Ziele nicht erreicht und noch keine Einsicht in der deutschen Bildungspolitik

Insgesamt liegt das schlechte Abschneiden nicht zuletzt an dem deutschen Bildungssystem – denn das vernachlässigt immer noch einen wichtigen Teil der deutschen Gesellschaft: Migranten und Ausländer. Deutschland ist mittlerweile ein Zuwanderungsland, hat aber seine Aufgabe als solches noch lange nicht ausreichend erfüllt, wie die schlechten Ergebnisse seiner Migranten zeigen.

Nach Bekanntwerden des EU-Bildungsberichts 2010 war die Enttäuschung groß – Gerade einmal eines der fünf selbsternannten Bildungsziele wurden von den EU-Mitgliedsstaaten erreicht – Dieses,  so sollte man fairerweise sagen, allerdings um ein Vielfaches.  Die Erwartungen an Hochschulabsolventen naturwissenschaftlicher und mathematischer Fächer wurden teilweise um das doppelte der angestrebten Zahlen erfüllt. Insgesamt stieg die Zahl der Absolventen um 37,2 Prozent (angestrebt waren 15 Prozent).

Deutschland hat sich zwar insgesamt gesteigert, bleibt dabei aber seiner klassischen Rolle des Mittelmaß treu und rangiert bei der Statistik im Mittelfeld. Was die Ergebnisse der deutschen Bildungsziele allerdings nicht thematisieren, ist der nach wie vor hohe Anteil an Ausländern und Menschen mit Migrationshintergrund, die im deutschen Bildungssystem immer noch unzureichend gefördert und unterstützt werden.

 

Lesekompetenz: Migranten lesen schlechter

Bei den Schülern mit einer geringen Lesekompetenz sollte der Anteil auf 17 Prozent sinken. In Deutschland lag die Quote allerdings bei 18,5 Prozent, wobei es sich bei zwei Dritteln der Schüler um Zuwandererkinder handelt. Die Befunde zeigen dabei, dass die Differenz in der Lesekompetenz von Schülern mit Migrationshintergrund durchschnittlich 48 Punkte zu Kindern mit deutschen Elternteilen beträgt, was einer halben Standardabweichung entspricht. Bei Jugendlichen bedeutet dies, dass 50 Prozent der Jugendlichen, deren Eltern beide zugewandert sind, im Lesen nicht die elementare Kompetenzstufe I überschreiten.

Schulabbrecher: Ausländische Jugendliche verlassen mehr als doppelt so häufig die Schule ohne Abschluss

Bis 2010 sollte die Schulabbrecherquote von höchstens 10 Prozent erreicht werden – Diese Vorgabe hat Deutschland mit 11.1 Prozent beinahe erfüllt. Schade nur, dass fast 70 Prozent dieser Schulabbrecher Zuwandererkinder sind. Knapp 14 Prozent der ausländischen Schüler verlassen die Schule ohne einen Abschluss, bei Kinder mit deutschen Eltern sind es lediglich sechs Prozent.

Bildungserfolg der Jugendlichen: Nicht mal jeder zehnte Abiturient ist Ausländer

Mindestens 85 Prozent der 22-jährigen in der EU sollten bis 2010 die Sekundarstufe II abgeschlossen haben. In Deutschland liegt die erreichte Quote gerade einmal bei 73,7 Prozent, was einen ziemlich schlechten 23. Platz in der Gesamtwertung bedeutet. Noch alarmierender ist allerdings die Tatsache, dass noch nicht einmal jeder zehnte Abiturient Ausländer, bzw. Migrant ist (Wohingegen bundesweit jeder dritte deutsche Jugendliche die Schule mit dem Abitur abschließt).

Lebenslanges Lernen: Ausländer und Migranten wesentlich seltener beteiligt

Der Anteil der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter, der am lebenslangen Lernen teilnimmt, sollte in der EU im Durchschnitt 12,5 Prozent im Jahr 2010 erreichen. Auch in Deutschland wurde dieses Ziel verfehlt und gerade einmal 7,8 Prozent erreicht. Leider war gerade einmal jeder zehnte Teilnehmer an einer beruflichen Weiterbildung Ausländer, bzw. Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund. Damit bleibt der Anteil deutlich unter dem Anteil der Gesamtzahl aller Einwohner in Deutschland (19 %).

Bildung durch Integration – Integration durch Bildung

In Deutschland leben mehr als 15 Millionen Menschen mit ausländischen Wurzeln, das heißt fast ein Fünftel der gesamten Bevölkerung hat mittlerweile einen Migrationshintergrund. Schon lange ist diese Bevölkerungsgruppe zu einem festen Bestandteil der deutschen Gesellschaft geworden – trotzdem wird sie durch das deutsche Bildungssystem nach wie vor benachteiligt.

Bildung sollte viel stärker als Schlüssel zur sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Integration von Migranten und Ausländern betrachtet und dementsprechend gefördert werden. Um in Zukunft selbst gesteckte, vorgegebene und hoch gepriesene Bildungsziele zu erreichen, muss erst einmal die Integration aller Bevölkerungsgruppen und -schichten in das deutsche Bildungssystem stattfinden.

 

Quellen:

EurActiv.de
IGLU 2006
Statistik: Anteil der Abschlussarten bei deutschen und ausländischen Schulabgängern im Abgangsjahr 2009 (Statistisches Bundesamt)
Studie. Herkunft und Bildungschancen (Schader Stiftung)
Studie:  Migranten und Migrantinnen im Schulsystem Deutschland (Universität Duisburg)
Studie: Migrationshintergrund vonKindern und Jugendlichen: Wege zur Weiterentwicklungder amtlichen Statistik (Bundesministerium für Bildung und Forschung)

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