Zum Start des neuen Ausbildungsjahres hat der bildungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Albert Rupprecht, in einer Rede bemängelt, dass auf der einen Seite viele Ausbildungsstellen nicht besetzt werden und auf der anderen Seite in den Hörsälen Gedränge herrsche. Er rät den jungen Menschen, die ein Studium beginnen möchten, indirekt dazu erst eine Lehre zu machen um die praktischen Aspekte des bevorzugten Berufsfeldes kennen zu lernen.

Dazu kann man natürlich geteilter Meinung sein – aber im großen und ganzen sind wir ausnahmsweise einmal fast der gleichen Ansicht. Nehmen wir doch einmal an, jeder Arzt hätte vor seinem Medizinstudium Krankenpfleger gelernt – in den Krankenhäusern würde ein völlig anderes Klima herrschen. Nehmen wir weiter an, jeder Bauingenieur hätte vor seinem Studium eine Lehre im Bauhandwerk absolviert – viele Kommunikationshürden würden damit fallen.

Spekulieren wir noch ein wenig weiter und nehmen rein hypothetisch an, jeder Rechtsanwalt wäre einmal Polizeibeamter gewesen und die meisten Informatiker einmal Elektriker (o.ä.). Also wir glauben, dass die Berufswelt dann ein ganzes Stück entspannter aussähe. Das wäre für die Berufswelt so ähnlich wie Esperanto für Europa. Vielleicht würden nicht alle die gleiche Sprache sprechen aber zumindest würden wir einander besser verstehen.

So mancher berufstätige Mensch im „mittleren Dienst“ kann ein Liedchen davon singen was dabei herauskommt, wenn sich die Abi-1,x-Kandidaten mit einem 1,x-Uni-Abschluss ohne vorige Berufserfahrung in ihre Berufe stürzen und sich dabei so weltfremd benehmen wie ein Bernhardiner im Beauty Salon…. Deswegen: Vielleicht nicht grundsätzlich – aber schätzungsweise 95% der Studenten würde es ganz bestimmt nicht schaden, wenn Sie vorher eine Lehre machen oder zumindest in ihre künftige Berufswelt hineinschnuppern würden.

VN:F [1.9.22_1171]
Diesen Artikel bewerten
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)