Im Vorfeld der Umfrage von Stiftung Warentest gab es viele böse Stimmen, im Nachhinein waren die Ergebnisse doch insgesamt recht positiv. Über 400.000 Personen belegen zur Zeit einen Fernlehrgang oder Fernstudiengang. Nur wenige Punkte wurden von den teilnehmenden Fernstudenten bemängelt. Hauptsache Bildung spricht im Interview mit Jens Greefe, pädagogischer Leiter bei dem ILS, der größten Fernschule in Deutschland, über die Studie und deren Auswirkung auf die zukünftige Arbeit von Fernschulen.

1. Nur 12 % der Befragten bekommen zur Finanzierung des Studiums Unterstützung von staatlicher Seite. Wie kommt Ihrer Meinung nach diese niedrige Zahl zu Stande? Liegt es daran, dass tatsächlich immer noch wenig gefördert wird oder dass viele im „Wirrwarr“ der Fördermöglichkeiten und der jeweils zuständigen Stellen verzweifeln und sich direkt privat finanzieren?

Die meisten unserer Teilnehmenden sind erwerbstätig und haben keinen Anspruch auf Fördergelder. In den Fällen, in denen Förderungen möglich sind – beispielsweise das sogenannte „Meister-BAFöG“, das für die Aufstiegsfortbildung zum „Staatl. gepr. Techniker“ oder zur „Staatl. gepr. Betriebswirtin“ bewilligt werden kann – weisen wir in unseren Beratungsgesprächen explizit auf diese Möglichkeiten hin.

2. In anderen parallel laufenden Arbeitgeber-Umfragen wurde von vielen Unternehmen die Aussage gemacht, zukünftig mehr in die Fortbildung ihrer Mitarbeiter zu investieren. 33 % der befragten Personalverantwortlichen wollen in Zukunft noch mehr Weiterbildungen fördern (Quelle: ILS). Trotzdem werden gerade einmal 16 % der Umfrageteilnehmer von ihrem Arbeitgeber unterstützt. Wie passen Ihrer Meinung nach diese beiden Zahlen zusammen?

Das passt natürlich nicht gut zusammen – in der Tat ist die Devise „Lebenslanges Lernen“ in aller Munde. Wahr ist aber auch, dass in Krisenzeiten in vielen Unternehmen zuerst am Weiterbildungsbudget gespart wird. Außerdem gibt es nicht wenige Teilnehmende, die es nicht möchten, dass der Arbeitgeber von deren Fortbildungsplänen erfährt, weil sie sich mit einem Fernlehrgang für einen Jobwechsel vorbereiten.

3. Bei Befragten, die das Studium oder den Fernkurs nicht zu Ende gebracht haben, war eine der Hauptaussagen, dass sich die Teilnehmer alleine gelassen gefühlt haben. Was können Sie demgegenüber, zumindest von dem ILS aus betrachtet, entgegen bringen? Können dort vielleicht noch Betreuungskonzepte optimiert werden?

Wir versuchen alles, um die Lernbedingungen so zu gestalten, dass unsere Teilnehmenden ihre Lehrgänge beenden können. Eine große Rolle spielt dabei unsere Lernplattform, über die Fragen gestellt werden können und Kontakt zu anderen Teilnehmenden hergestellt werden kann. Wer diese Möglichkeiten ausschöpft, muss nicht allein lernen – obwohl es sich um Fernunterricht handelt. Viele unserer Kunden gründen bspw. Lerngemeinschaften und „Studentenstammtische“. Aber aktiv werden muss der Lerner schon selbst.

4. Die meisten Abbrecher geben fehlende Zeit als Grund des Studienabbruchs an. Liegt es vielleicht doch daran, dass viele Menschen den Aufwand eines Fernstudiums unterschätzen?

Das ist von Fall zu Fall zu beantworten. Wir geben in unseren Informationsunterlagen Durchschnittswerte für den zu erwarteten Zeitaufwand an. Die tatsächliche Lernzeit hängt für den Einzelnen jedoch von seinem individuellen Lerntempo ab und wenn jemand eher langsam lernt, kann dies auch einmal zu einer zeitlichen Überforderung führen. Damit Zeitstress nicht zum bestimmenden Einflussfaktor wird, gewähren wir unseren Kunden nach der Regelstudiendauer grundsätzlich noch eine gebührenfreie Betreuungszeitverlängerung von 50%. Das bedeutet, dass ein Teilnehmender eines 12-Monatslehrgangs nach Ablauf dieser Zeit weitere 6 Monate Zeit hat, den Lehrgang zu beenden.

5. 32 % der Befragten geben an, dass der Lehrgang nicht den Erwartungen entsprach. Das überrascht, gibt es doch ein überaus detailliertes Angebot an Fernkursen und zudem auch ein umfangreiches Beratungsangebot der Fernhochschulen. Sehen Sie es dennoch als notwendig an, einen allgemeinen Ausbau von Studienberatungen, die speziell auf das Fernstudium ausgelegt sind, voran zu treiben?

Diese Zahl überrascht in der Tat – und sie überrascht umso mehr, wenn man bedenkt, dass sich jeder Kunde bei uns 4 Wochen lang das Lernmaterial der ersten 6 Monate ansehen und die Serviceangebote testen kann. Man sollte meinen, dass diese Zeit ausreichend ist, sich einen Eindruck vom Lehrgang zu machen. Dessen ungeachtet ist eine gute Beratung der Schlüssel für den nachhaltigen Erfolg eines Fernlehrinstituts. Die Beratungsabteilung des ILS versucht jedenfalls alles, um die Kunden vor Lehrgangsbeginn so umfassend zu informieren, dass die Erwartungen dann auch erfüllt werden können.

6. Viele Fernstudenten loben den guten Kontakt und die Erreichbarkeit ihrer Studientutoren über die Online-Plattformen und den virtuellen Campus. Auch das ILS bietet ihren Studenten, wie unsere Studie gezeigt hat, eine gute Online und Social-Media-Vernetzung an. Glauben Sie, dass diese neuen und vereinfachenden Praxisanwendungen, dem Fernstudium einen neuen Aufschwung gegeben haben?

Es gehört heute einfach dazu, die Vorteile der neuen Medien zu nutzen. Dies gilt auch und insbesondere für Fernlehrangebote. Wer diese Angebote nicht vorhält wird vom Markt verschwinden. Neben der zeitgemäßen medialen Ausstattung unserer Dienstleistung ist jedoch noch ein anderer Punkt von herausgehobener Bedeutung, wenn sich Kunden für Fernlehrangebote entscheiden: Die Flexibilität, die ein Fernlehrgang bietet! Die Teilnehmenden können lernen wann und wo sie wollen. Es gibt keine festen Unterrichtszeiten und keine Fahrtkosten. Besonders die zeitliche Flexibilität schätzen viele unserer Kunden, die wegen ihrer Arbeitszeiten (Schicht- oder Wochenendarbeit) keine Chance hätten, einen (Präsenz-)Lehrgang zu besuchen.



Das 1977 gegründete ILS ist  mit 200 staatlich zugelassene Fernlehrgängen und mehr als 80.000 Studienteilnehmern jährlich die größte Fernschule Deutschlands. In sechs Lehrinstituten führt das ILS zu staatlichen, öffentlich-rechtlichen und institutsinternen Abschlüssen. Alle ILS-Fernlehrgänge sind staatlich überprüft und zugelassen. Das ILS ist zudem als Fernlehrinstitut in Deutschland nach ISO 29990, der neuen internationalen Qualitätsnorm für die Aus- und Weiterbildungsbranche, zertifiziert worden.

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