Als ich den Artikel über die münstersche Studentengruppe in der Frankfurter Rundschau gelesen hatte, die das Latinum abschaffen möchten, war es mir  klar: Das wird mein Wort zum Freitag. Schließlich war das Latinum, bzw. vielmehr der ewig währende Kampf dasselbige zu bekommen, um nicht völlig umsonst zu studiert haben, schon zu meiner Studienzeit an der WWU Münster ein Dauer-Diskussions-Thema.

Während das Studium, zu damaliger Zeit noch mit Magister-Abschluss (übrigens ein lateinisches Wort, wen es näher interessiert: bei Wikipedia gibt es einen Artikel ;-)), gab es genug leidgeplagter Kommilitonen, die sich damit jahrelang herumgeschlagen haben. Denn eigentlich wurden in jedem Magister-Studienfach das Latinum oder Lateinkenntnisse spätestens zum Abschluss verlangt.

Das Sache war nur die: Gebraucht hat es es tatsächlich niemand. Ich  musste das Latinum in allen drei Studienfächern (Germanistik/Geschichte/Archäologie) vorweisen, hatte es aber schon glücklicherweise in der Schule erworben. Allerdings in erster Linie aufgrund von Kenntnissen der römischen Geschichte und Mythologie, die wir in der 11. Klasse durch schöne, bunte Pappkartons, Plakate und Bilderrätsel illustriert haben. Tatsächlich hatte ich  keine erwähnenswerten Lateinkenntnisse und trotzdem ist es mir gelungen, mich durch alle drei Fächer erfolgreich ‚durchzumogeln‘.

Natürlich, diejenigen die sich über mindestens drei Semester jede Woche neu zu den zweimal wöchentlich stattfindenden zweistündigen Latein-Monologen von emeritierten Altphilologen und einer Vor- und Nachbearbeitungszeit von jeweils drei Stunden aufraffen konnten, waren vielleicht in der Lage irgendeine Quelle ansatzweise zu übersetzen – für alle anderen gab es  die Übersetzung in Buchform… Ganz davon abgesehen, dass  in Deutsch selten mit lateinischen Texten gearbeitet wurde…

Es ist nicht so, dass ich grundsätzlich etwas gegen die Römer und ihre Sprache hätte – Im Gegenteil! 😉 Nur halte ich auch die geforderten Kenntnisse in vielen Fächern schlichtweg für überaltert und Schikane. Die meisten meiner ehemaligen Kommilitonen sagen ganz klar, dass sie das Latinum oder die geforderten Lateinkenntnisse eigentlich nur einmal gebraucht haben: Zum Vorweisen bei der Anmeldung zur Abschlussprüfung – und sonst NIE wieder!

Außer dass das ganze Unternehmen eine  Menge Zeit und vor allem auch Geld gekostet hat (Da das BAföG-Amt nämlich davon ausgeht, dass jeder in der Schule Latein hatte, gilt ein geforderter Nachweis der lateinischen Sprache nicht als Grund für eine Verlängerung der Förderungsdauer und einer dieser berühmt berüchtigten „Crash-Kurse“ in den Semesterferien liegt bei mindestens 1000€!), gab es für die meisten absolut keinen MEHR-wert aus der jahrelangen MEHR-Belastung.

Von daher kann ich die Studenten der WWU wirklich gut verstehen, wenn sie die Abschaffung des Latinums fordern und drück ihnen ehrlich die Daumen, dass sie es schaffen! 😉

 

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