Hipp, hipp, hurra!

Da haben sich die NRW Politiker aber mächtig gefeiert, als sie sich Dienstag nach monatelangem Hin und Her endlich geeinigt hatten. Lauter fröhliche Gesichter, zufriedenes Schulterklopfen, munteres Händeschüttel und dann die magischen Worte von Frau Kraft: „Keine Schulform wird abgeschafft.“ – Ja, der Schulkonsens scheint eine tolle Sache zu sein.

Was dabei heraus gekommen ist, scheint den meisten Eltern dagegen herzlich egal zu sein, denn die viel wichtigere Nachricht für sie: Jetzt herrscht erstmal Ruhe im Karton – zumindest für die nächsten zwölf Jahre, das ist rechtlich festgehalten. Ein Aufatmen also für diejenigen, die ihre Sprößlinge im frisch gewonnenen Konsens als I-Männchen in sechs Wochen zur Schule schicken – deren Bildungs-Kuh ist auf jeden Fall runter vom Eis und man kann sich endlich wiedermal auf den Schulalltag konzentrieren – Ohne dabei Angst haben zu müssen, von wahnwitzigen Planungsänderungen überrumpelt zu werden.

Für alle, die sich darüber hinaus doch dafür interessieren, was da so am Dienstag von der rot-grünen NRW-Regierung und der CDU wahnsinnig tolles, individuelles und galaktisch fantastisch auf den Weg gebracht und in einer großen, sensationsreichen Pressekonferenz aus der Torte gezaubert wurde:
Die Sekundarschule

Nach dem Motto: Aus allem nur das Beste – oder, etwas frivoler ausgedrückt: Alles kann, nichts muss – gibt es jetzt, neben Gymnasium, Gesamtschule, Realschule, Hauptschule und den zwölf Gemeinschaftsschulen (Ach, ja – Sie erinnern sich? Schulen unterschiedlicher Formen schließen sich zu einer neuen Schule zusammen, gemeinsames Lernen in Klasse 5 und 6, ab der 7. Klasse wird nach unterschiedlichen Bildungsgängen differenziert und und und…)

Die neue Sekundarschule ist dagegen quasi ein buntes Ratatouille aus den schon bestehenden 4 ½ Schulformen:

  • Gemeinsames Lernen in Klasse 5 und 6
  • Kooperation mit einem Gymnasium, Berufskolleg oder einer Gesamtschule – je, nachdem…
  • Wenn der Bedarf besteht, Option eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe zu gründen – je, nachdem…
  • Ab der 7. Klasse kann der Unterricht integriert, teilintegriert oder in zwei getrennten Bildungsgängen erfolgen – je nachdem…
  • Ein fakultatives Angebot der 2. Fremdsprache – je nachdem…
  • Vielleicht auch noch ab Jahrgang 8 eine 3. Fremdsprache, um die Anschlussfähigkeit ans Gymnasium zu sichern – je, nachdem…

Ein bisschen erinnert es dann ja doch an die Gemeinschaftsschule, aber die wollte die CDU ja partout nicht… Naja, wirr freuen uns auf zwölf ruhige, bildungspolitisch total langweilige Jahre und sind sehr gespannt auf den ersten Konsens-Jahrgang! 😉

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