Von klugen Kindern mit kläglichen Noten

In Frankfurt am Main wurde am 29. November 2011 der mit 50.000.- Euro dotierte Karg-Preis verliehen. Mit diesem Preis der Karg-Stiftung werden im zweijährigen Turnus die besten Projekte zur Förderung von begabten Kindern und Jugendlichen ausgezeichnet. Die Karg Stiftung kümmert sich seit 1989 um die Förderung von Hochbegabten, wobei der Fokus dieser Institution auf die Entwicklung geeigneter Fördereinrichtungen sowie die Weiterqualifizierung von pädagogischen und psychologischen Fachkräften gerichtet ist. Darüber hinaus engagiert sich die Karg-Stiftung in der Begabungsforschung.

Der Karg-Preis ging in diesem Jahr an zwei Institutionen: Das Hochbegabten-Zentrum (HBZ) in Brühl und das Wilhelm-Ostwald-Gymnasium in Leipzig. Diese beiden Einrichtungen widmen sich in besonderer Weise dem Thema Underachievement, wenn auch auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Kinder und Jugendliche, die zwar eine hohe Intelligenz besitzen aber ihre Leistungsfähigkeit aus verschiedenen Gründen nicht im alltäglichen Schulunterricht umsetzen können, werden als Underachiever oder auch als Minderleister bezeichnet. Wenn die bestehenden Potentiale solcher Schüler nicht gefördert werden, können Lernverweigerung oder Schulversagen die Folge sein.

Die beiden oben genannten Institutionen, deren Schwerpunkte nachfolgend kurz vorgestellt werden, stellen sich dieser Problematik mit unterschiedlichen Ansätzen. Das HBZ Brühl leistet Beratungsarbeit überwiegend an Hauptschulen und Realschulen, während sich das Wilhelm-Ostwald-Gymnasium im Rahmen seines naturwissenschaftlichen Fokus auf die Wiedereingliederung von Underachievern in den schulischen Alltag konzentriert. Engagierte Lehrerinnen und Lehrer sind zwar stets darum bemüht, dass kein Kind „verloren geht“ aber dennoch ist gerade das Erkennen und die Förderung von Underachievern bei weitem noch kein Thema, das in das Raster der regulären Bildungsangebote passt.

Die Preisträger sind auf jeden Fall für ihre herausragende Arbeit in dieser Bildungs-Nische zu beglückwünschen. Aus vielen Kindern und Jugendlichen, die in der Schule mittelmäßige bis schlechte Leistung zeigten, werden im späteren Leben gesuchte Fachkräfte und hochbegabte Erwachsene – vielleicht könnte diesen jungen Leuten ein gutes Stück ihres schulischen „Leidensweges“ erspart bleiben, wenn man durch gezielte Förderung frühzeitig ihre speziellen Begabungen und kognitiven Fähigkeiten weiterentwickeln würde. Die beiden prämierten Institutionen bieten jedenfalls einen tollen Ansatz für diese Idee.

Bildnachweis: @istockphoto/maica

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