Diese Frage stellen wir mitten aus dem Leben: Haben Kinder aus sozial und finanziell schwachen Familien bezüglich ihrer Schulbildung die gleichen Chancen wie Kinder aus reichen Familien? Wir denken Nein! Um diese Meinung zu begründen, haben wir uns drei Beispiele aus unserem unmittelbaren Umfeld herausgegriffen und möchten die Schulbildung bzw. drei Arten der Förderung für die betreffenden Kinder anhand dieser Familien vergleichen.

Dieser Vergleich ist zwar stark vereinfacht und nicht repräsentativ, kann aber durchaus zum Nachdenken anregen.

Bei dem Vergleich gehen wir übrigens davon aus, das alle drei Kinder absolute Ausnahmekinder sind – als Ausnahmekinder gelten heutzutage jene Kinder, die weder unter Diskalkulie, Rechtschreibschwäche und ADHS leiden, noch jene, die hochbegabt, supertalentiert oder in irgendeiner Disziplin unübertrefflich sind – also genau jene Kinder, die man noch vor Jahrzehnten als ganz normale Durchschnittskinder bezeichnet hätte ;-).

Familie 1:
Eine sozial schwache Familie – Vater arbeitssuchend und alkoholkrank – Mutter jobbt als Reinigungskraft.

  • Unterstützung bei den Hausaufgaben: Der Mutter fehlt die Zeit und dem Vater die Kompetenz
  • Professionelle Nachhilfe: Finanziell nicht möglich
  • Private Förderschule: Finanziell nicht möglich

Familie 2:
Eine mittelständische Familie – beide Eltern berufstätig

  • Unterstützung bei den Hausaufgaben: Nicht regelmäßig durchführbar da die Zeit fehlt
  • Professionelle Nachhilfe: Mit Einschränkungen machbar, jedoch keine dauerhaften Programme
  • Private Förderschule: Nicht ohne größere Einschränkungen möglich

Familie 3:
Eine Familie aus der Oberschicht – Vater ist Unternehmer und die Mutter Hausfrau

  • Unterstützung bei den Hausaufgaben: Übernimmt täglich die Mutter
  • Professionelle Nachhilfe: Teilnahme an speziell zugeschnittenen Programmen
  • Private Förderschule: Auf jeden Fall möglich

Jetzt mal ehrlich, haben diese drei Kinder wirklich die gleichen Chancen? Bei Familie 1 fehlt es an Kompetenz und Geld – bei der zweiten Familie vor allem an Zeit und Geld – nur bei der dritten Familie kann das Kind bestmöglichst gefördert werden. Dieser Fall ist dabei keineswegs aus der Luft gegriffen, dieser Fall ist real. Deswegen können wir auch das Ergebnis verraten weil es sich genau so zugetragen hat. Obwohl wir natürlich nicht objektiv entscheiden können, ob diese drei Kinder wirklich die gleiche Begabung hatten.

Das Kind aus der ersten Familie kam in die Hauptschule, das zweite Kind in die Realschule und das dritte Kind aufs Gymnasium. Bis zur dritten Klasse zeigten die drei Kinder übrigens absolut identische Leistungen und hatten auch die gleichen Neigungen. Das könnte natürlich nur ein Zufall sein, deswegen soll nicht verallgemeinert werden. Selbstverständlich gibt es auch Angebote für Ganztagsschulen, was in diesem Fall aber nicht zum Tragen kam weil die besagten drei Familien aus ländlichen Gebieten stammen.

Gibt es eine staatliche Förderung für Hausaufgabenbetreuung oder Nachhilfe? Wenn ja, ging es Familie 1 dafür nicht schlecht genug und Familie 2 viel zu gut. Zwangsläufig taucht jetzt die Frage auf, wie man eine höhere Angleichung der  Chancen, von Gleichheit wollen wir gar nicht sprechen, bewerkstelligen könnte? Oder sollte wieder die gleiche Masche wie noch vor 50 Jahren laufen, nach dem Motto: „Begabte Kinder brauchen keine Förderung, die schaffen das auch so, wenn sie wollen – außerdem werden mehr Arbeiter gebraucht als Akademiker…“

Any ideas?

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