abitur_hsbFremdsprachenkenntnisse werden in einer globalisierten Welt zunehmend wichtiger. Die berufliche Welt ist ohne Sprachenkenntnisse in Englisch, Französisch oder Spanisch nahe zu undenkbar geworden. In keinem anderen Bereich lässt sich so gut zeigen, was Bildungsteilhabe auf breiter Ebene in Wirklichkeit bedeutet. David Graddol, Autor der Studie„The Future of English“ hat schon vor mehr als zehn Jahren vorausgesagt, dass im Jahre 2015 mehr als drei Milliarden Menschen weltweit Englisch lernen oder sprechen werden. Nahezu die Hälfte der Welt also nach derzeitigem Stand.

Sprachzertifikate als Marke

Sprachen und Sprachenzertifikate sind längst zu einem eigenen Exportschlager geworden. Große Fremdsprachenschulen wie Berlitz sind global präsent und verzweigt. Wer sich unterdessen über die vielen unterschiedlichen Zertifikate informieren will, stellt ernüchternd fest, dass diese eine eigene Sprache sprechen. Wer in Australien an einer Hochschule studieren will, sollte möglichst ein IELTS-Zertifikat haben. Ohne TOEFL-Prüfung geht an amerikanischen Hochschulen für ausländische Studenten wenig. Und selbst im Mutterland der englischen Sprache England ringen Oxford und Cambridge um Markennamen und Marktpräsenz. Während sich Oxford mehr auf das Verlegen von Wörterbüchern spezialisiert hat, ist Cambridge mit seinen ESOL-Zertifikaten (English for speaker of Other Languages) erfolgreich darin, europäische Referenzrahmen der Leistungsstufen A1 (Anfänger) bis C2 (Profi) zu vermarkten.

Etikettierungs-Wirrwarr und Unübersichtlichkeiten

Diese Referenzrahmen von A1 bis C2 haben andere Fremdsprachenanbieter übernommen. Wer als Ausländer Deutsch lernen will, war früher mit dem Kleinen und Großen Sprachdiplom konfrontiert und findet diese Leistungsmarken heute bei Kursbüchern wie Tangram in A1 bis C1 wieder. Auch digitale Lernsoftwareanbieter wie Auralog aus Frankreich oder digital publishing aus München bieten ihre Materialien in diesen Etikettierungen an. Am Ende stehen Prüfungen und Zertifikate. Und ein breiter und unübersichtlich gewordener Markt. Die Diversifizierung des Fremdsprachenmarktes hat zur Folge, dass immer mehr Zertifikate auf den Markt strömen und bei den Weiterbildenden immer mehr Fragezeichen hinterlassen. Der europäische Referenzrahmen der ESOL-Prüfungen von A1-C2 bieten immerhin einen kontinentalen Orientierungsrahmen. Dennoch sind diese Zertifikate noch immer in der Findungsphase, wenn es um die Praxistauglichkeit geht. Wer technisches Englisch oder Französisch braucht, wird sich in diesen vorgegebenen Leistungsinhalten kaum wieder finden. Der berufliche Alltag ist mit seinen Anforderungen an Arbeitnehmer häufig schneller als einmal institutionell festgelegte und anerkannte Wegmarken.

Auch für deutsche Sprachstudenten keine Allgemeingültigkeit

Das deutsche Goethe-Institut beispielsweise erkennt Prüfungen in anderen Sprachinstituten, die sich auf den gleichen europäischen Referenzrahmen berufen, nicht an. Und der deutsche Staat erkennt Prüfungen, die in der Sprache Deutsch nicht beim Goethe-Institut abgelegt wurden, nicht an. Das bedeutet konkret, dass, wer sich in Abu-Dhabi bei Berlitz um die für die Einreise notwendigen A1-Sprachkenntnisse in Deutsch bemüht, letztlich am falschen Institut scheitern kann. Daran kann man erkennen, dass wesentlich mehr Zertifikate auf dem Markt sind als notwendig. Ähnlich geht es Studierenden, die in Australien ein Auslandsjahr absolvieren wollen. Viele Universitäten verlangen trotz nachweisbarer Referenzen das IELTS-Zertifikat.

Die Aussagekraft bleibt relativ

Immer neue Ansprüche und Anforderungen halten das Geschäft mit Fremdsprachen am Laufen. Die Weiterbildenden stehen am Ende dieser Kette und müssen letztlich nur die Vorgaben erfüllen, Kurse zusätzlich belegen und viel Geld dafür ausgeben. Viele Personalleiter in großen Unternehmen kennen das Problem, zucken aber letztlich nur mit den Schultern, weil auch sie sich nur nach den Vorgaben richten können. Es gilt die alte Regel, wenn ein Markt zu übersichtlich wird, sättigt er sich zu schnell. Die Aussagekraft von Zertifikaten in Fremdsprachen ist relativ, wenngleich natürlich Lehrbücher und Materialien in den einzelnen Stufen erkennbare Fortschritte im Niveau erkennen lassen.

Die wichtigsten Zertifikate zum Schluss 

  • CAE (Certificate in Advanced English) Wer in England studieren möchte oder selbst Ausländern Unterricht in Englisch erteilt, muss dieses Zertifikat vorweisen. Die Prüfungen bestehen generell aus fünf Leistungsmodulen, in denen das Leseverstehen, das Hörverstehen, das Sprechen, der Wortschatz im Kontext und das Schreiben der Examenskandidaten geprüft werden.
  • FCE (First Certificate in English) Entspricht der europäischen Referenzstufe B2. Wer ein solches Zertifikat vorlegen kann, hat nachgewiesen, dass er in der Lage ist, komplexe Inhalte zu verstehen und auszudrücken. Zugleich kann er sich fließend und spontan verständigen. Für europäische Arbeitgeber ist dieses Zertifikat in der Regel ausreichend.
  • IELTS ( International English Language Testing System) Der Test wird in zwei unterschiedlichen Versionen angeboten, die auf verschiedene Nutzergruppen ausgerichtet sind; „Academic“ und „General“. Die meisten Universitäten im englischsprachigen Raum akzeptieren den „Academic“-Test als Zulassungsvoraussetzung.
  • TOEFL (Test of English as a Foreign Language) Der Test wird von vielen Universitäten im englischsprachigen Raum, vor allem in den USA, als Zulassungsvoraussetzung anerkannt.

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