WARUM ICH NICHT AUF FACEBOOK BIN

Wie bereist angekündigt, erscheint heute der zweite Teil diese Artikels. Um den erlauchten Leser die Thematik noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, eine kurze Einführung durch den letzten Absatz von Teil 1:

Trotzdem erscheint mir diese Art des digitalen Social Live irgendwie suspekt und wenn ich die Profile meiner Freunde sehe, erinnert es mich eher an ‚Second Live‘ als an ihr wahres Leben. Da ist zum Beispiel eine gute Freundin von mir: Hannah* Ein liebes, eher schlaksiges Mädchen …

Eher schüchtern als aufdringlich, eher zurückhaltend als kontaktfreudig. Zumindest im wahren Leben. Ihr Facebook-Bild suggeriert dem Betrachter etwas anderes: Da steht sie in der Halbtotalen, ihre langen schwarzen Haare liegen in spielerischen Wellen auf ihren Schultern, ein verführerischer Blick und ein leichter, zarter Biss mit ihren feuerrot bemalten Lippen in einen grünen saftigen Apfel. Auf dem Bild blickt mir eine mit allen Künsten der erotischen Weiblichkeit vertrauten Frau entgegen. Eine Frau, die mir sagt: „Hey ich bin die tollste, schönste und sexieste Frau auf der Welt.“ Gut denke ich, aber wo ist Hannah auf diesem Bild?

‚MEINE FREUNDE‘ next GENERATION?

Dabei sollte es auch gar nicht verwerflich sein, dass Menschen sich auf solchen Plattformen etwas anders darstellen, als sie im wahren Leben vielleicht sind. Klar, auch schon in dem Poesie- und „Meine Freunde“ Album in der Schule wurden gerne nur die guten Eigenschaften und interessantesten Hobbies preis gegeben, um möglichst beeindruckend und cool auf die Mitschüler zu wirken. Vielleicht ist Facebook einfach nur die nächste und digitalisierte Generation dieser Alben.

Nur manchmal macht sich der Eindruck bei mir breit, dass es hier ein bisschen mehr ist: Menschen schaffen sich im Netz eine völlig andere Identität und versuchen sich als etwas darzustellen, was sie nicht sind.

Da könnte ich jetzt einfach behaupten: „Ich möchte nicht auf Facebook sein, denn so etwas habe ich nicht nötig.“Aber das alleine ist es nicht.

KAUF mich, NIMM mich NICHT

Primär ist es tatsächlich der Gedanke, dass ich persönliche Informationen und Bilder in einem Netzwerk hochlade, das sich vorbehält, mit diesen Daten machen zu können, was es will. Überspitzt formuliert, gebe ich damit die Vollmacht über mich und meine Person ab. Und da kann noch nicht einmal behauptet werden, dass ich mich und meine Daten wenigstens teuer verkauft hätte – Nein, Facebook bekommt sie frei Haus geliefert und das millionenfach. Und egal auf welcher Seite ein Facebooker nach seinem Besuch im Netzwerk ist, sobald ein Like-Button, Facebook-Werbebanner etc installiert ist bekommt es Facebook mit und nutzt es natürlich – gewinnbringend.

Facebook ist also nicht nur soziales Netzwerk, sondern und vielleicht auch in erster Linie ein riesiges intergalaktisches, sich selbst ständig mit neuen Informationen versorgendes Marktforschungsinstitut. Informationen, die noch vor zehn Jahren durch schweißtreibende und oft auch nicht mit Erfolg gekrönten Telefoninterviews abgefragt werden mussten, werden jetzt vom Klienten kostenfrei und direkt eingespeist. Klar gibt es Möglichkeiten das Ganze zu umgehen und zumindest die Analyse meiner Surfgewohnheiten zu erschweren. Theoretisch könnte ich jedes Mal wenn ich auf Facebook eingelogt bin, mich danach abmelden, meine Cookies löschen und den Browser neu starten, um dann quasi incognito zu surfen. Aber das macht ja auch keiner…

IST DIE MACHT wirklich MIT MIR?

