Laut einer aktuellen Studie (JIM 2011) zur Mediennutzung bei Jugendlichen nennen 86 Prozent von ihnen die Nutzung des Internets als wichtigste Medienbeschäftigung und verbringen im Durchschnitt rund zwei Stunden täglich im Netz. Personalentscheider und Ausbildungsleiter sollten in Anbetracht dieser Zahlen die eigenen Recruiting-Bemühungen um zukünftige Azubis durchaus einmal kritisch zu betrachten.

Wir sprachen deshalb mit Niels Köstring, Marketing-Leiter bei der AUBI-plus GmbH, über den Einsatz von E-Recruiting bei der Suche nach geeigneten Auszubildenden. Niels Köstring ist seit 2008 bei der AUBI-plus GmbH in der Marketing- und Kommunikationsabteilung tätig und Experte für den Bereich E-Recruiting.

Das Unternehmen AUBI-plus ist bereits seit 1997 in der Branche „E-Recruiting“ tätig und rekrutiert für Unternehmen geeignete Auszubildende, Studierende und Absolventen, für Hochschulen Studierende und für berufliche Schulen passende Lernende.

Niels Köstring

Niels Köstring, Leiter Marketing AUBI-plus GmbH

1. Frage: Zunächst eine ganz generelle Frage. Was verstehen Sie unter E-Recruiting? Aus welchen unterschiedlichen Komponenten setzt sich E-Recruiting für Sie zusammen?

Köstring: Vor dem „Electronic-Recruiting“ waren Rekrutierungsprozesse vollständig analog geprägt. Ich umschreibe den Begriff „E-Recruiting“ somit sehr allgemein als die Bemühungen seitens Unternehmen, Bewerber über Computer- und vor allem webgestützte Technologien anzusprechen und an sich zu binden. Dabei wird auch der Bewerbungsprozess über den Gebrauch von E-Mail-Bewerbungen und E-Recruiting-Systemen zusehends digitalisiert.

Konkret verstehe ich unter dem Begriff E-Recruiting die Stellenausschreibung über die unternehmenseigene Homepage sowie über Dienstleister wie Recruiting-Portale, Karriereseiten und Jobsuchmaschinen. Der gesamte Ausschreibungs-, Kommunikations- und Analyseprozess kann über sogenannte E-Recruiting-Systeme erfolgen.

Mittlerweile hat sich eine ganze Branche rund um das Thema E-Recruiting gebildet.

2. Frage: Immer mehr Unternehmen bevorzugen das Internet als Rekrutierungskanal für die Anwerbung neuer Fachkräfte. Laut einer aktuellen Umfrage unter Personalern wächst für die Rekrutierung von festangestellten Fachkräften die künftige Bedeutung von E-Recruiting sogar auf 96 Prozent. In dem Bereich „Auszubildende“ ist zwar eine enorme Steigerung zu beobachten, trotzdem liegt der zugesprochene Bedeutungsgrad mit 56 Prozent (Quelle: BVDW Umfrage) eher im Mittelfeld. Unterschätzen viele Unternehmen dabei nicht die Relevanz von E-Recruiting? 

Köstring: Ich glaube, dass mehr und mehr Unternehmen ihre Recruiting-Bemühungen dem Mediennutzungsverhalten ihrer Zielgruppe anpassen. Das Medium der Wahl für die 15-30 Jährigen ist selbstverständlich das World Wide Web, zu Hause über den PC und immer und überall über Smartphones. Deshalb bezeichnet man die nach 1980 geborenen Jahrgänge auch als „digital natives“.

Ein Grund dafür, dass dem E-Recruiting im Bereich „Ausbildung“ seitens der Unternehmen noch nicht die Bedeutung zugemessen wird wie im Bereich „Fachkräfte“, liegt meines Erachtens im lokalen bis regionalem Charakter der Ausbildung. Während viele Leute einen Job-bedingten Wohnortwechsel einkalkulieren, suchen Ausbildungsstarter eher im heimischen Umfeld nach geeigneten Unternehmen. Unternehmen versuchen also vor allem regional ihre Angebote zu bewerben – z. B. auf Bildungsmessen und in regionalen Publikationen. Um die richtigen Talente weiterhin anwerben zu können, sind Unternehmen, nicht zuletzt durch den Fachkräftemangel und den immer weiter um sich greifenden demografischen Wandel, dazu gezwungen, ihre Recruiting-Bemühungen auszubauen.

