Business Finish LineIn Deutschland gibt es verschiedene Arten und Möglichkeiten eine Berufsausbildung zu absolvieren.  Die klassische und traditionelle Form ist dabei die  duale Ausbildung,  in der die Auszubildenden in einem Betrieb praktisch angelernt und zudem  in einer Berufsschule fachtheoretisch unterrichtet werden. Daneben entwickelt sich in den letzten Jahren aber auch  die überbetriebliche, bzw. schulische Ausbildung verstärkt  als eine qualifizierte Alternative weiter. In dieser Form der Ausbildung werden die Auszubildenden im Vollzeit-Unterricht fachbezogen und projektorientiert unterrichtet und absolvieren darüber hinaus berufsbezogene Praktika in unterschiedlichen Betrieben.

Beide Möglichkeiten der Ausbildung haben sicher ihre Vor- und Nachteile und so haben  beide auch ihre Für- und Gegensprecher, die sich mit der jeweiligen Ausbildungsart beschäftigen und diese auch in gewisser Weise vertreten. Wir möchten diese Woche zwei Experten aus dem Ausbildungswesen die Möglichkeit geben, ihre „Ausbildungsart der Wahl“ vorzustellen und uns in einem Interview die wichtigsten Fragen dazu zu beantworten.

Im Fach-Interview beantwortet uns heute Juliane Berndt,  Community Managerin bei Check2, dem großem Informationsportal rund um die duale Ausbildung, unsere Fragen zu den Vor- und Nachteilen der  dualen Ausbildung.

Praktische Erfahrung ist ein wichtiger Bestandteil

Juliane Berndt SlidebildFrage 1: Wo sehen Sie die größten Vorteile von Auszubildenden in der dualen Ausbildung gegenüber ihren „Kollegen“ aus der schulischen Vollzeitausbildung?

Die duale Ausbildung erfolgt nicht nur in der Schule sondern auch im Betrieb. Das bietet deutliche Vorteile, weil der praktische Bezug zur Arbeit von Anfang an gegeben ist. Für viele Jobs sind nicht nur die theoretischen, sondern besonders die praktischen Erfahrungen ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. Das Wissen, das ergänzend in der Berufsschule (in durchschnittlich 12 Stunden pro Woche) vermittelt wird, kann direkt praktisch erprobt und umgesetzt werden. Die duale Ausbildung bietet dadurch auch mehr Abwechslung. Die Auszubildenden sind in ständigem Kontakt zu ihren Ausbildern und Meistern und können somit während ihrer Ausbildung beweisen, dass Sie nach bestandener Prüfung der/die Richtige für den Betrieb sind.

Frage 2: Auszubildende bemängeln es häufig, dass sich die Betriebe nicht an die vorgegebenen Lehrpläne halten oder die Ausbildungsbereitschaft nicht den Erfordernissen entspricht. Häufig mangelt es auch an der Kooperationsbereitschaft zwischen Betrieb und Berufsschule. Wie kann man diesen Problemen Ihrer Meinung nach entgegen wirken?

Nicht passgenaue Übereinstimmung, zwischen dem Lehrplan in der Schule und der zeitlichen und sachlichen Gliederung der Ausbildung im Betrieb, kommen sicher immer wieder vor. Jedoch sollte man dies (von Einzelfällen abgesehen) nicht überbewerten. Die Ursachen hierfür sind zum Beispiel darin begründet, dass es einerseits ein bundeseinheitliches Berufsbild mit einer entsprechenden Gliederung der betrieblichen Ausbildungsinhalte gibt, andererseits aber Dank Föderalismus 16 voneinander abweichende schulische Rahmenpläne für ein und denselben Beruf. Aber auch betriebliche Belange spielen eine Rolle, besonders in kleineren Betrieben ohne Ausbildungsabteilungen. Dadurch kann es zu Verschiebungen bei den Lernabschnitten kommen, die aber letztlich für den Auszubildenden nicht zum Nachteil sein müssen, denn er erfährt frühzeitig, dass der berufliche Alltag nicht immer nach Plan funktioniert.

Möglichkeiten für die Fortbildung innerhalb der Ausbildung

Frage 3: In einer dualen Ausbildung erlangen die Auszubildenden in ihrem Betrieb zwar hohe Fachkompetenz, diese führt sie aber auch oft in ein eingeschränktes berufliches Handlungsfeld. Sehen Sie dort Nachteile in Bezug auf die spätere Bewerbung auf dem freien Arbeitsmarkt?

Wie breit gefächert die tatsächlichen Handlungsfelder für die Azubis sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab und die stellen sich in jedem Betrieb anders dar.

Andererseits sind alle anerkannten Ausbildungsberufe so aufgestellt, dass sie sowohl allgemeine Grundlagen beinhalten (insbesondere im ersten Lehrjahr) und dann die berufsspezifischen Kenntnisse vermitteln. Darüber hinaus wird auch der Vermittlung von zum Beispiel mathematischen oder sprachlichen Kompetenzen in der Berufsschule genügend Augenmerk geschenkt. Ergänzend dazu ist gerade die Fachkompetenz kein Bewerbungshindernis, sondern sogar ein deutlicher Vorteil.