Und zu dem Einwand: Bewusst und gut dosiert eingesetzt kann es großen Nutzen haben: Ja vielleicht, aber das Problem besteht ja auch darin, dass irgendwelche Dritten in erster Linie Kommentare und Bilder über einen hochladen, die nicht unbedingt zuträglich sind. Vielleicht bin ich da paranoid. Aber selbst wenn auf meinem Profil nur die Bilder „Juli und Katze Klaus“ oder „Juli mit Pferd Pfiffi“ zu sehen sind. Wenn Bekannte es lustig finden, lieber das Partybild vom letzten Wochenende hochzuladen, auf dem ich beim Bullriding ein 0,2 Glas Tequila exe oder den danach festgehaltenen Moment, auf dem ich versuche desorientiert aus dem riesigen Gummi-Rodeo-Ring auszusteigen, vielleicht noch mit der Unterschrift „Juli reitet sich von Sinnen“ – dann ist das a) ziemlich scheiße, b) ziemlich peinlich für mich und c) kann ich da erst einmal nichts gegen tun. (Diese Geschichte ist übrigens zur allgemeinen Enttäuschung frei erfunden und die Bilder existieren leider auch nicht! ;-))

CHANGE yourself?

Natürlich gibt es auch hierfür Mittel und Wege das Ganze scheinbar etwas besser zu steuern. Da gibt es zum Beispiel die Gruppe an Freunden, die diese „Gefahr“ von Facebook erkannt haben, aber aus sozialen Gründen gerne drin bleiben. Schließlich sind sie eine eingeschworenen Community, die alle ihr privates Leben über Facebook steuern und vernetzen. Doch leider birgt die Gruppe „Partypixel der Elektrofront“ (Name erfunden) allerdings einige zweideutige, manchmal auch klar eindeutige Botschaften, die natürlich nicht unbedingt den Augen der Arbeitgeber zuteil werden sollten.

Die, die deshalb Skrupel haben, sind zu einer perfiden Taktik übergegangen: Sie haben sich einen Pseudonym angelegt. So wurde aus Mika* z. Bsp. Mi. Ka oder aus Louis* Lo Uis. Verdächtig schlau, würde man meinen. Leider ist Facebook auch nicht dumm und schlägt zum Bsp. bei der Suche nach „Mika“ folgendes vor: „Einen Mika haben wir nicht, meinst du vielleicht „Mi. Ka“?“  Und wer das Bild von Mika oder auch Mi. Ka kennt, sollte schnell herausfinden können, wer jetzt der „Echte“ ist… Von der automatischen Bilderkennung auf Facebook möchte ich jetzt hier gar nicht anfangen.

Das ENDE kommt zum SCHLUSS

Um ein Ende zu finden: Nichts desto trotz weiß ich natürlich über die Vorteile dieser Netzwerke und vielleicht kann auch behauptet werden, dass es für mich Nachteile bringt, nicht auf Facebook vertreten zu sein. Ja, dessen bin ich mir bewusst. Die in Teil 1 genannten Aussagen meiner Freunde sind alle echt und erst vor zwei Wochen wäre ich beinahe nicht auf einem schönen Geburtstag gewesen, weil das Geburtstagskind nur über Facebook eingeladen hatte.

Vielleicht bin tatsächlich doch paranoid, vielleicht gibt es Geheimnisse in meinem Leben, die ich selbst nicht kenne, vielleicht nehme ich mich und mein Leben aber auch einfach in diesem Punkt zu wichtig. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, so wie es im Moment ist, ist es einfach nichts für mich. Und bleibe bei meiner Meinung: Ich möchte nicht auf Facebook sein. Vielleicht ändert sich das irgendwann (z. Bsp. Facebook ein paar klitzekleine Änderungen in seinen Datenschutzrichtlinien vornimmt oder sich auch einfach an den deutschen orientiert… ;-)) vielleicht platzt die viel beschworene Social-Media-Blase aber doch noch einfach irgendwann und in zwei drei Jahren telefonieren wir wieder um uns zu verabreden und ich stehe da und sage „Ätschi Bätsch, meine Daten habt ihr nicht! … “ Wer weiß…

* Name von der Redaktion geändert  😉

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