Azubi AuslandWenn es darum geht, der demografischen Entwicklung und dem daraus resultierten Fachkräftemangel entgegen zu wirken, sind nicht nur bundesweite Strategien gefordert. Auch regionale Ansätze versprechen Erfolg, denn jede Region hat andere, für sie spezifische Potenziale – und diese gilt es zu nutzen. Dafür setzt sich zum Beispiel die Wirtschaftsförderung Schmallenberg Unternehmen Zukunft (SUZ) ein. Die Idee: Eine regionale Fachkräfteinitiative in Form eines koordinierten Netzwerks, das Betriebe, Bildungsträger und Schüler zusammenbringt. Damit soll die Zusammenarbeit von Unternehmen und Schulen verbessert und die zukünftigen Nachwuchskräfte stärker mit der Region verbunden werden. Finanziell unterstützt wird die Arbeit durch Mittel der Europäischen Union (LEADER-Programm), der Bürgerstiftung der Stadtsparkasse Schmallenberg und der Stadt Schmallenberg.

Wir sprachen deshalb mit Sascha Dorday, SUZ-Geschäftsführer und Gründungsmitglied des Netzwerks „Fokus Schule + Wirtschaft“, in einem Interview über die regionale Fachkräfteinitiative und die Aufgaben und Arbeiten des Netzwerks.

Sascha Dorday, SUZ-Geschäftsführer und Gründungsmitglied des Netzwerk Schule + Wirtschaft

Frage 1: Wie kam es dazu, dass Sie sich als Wirtschaftsförderung Schmallenberg für die Gründung des Arbeitskreises eingesetzt haben?
Dorday: Vor der Idee, einen Arbeitskreis Schule+Wirtschaft zu gründen, stand die Durchführung einer Befragung bei Schülern und Unternehmen zu den Ausbildungsperspektiven in Schmallenberg. Hierbei offenbarte sich u.a. ein deutliches Kommunikationsdefizit zwischen Schülern und Unternehmen. Hinzu kam der Wunsch der Wirtschaft, mit den Schulen enger zusammenzuarbeiten. Hier setzen wir mit dem Arbeitskreis nun gezielt an.

In Schmallenberg gab es vor der Initiierung unseres Arbeitskreises lediglich vereinzelte Aktivitäten zwischen Unternehmen und Schulen, um z.B. Schüler über Ausbildungsmöglichkeiten im jeweiligen Betrieb und die regionale Berufswelt zu informieren – meist im Rahmen der Berufsorientierung in den Schulen. Diese Aktivitäten werden von den Schülerinnen und Schülern gut angenommen und sie sind für Unternehmen eine praktikable Gelegenheit, sich den potenziellen Nachwuchskräften zu präsentieren. Als Wirtschaftsförderung Schmallenberg begrüßen wir den frühen Kontakt zwischen den Schulen und den heimischen Unternehmen. Um die bestehenden Aktivitäten weiter auszubauen und zu verstärken, haben wir diesen Arbeitskreis initiiert. Insbesondere wollen wir durch gemeinsame Arbeit an Projekten dazu beitragen, dass beide Seiten – Unternehmen und Bildungsträger – mehr voneinander lernen und Verständnis füreinander entwickeln.

Frage 2: Welche durch den demographischen Wandel verursachten Probleme sind in der Region Schmallenberg besonders vordringlich? Wie wichtig ist beispielsweise das Thema Fachkräftemangel für Unternehmen in der Region Schmallenberg?
Dorday: Bevölkerungsverlust, die Alterung der Gesellschaft sowie die Tatsache, dass immer mehr junge Menschen nach der Schule den ländlichen Raum verlassen, sind Probleme, die Schmallenberg direkt betreffen. Bis 2030 ist für unsere Stadt ein Bevölkerungsrückgang von 8,2% prognostiziert, der Anteil der bis 20 Jährigen sinkt um 30%. Gleichzeitig stellen wir eine positive Arbeitsmarktentwicklung fest. Die Arbeitslosenquote liegt heute bei unter 3%, was quasi eine Vollbeschäftigung bedeutet. Die Wirtschaft, die geprägt ist von vielen prosperierenden kleinen und mittleren Unternehmen, ist gut aufgestellt. Der Fachkräftemangel ist jedoch heute schon in einigen Branchen, wie im Elektronikbereich oder der Textilindustrie deutlich spürbar. Dieser Zustand wird sich in den nächsten Jahren massiv ausweiten – es wird zukünftig immer schwerer, neue Mitarbeiter zu gewinnen. Insofern besitzt das Thema Fachkräftemangel einen hohen Stellenwert in unserer Region.

Frage 3: Wie waren die Reaktionen der Stadt und der ansässigen Unternehmen auf Ihr Projekt?
Dorday: Durchweg positiv! Das können Sie daran festmachen, dass neben ansässigen Unternehmen und allen weiterführenden Schulen auch Vertreter der Stadt Schmallenberg sowie anderer Institutionen wie der Agentur für Arbeit, der IHK und der Handwerkskammer im Arbeitskreis vertreten sind.