Frage 4: Ein Vorteil der schulischen Vollzeitausbildung ist die Möglichkeit die Fachhochschulreife zeitgleich zu erwerben, um somit ein Studium nach Ausbildungsabschluss aufzunehmen. Gibt es vergleichbare Fortbildungsmöglichkeiten auch im dualen Ausbildungssystem?

Auch in der dualen Berufsbildung ist es möglich, zeitgleich mit der beruflichen Aus- und Weiterbildung eine Zugangsberechtigung zu Hochschulen und Universitäten zu erreichen. Allerdings gibt es wieder Einschränkungen durch den Föderalismus, weil nämlich jedes Bundesland seine eigene Regelung hat, obwohl seit 2009 eine allgemeine Empfehlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) vorliegt. Das heißt zum Beispiel im diesbezüglich fortschrittlichen Rheinland-Pfalz, dass ein Azubi mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung an eine Fachhochschule, und fachgebunden an eine Universität gehen kann. Ein Meister, Fachkaufmann oder Fachwirt kann sich sogar ohne weitere Berufserfahrung an einer Universität einschreiben und hat freie Studienwahl.Ausbildung

Genug offene Lehrstellen für ausbildungsreife Jugendliche

Frage 5: Die duale Ausbildung in Deutschland genießt internationale Anerkennung und gilt als Vorzeigestück des deutschen Bildungssystems. Trotzdem geht die Zahl der Ausbildungsplätze laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) weiter zurück. Immer mehr Unternehmen sind nicht mehr bereit oder in der Lage, ein Berufsbild in seiner ganzen Breite auszubilden. Gleichzeitig wird in vielen Branchen der Fachkräftemangel beklagt. Wäre eine stärkere „Verschulung“ einzelner Berufsgruppen, wie es in anderen europäischen Ländern üblich ist, hier nicht doch eine alternative Lösung mehr Menschen in ihrem Wunschberuf und damit auf breiter Basis wieder Fachkräfte auszubilden?

Diese Aussage ist so nicht ganz richtig, im Gegenteil steigt in diesem Jahr sogar bundesweit wieder die Zahl der Neueintragungen. Ende Mai waren im bundesweiten Durchschnitt bei den IHKs über 13 % mehr neue Ausbildungsverträge registriert worden, als im Vorjahr (in Rheinland-Pfalz vergleichbar). Außerdem sinkt seit 2008 jährlich, in unterschiedlicher Stärke aufgrund der demografischen Entwicklung, die Zahl der Schulabgänger. Gleichzeitig wirbt die Bundesregierung für mehr Abiturienten und Studenten, obwohl dies bei detaillierter Betrachtung nicht sinnvoll ist. Demzufolge steigt die Zahl der Studienstarter. Während noch vor einigen Jahren freie Ausbildungsplätze bei Unternehmen gesucht wurden, können heute viele vorhandene Ausbildungsplätze nicht besetzt werden.

Somit gibt es mit steigendem Fachkräftemangel genug offene Lehrstellen für ausbildungsreife Jugendliche. Eine Verschulung wäre dagegen kontraproduktiv und würde den Fachkräftemangel sogar drastisch verstärken: Die sinnvolle Verknüpfung von berufsspezifischer Nachfrage und Angebot, ein marktwirtschaftliches Kennzeichen und klarer Vorteil der dualen beruflichen Bildung, findet bei schulischen Angeboten nicht oder nur sehr unzureichend statt. Nicht ohne Grund, haben in Europa, die wenigen Länder mit einem dualen beruflichen Bildungssystem, die mit deutlichem Abstand geringste Jugendarbeitslosigkeit (auch zum Beispiel in der zurückliegenden Wirtschaftskrise). Ausgebildet wird im dualen Berufsbildungssystem nur in den Berufsbildern, die benötigt werden und in der Größenordnung, für die Bedarf absehbar ist.

Frage 6: Die größten Vorteile einer dualen Ausbildung haben Sie uns schon genannt, können Sie uns für Ausbildungsinteressierte zum Schluss noch ein paar Tipps geben, wie man am besten seine Traumausbildung findet?

Wichtig ist es herauszufinden, was man eigentlich machen will und welche Tätigkeiten einem nicht nur gefühlt liegen. Dazu gibt es unterschiedliche Entscheidungshilfen sowohl im Internet, als auch zum Beispiel vor Ort in den Berufsinformationszentren der Arbeitsagenturen. Wir haben die Möglichkeiten zusammengefasst, um die Wahl leichter zu machen.

Dann sollte man, über den Beruf der in die engere Wahl kommt, möglichst viel in Erfahrung bringen. Dazu gehören zum Beispiel Berufsinformationstage und Schnupperpraktika. Auch bei Freunden und in der Familie kann man sich erkundigen. Dann erst sollte man (zum Beispiel über die IHK Lehrstellenbörse) nach freien Plätzen Ausschau halten und sich genau über den Ausbildungsbetrieb informieren.

Danach folgt dann die Bewerbungsphase, für die wir viele hilfreiche Tipps zur Verfügung stellen.


check2 Wenn du dich jetzt noch weiter über die Möglichkeiten einer dualen Ausbildung informieren möchtest  oder sonst noch Fragen dazu hast, besuch doch  Juliane Berndt und das Team von Check2 auf ihrer Website! 😉

VN:F [1.9.22_1171]
Diesen Artikel bewerten
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)