Die Online-Befragung besser-Studieren.NRW.de ist erst seit Montag online und hat die Gemüter der Studenten schon hinreichend bewegt. Positiv dabei zu bewerten ist auf jeden Fall die extrem hohe Beiteilung mit aktuell 9500 ausgefüllten Fragebögen, 5500 abgegebenen Bewertungen und rund 6600 Kommentaren (Stand 03.11). Erschreckend sind dagegen allerdings die Aussagen der meisten Studenten über ihre allgemeine Studienbelastung.

Die Online-Befragung: Was sie will und was sie tut
Die Befragung wurde vom Wissenschaftsministerium in Auftrag gegeben, um von den Studenten in NRW zu wissen, wie zufrieden sie mit ihren Studienbedingungen sind. Hintergrund ist die im Zuge des Bologna-Prozesses durchgeführte Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge. Die Ergebnisse der Befragung sollen dazu genutzt werden, konstruktive Schritte zur Verbesserung und Weiterentwicklung der Hochschulpolitik zu finden.

In dem Portal können sich Studenten anonym anmelden und bis zum 21. November einen Umfragebogen ausfüllen sowie auf sieben vom Ministerium aufgestellte Thesen antworten. Zudem gibt es aktuell 44 weitere, von Studenten verfasste Thesen, die diskutiert werden können.

Gut gemeint ist das Gegenteil von gut?
Der aufgestellte Fragebogen des Ministeriums mit gerade einmal fünf Fragen ist dabei allerdings sehr allgemein gehalten und gibt kaum Möglichkeiten persönliche Erfahrungen zu beschreiben. Grund dafür ist unter anderem die komplette Anonymisierung der Befragung. Es werden keine Namen, konkrete Studiengänge oder Hochschulen abgefragt. Nur im sechsten Teil des Fragebogens können Studiengang und Universität optional angegeben werden. Gerade für diesen sehr kurzen und oberflächlichen Fragebogen, der lediglich auf ganz allgemeine Aussagen zum Studium abzielt, hagelt es von Seiten der Studenten Kritik.

Denn dass sich die Studienbedingungen von Universität zu Universität und da auch zwischen den jeweiligen Studiengängen sehr stark von einander unterscheiden können, ist selbstverständlich. So beschwert sich eine Userin: „es muss möglich sein, in der Befragung konkrete Aspekte des Studienalltags aufzulisten, um Aussagen über die (Un-)Zufriedenheit mit dem Studium zu machen oder die Bemühungen der eigenen Universität bewerten zu können.“ Aber auch mit der generellen Kategorisierung in wenige Studienbereiche und dem gespielt lockeren Tonfall möchten sich manche Studenten zu Recht nicht mit anfreunden: „Ich studiere nicht Sonstiges, sondern Geisteswissenschaften. (…) Ich bin nicht Du, sonder Sie: Ich bin ein erwachsener Mensch, der studiert und arbeiten geht!“

Ein Traum, der nicht in Erfüllung geht? Die Utopie der 32 bis 39 Stundenwoche
Vor allem der extrem hohe Arbeitsaufwand ihres Studium führt bei den Studenten zu Unzufriedenheit. Die Frage, ob das Studium bei einer Arbeitsbelastung von 32 bis 39 Stunden pro Woche in der Regelstudienzeit absolviert werden kann beantworten aktuell bereits mehr als 600 Studenten mit ’nein‘, bzw. ‚eher nein‘. „Ich komme mir den 32-39 Stunden nicht aus. Allein die durch den gegebenen Stundenplan Anzahl an Stunden (vorausgesetzt man nimmt an allem teil) wäre schon fast an der Stundenbelastung und zusätzlich kommt ja noch die Nachbearbeitungszeit. Ich liege in der Woche zwischen 45-60h.“ Aussagen von zufriedenen Studenten, die mit dem Arbeitspensum von 32 bis 39 Stunden gut auskommen und das Studium in Regelzeit abschließen sind dagegen selten zu lesen. Nur etwas 100 Studenten (52 ‚ja‘ und 54 ‚eher ja‘)  haben bisher angegeben, dass sie keine Probleme habe, dass Pensum zu absolvieren.

Die Devise heißt: Bulemie-Lernen
„Bulimielernen ist die einzige Möglichkeit die Klausuren vernünftig zu bestehen.“
Das hohe Arbeitspensum, die langen Klausurphasen und die regelmäßigen Seminararbeiten fordern von den Studenten ein extrem hohes Maß an Wissensaneignung. Um dies aber überhaupt bewältigen zu können, hat sich offenbar eine Wortneuschöpfung bei den Studenten eingebürgert: Das „Bulimie-Lernen“ wurde von einem Studenten in dem Forum als eine eigene These zur Diskussion gestellt und kann durch folgenden Aussage erklärt werden: „Mein Studiengang wurde von einem Diplom zu einem Bsc aber ohne großartige Kürzung der Lerninhalte, man nennt das Lernen bei uns einfach nur noch „Bulimie“-Lernen – fressen und kotzen…man hat gar nicht die Zeit den Lernstoff richtig und sinnvoll zu lernen und der Notendruck ist dank NC auf die Master enorm!“

Alles kann, alles muss – nur funktioniert es irgendwie nicht…
Neben dem extrem hohen Arbeitsaufwand haben die Studenten noch mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Durch die schlechte Organisation und dem Verwaltungsdschungel ihrer Universitäten ist es für viele oft überhaupt nicht möglich alle Pflichtveranstaltungen im vorgegebenen Zeitraum zu besuchen. Durch interne Überschneidungen der Seminare und Vorlesungen kann teilweise nur ein Bruchteil der festgelegten Kurse wahrgenommen werden. Zu der These, ob die erforderlichen Veranstaltungen überschneidungsfrei und ohne Zeitverlust besucht werden können, haben die meisten Studenten deshalb auch eine klare Meinung: „Fällt mir nur eins zu ein: Hahahaha“, „Unmöglich, wenn die Mehrheit der Professoren nur dienstags-donnerstags arbeitet!“ Ein anderer Student führt das noch genauer aus: „Oftmals überschneiden sich im Zweifachbachelor die Veranstaltungen sowohl innerhalb eines wie unter den zwei Fächern. Pflichtveranstaltungen finden häufig gleichzeitig statt und im nächsten Semester werden sie nicht angeboten. Da kann man das Studium nur schwer in Regelstudienzeit absolvieren.“

Fazit: Die Hoffnung stirbt zuletzt?
Insgesamt zeichnet sich ein relativ schlechtes Bild von den Studienbedingungen in NRW ab. Die meisten Aussagen der an den Thesen mitdiskutierenden Studenten sind eindeutig, sie fühlen sich überfordert und schlecht betreut. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Ergebnisse dieser Online-Befragung wirklich von der Hochschulpolitik dazu genutzt werden, die Studiensituation für die BA- und MA-Studenten deutlich zu verbessern und wie ein User in seinem Kommentar schreibt: … „möglichst viele Kommilitonen in NRW dies hier als eine weitere Chance ansehen, die es zu nutzen gilt.“

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