häufig müde und deprimiert
  • Meine Frustrationstoleranz wird immer niedriger
  • Mein Beruf fordert mich geistig nicht mehr
  • Öfters habe ich krankheitsbedingte Fehltage
  • Ich erledige während der Arbeit oft private Dinge
  • Nach einem Urlaub graut mir vor der Rückkehr an meinen Arbeitsplatz
  • Ich überlege beim Aufwachen oft, ob ich nicht einfach „blaumachen“ soll
  • Manchmal tue ich nur so als ob ich arbeite
  • Ich fühle mich unterbewertet und unterbezahlt
  • Oft stelle ich mir vor, wie es wäre einen Job im Rahmen meines Hobbys zu haben

Wenn auch nur eine diese Aussagen zutreffend ist, dann sollte man sich schon einmal gründlich überlegen, ob man in diesem Beruf bis zur Rente bleiben möchte. Selbstverständlich müssen die Pro/Contra-Argumente sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Dabei ist allerdings ein hohes Maß an Objektivität gefragt – wer für den eventuell neuen Job nur die negativen- und für den jetzigen Beruf nur die positiven Argumente einsetzt, der macht es sich etwas zu einfach…

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