Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat Ende November den Entschluss gefasst, dass das Abitur in Bezug auf den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) die Niveaustufe fünf erhalten soll. Damit wäre das Abitur höherwertig als viele Berufsabschlüsse. Der Hauptausschuss des Deutschen Instituts für Berufsbildung (BIBB) sieht bei der Umsetzung dieses Beschlusses die Gefahr, dass sich immer weniger Abiturienten für eine Berufsausbildung entscheiden, weil ihnen vermittelt wird, dass die allgemeine Hochschulreife höherwertig sei. Dies könnte sich nachhaltig negativ auf den Fachkräfte-Nachwuchs der Wirtschaft auswirken.

Unsere Fragen hierzu lauten: Für was hat sich ein Schüler qualifiziert, nachdem er die allgemeine Hochschulreife bestanden hat? Was hat dieser junge Mensch bewiesen? Dass er gut lernen und Informationen im schulischen Kontext gut erfassen und verarbeiten kann? – das auf jeden Fall. Hat er deswegen automatisch ein höheres Qualifikations-Niveau? Wir wollen hier keinesfalls das Abitur schlecht reden – aber ist ein Abiturient nützlicher für die Gesellschaft bzw. höher qualifiziert als ein Haupt- oder Realschüler, der eine abgeschlossene Berufsausbildung hat? Wir denken, dass das nicht so ist.

Ein Schüler mit allgemeiner Hochschulreife kann selbstverständlich im späteren Berufsleben einen immens hohen Wert für die Gesellschaft haben – er kann! Ob das Abitur jedoch wirklich grundsätzlich ein höheres Qualifikations-Niveau ausdrückt als der erfolgreiche Abschluss einer dreijährigen Berufsausbildung, das wagen wir zu bezweifeln. Die allgemeine Hochschulreife alleine sollte keinesfalls zu dieser Beurteilung verleiten. Deshalb schließt sich Hauptsache Bildung gerne der Meinung des BIBB (und mittlerweile auch der Bundesregierung) an, dass das Abitur auf DQR-Niveaustufe vier, also gleichwertig mit drei- und dreieinhalbjährigen Berufsausbildungen einzuordnen ist.

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