Unsere Aufgabe bei AUBI-plus ist es, Unternehmen, die sich fragen, wie sie diesen Aufgaben begegnen sollen, geeignete Maßnahmen aufzuzeigen und diese umzusetzen.

Denn junge Menschen sind über klassische Kanäle, wie z. B. Anzeigen im Print-Bereich, immer seltener zu erreichen. Gefragt ist eine zielgruppenaffine Ansprache an den Orten, wo sich die Zielgruppe aufhält.

3. Frage: Wie können es zum Beispiel kleine und mittlere Unternehmen schaffen, sich als Arbeitgeber im „War for Talents“ durch gezieltes und durch den Einsatz elektronischer Medien unterstütztes Ausbildungsmarketing und -recruiting auf dem Azubi-Markt gegen die Großunternehmen durchzusetzen?

Köstring: Kleine und mittelständische Unternehmen müssen häufig mehr Anstrengungen unternehmen, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Logos und Produkte der großen Konzerne kennt jedes Kind, was bei Unternehmen aus attraktiven Branchen, wie dem Maschinenbau oder der Halbleiterindustrie eher selten der Fall ist. Nicht zu unrecht werden die mittelständischen Unternehmen auch als „Hidden Champions“ unserer Wirtschaft bezeichnet.

Wir von AUBI-plus versuchen aus den „hidden Champions – visible Champions“ zu machen. Das geht nur über eine starke Arbeitgebermarke. Hier kommt unser Karriereportal www.aubi-plus.de ins Spiel. Wir bieten Unternehmen gleich einen ganzen Strauß an Optionen zum gezielten Employer-Branding. Darunter z. B. Premiumprofile – eigene kleine Homepages, mit denen sie sich unseren täglichen 14.000 Nutzern als attraktive Arbeitgeber präsentieren können.

4. Frage: Wie sieht erfolgreiches E-Marketing und -Recruiting im Ausbildungsreich konkret aus? Wie können Unternehmen Azubis erreichen und vor allem auch halten?

Köstring: Vor allem die Vorinformation über Ausbildungsberufe und ihre Anforderungen sind essenziell, um die Abbrecherquote dauerhaft zu senken. Ca. 70 % der Bewerber verteilen sich gerade einmal auf 20 von rund 350 Berufen. Ich rate Jugendlichen in Gesprächen immer dazu, die persönlichen Stärken, Neigungen und Interessen zu berücksichtigen und auf dieser Grundlage die Berufswahlorientierung anzugehen. Mit dem „Profiler“ haben unsere Nutzer die Chance, ihre Stärken mit den Anforderungen der ausbildenden Betriebe zu vergleichen und so festzustellen, ob sie für die Stelle wirklich geeignet sind.

Die Kunst für die Unternehmen besteht darin, die geeigneten Bewerber anzuziehen – und damit meine ich nicht zwangsläufig diejenigen mit der besten Durchschnittsnote auf dem Abschlusszeugnis. Zusätzlich zur Ausschreibung im Karriereportal www.aubi-plus.de bieten wir Unternehmen die Möglichkeit, unser Partnernetzwerk zu nutzen. Besonders interessant ist, dass AUBI-plus auch über ein Schulnetzwerk verfügt. Die Vakanzen erscheinen somit über spezielle Suchmaschinen auch auf 700 Schulhomepages.