Frage 4: Herr Dorday, Sie sind eines der Gründungsmitglieder des Netzwerks „Fokus Schule + Wirtschaft“. Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Arbeitskreis?
Dorday: Originäres Ziel ist, der sich verschärfenden Fachkräftesituation und der demografischen Entwicklung in Schmallenberg aktiv zu begegnen, indem die Zukunftschancen für junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt erhöht werden und damit ansässigen Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter auch zukünftig zur Verfügung stehen. Durch gemeinsame Projektarbeit muss es gelingen, einen zukunftsfähigen Raum für junge Menschen und Unternehmen zu schaffen. Für das Netzwerkmanagement ergeben sich folgende vier Hauptziele

1. Lebendige Kooperation zwischen Schulen und Wirtschaft

  • Förderung eines gegenseitigen Verständnisses durch Austausch über Ziele, Inhalte und Methoden der schulischen Bildungslandschaft sowie der Wirtschafts- und Arbeitswel
  • Langfristige Zusammenarbeit von Schulen und Unternehmen durch Abschluss von Kooperationsvereinbarungen und gemeinsamen Aktivitäten

2. Förderung der sozialen Kompetenzen der Schüle

  • Bestandsaufnahme und Entwicklung von fördernden Maßnahmen

3. Förderung der Wirtschaftskompetenzen der Schüler

  • Erarbeitung von Maßnahmen zur Förderung des unternehmerischen Denkens

4. Praxisnahe Berufsorientierung

  • Organisation von praxisbezogenen Maßnahmen zur Berufsorientierung

Frage 5: Warum glauben Sie ist es so wichtig, frühzeitig den Kontakt zu Schülern und verantwortlichen Bildungsträgern zu suchen?
Dorday: Jede Region und auch die großen Universitätsstädte werben für sich. Schüler haben durch die neuen Medien einen leichten Zugang zu diesen Informationen. Schmallenberg darf sich da nicht verstecken! Wir dürfen nicht verschlafen, über die Ausbildungs-, Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten in der Region frühzeitig zu informieren. Sonst laufen uns die Fachkräfte von Morgen davon. Nur wenn die Schulabgänger wissen, welche Karrieremöglichkeiten sie in ihrer Heimat haben, besteht die Chance, dass einige von ihnen auch hier bleiben oder wiederkommen.

Frage 6: Welche Projekte konnten schon umgesetzt werden? Was ist künftig geplant?
Dorday: Durch einen intensiven Austausch und durch die Erarbeitung gemeinsamer Projekte im Arbeitskreis können wir schon jetzt beobachten, dass die Kommunikation zwischen Schülern, Unternehmen und Vertreter der Agentur für Arbeit kontinuierlich ausgebaut und verstärkt wird.

Derzeit arbeiten wir in drei Arbeitsgruppen innerhalb des Arbeitskreises an der Realisierung folgender Projekte:

Die AG „Duales Studium“ hat sich zum Ziel gesetzt, Schüler und Unternehmer über die Möglichkeiten des Dualen Studiums aufzuklären und beide Seiten durch Informationen zu sensibilisieren. Es soll eine Übersicht über die dualen Studienangebote im Hochsauerlandkreis (HSK) geschaffen werden, um Schüler aus der Region nach Abschluss der Schule zum Bleiben zu bewegen und Schüler außerhalb des HSK zum Studieren in den HSK zu locken. Ein weiterer Fokus liegt darauf, Unternehmen aus Schmallenberg für das Duale Studium zu gewinnen. Im Frühjahr kommenden Jahres möchte die AG eine Infoveranstaltung zum Dualen Studium für Unternehmer aus Schmallenberg veranstalten. Dort soll über duale Studiengänge in den Bereichen Handwerk und Industrie informiert werden. Betriebe, die bereits erfolgreich duale Ausbildungsmöglichkeiten anbieten, werden an diesem Abend von ihren Erfahrungen berichten und „Best Practice“-Unterstützung anbieten.

Die AG „Jobmesse“ befasst sich mit der Möglichkeit, eine Job- und Ausbildungsmesse für Schmallenberg vorzubereiten, bei der Schüler und Unternehmer persönlich in Kontakt treten können. Diese Messe soll im Frühjahr 2012 in der Stadthalle Schmallenberg stattfinden. Um auch kleineren Handwerksbetrieben die Möglichkeit zur Präsentation zu bieten, soll beispielsweise ein Shuttlebus gezielt einzelne Unternehmen anfahren. Schüler können so hautnah die Arbeit im Betrieb kennenlernen.

Eine weitere Arbeitsgruppe wird SUZ bei der Kommunikation einer neuen Online-Karriereplattform für Schüler und Unternehmen unterstützen. Bestandteil der Internetplattform wird eine Praktikumsbörse und eine Ausbildungsplatzbörse sein. Als weiteren Baustein werden Schüler die Möglichkeit erhalten, sich mittels Schülerprofilen den Unternehmen zu präsentieren.

Wir danken Sascha Dorday für das Interview!

Schmallenberg Unternehmen Zukunft e.V. (SUZ) ist eine gemeinsame Initiative der gewerblichen Wirtschaft Schmallenbergs und der Stadt Schmallenberg, mit Unterstützung der Volksbank Bigge-Lenne eG und der Stadtsparkasse Schmallenberg. SUZ wurde im Februar 2008 gegründet und  arbeiten seitdem konsequent für das Ziel, den Wirtschaftsstandort Schmallenberg aus einem  ganzheitlichen Ansatz heraus auszubauen und zu  stärken.

Kontakt: Sascha Dorday,SUZ-Geschäftsführer
Bildnachweis: Schmallenberg Unternehmen Zukunft e.V.

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