5. Frage: Welche Rolle spielt Social-Media auf dem Auszubildendenmarkt im E-Recruiting?

Köstring: Mittlerweile eine recht große Rolle. Besonders Facebook bietet geradezu ideale Möglichkeiten zur Ansprache von Ausbildungs- und Studieninteressierten. Natürlich versuchen wir auch dort interessante Berufe vorzustellen und auf die passenden Angebote im Karriereportal www.aubi-plus.de zu verweisen. Zusätzlich kann man auf dieser Plattform in einen ungezwungenen Dialog mit Interessierten und potenziellen Bewerbern treten.

Die so genannten Karrierenetzwerke wie Xing und LinkedIn sehe ich persönlich zur Ansprache Ausbildungs- und Studieninteressierter aufgrund der doch älteren Zielgruppe als weniger geeignet an.

6. Frage: Welche Tipps haben Sie für Unternehmen, die sich das erste Mal mit professionellem Ausbildungsmarketing beschäftigen? Gibt es Strategien und Maßnahmen, die einfach umzusetzen oder zu befolgen sind?

Köstring: Zunächst kann das Unternehmen versuchen, die Grundlagen für eine gezielte Bewerberansprache zu schaffen. Dazu gehört aus meiner Sicht die Etablierung eines Karrierebereichs auf der Unternehmenshomepage, in dem z. B. die Azubis Einblick in ihre Arbeit und ins Unternehmen gewähren. Ein Facebook-Accout ist relativ einfach erstellt. Es stellt sich allerdings die Frage, ob die Ressourcen gegeben sind, um die Betreuung sicher zu stellen. Weiterhin empfiehlt sich natürlich die direkte Ansprache von Ausbildungsplatzsuchenden, z. B. auf Bildungsmessen oder bei einem speziellen Tag der offenen Tür oder in der Zusammenarbeit mit Schulen.

Bei AUBI-plus erfolgt Beratung aus einer Hand. Darauf legen wir großen Wert. Das bedeutet konkret, dass im Dialog mit dem ausbildenden Unternehmen, ein individuelles Portfolio für das Ausbildungsmarketing erarbeitet wird, welches exakt auf die Bedürfnisse des Unternehmens ausgelegt ist. Der Umfang reicht von einem klassischen Bewerbermarketing über Employer-Branding bis hin zum E-Recruiting-System.

Wir danken  Niels Köstring für das Interview!

AUBI-plus

Die AUBI-plus GmbH mit Sitz in Hüllhorst, in der Region Westfalen, ist seit 1997 in der Branche „E-Recruiting“ tätig. AUBI-plus rekrutiert für Unternehmen geeignete Auszubildende, Studierende und Absolventen, für Hochschulen Studierende und für berufliche Schulen passende Lernende. Über das Karriereportal www.aubi-plus.de bringt AUBI-plus die Angebote der Unternehmen bzw. Hochschulen mit den Gesuchen der jungen Talente zusammen. AUBI-plus erfüllt Kundenanforderungen, die vom Bewerbermarketing über Employer-Branding-Maßnahmen bis hin zum E-Recruiting-System reichen.

AUBI-plus unterstützt junge Menschen beim Übergang von der Schule in eine berufliche Ausbildung (Duale Ausbildung, Duales Studium, Vollschulische Ausbildung) oder ein Studium, während der Ausbildung bzw. des Studiums und beim Übergang als Absolvent in die erste Anstellung in einem Unternehmen, flankiert durch Weiterbildungsangebote. Kosten- und registrierungsfrei können die User das Karriereportal www.aubi-plus.de für das Finden von Ausbildungs- und Studienplätzen, Praktika und Jobs sowie Trainee- und Absolventenstellen nutzen.

Über das nationale Lehrer- sowie internationale Hochschulnetzwerk werden die Angebote der Unternehmen an die Ausbildungsplatzsuchenden, Studierenden und Absolventen herangebracht. Im Rahmen der Berufs- und Studienorientierung setzen die Partnerschulen von AUBI-plus das Online-Medium „Berufsstart“ mit den Themen Ausbildung, Studium und Bewerbung effizient ein.

Kontakt: Niels Köstring, Marketing-Leiter der AUBI-plus GmbH
Bildnachweis: AUBI-plus GmbH


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