In familienpolitischen Diskussionen hört man oft die Forderung nach der Schaffung von mehr Tele-Arbeitsplätzen oder Fern-Arbeitsplätzen. Die Frage ist allerdings, ob das so genannte Home Office wirklich die ideale Lösung für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist, denn auch für einen Heimarbeitsplatz müssen eine ganze Reihe mehr Rahmenbedingungen stimmen, als es bei einer oberflächlichen Betrachtung dieser Thematik scheint.

homeofficeDie Grundlage für einen Arbeitsplatz im Home Office setzt sich vor allem aus drei Faktoren zusammen: Die räumlichen Gegebenheiten beim Arbeitnehmer, die persönliche Einstellung zur Arbeit und dem Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die technischen Bedingungen vor Ort spielen selbstverständlich auch eine große Rolle, denn mit einem 56k-Modem kann mittlerweile niemand mehr via Internet arbeiten. Letztere Voraussetzungen können jedoch mit nicht allzu hohem Aufwand geschaffen werden.

Die drei Grundvoraussetzungen für einen Home Office Arbeitsplatz:

  1. Akzeptable räumliche Bedingungen beim Arbeitnehmer
  2. Ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer
  3. Die richtige persönliche Einstellung zur Arbeit

1. Die räumlichen Bedingungen beim Arbeitnehmer

Wenn sich der Berufsalltag überwiegend zu Hause am Computer abspielt, dann sollte auf jeden Fall ein kleines Büro vorhanden sein. Mit dem Laptop am Küchentisch zu arbeiten, ist bestenfalls eine Übergangslösung. Gerade bei Familien mit Kindern ist es enorm wichtig, dass eine räumliche Trennung zwischen Arbeitsplatz und Haushalt vorhanden ist. Bei einem Büroraum, und sei er noch so klein, bedeutet eine geschlossene Türe, dass man ungestört arbeiten möchte. Mit dem Partner und den Kindern sind strikte Regeln aufzustellen wenn der Arbeitsalltag reibungslos funktionieren soll.

Am Arbeitsplatz selbst sollte selbstverständlich ein Computer vorhanden sein der den aktuellen technischen Standards entspricht und auch die Geschwindigkeit der häuslichen Internetverbindung sollte so hoch wie möglich gewählt werden. Eine angenehme Arbeitsumgebung wirkt sich ebenfalls positiv auf den Arbeitsalltag aus – das Büro sollte dementsprechend  auch überwiegend aussehen wie ein solches und nicht wie ein Haushaltsraum oder Bügelzimmer mit dem Laptop auf der Waschmaschine. Es geht im Kern der Sache darum, dauerhaft ein Plätzchen zu haben an dem es sich ungestört arbeiten lässt.

2. Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Eine oft unterschätzte Voraussetzung für gut funktionierende Tele-Arbeitsplätze ist das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Oft müssen „unsichtbare“ Arbeiten (wie Datenpflege oder Recherchearbeiten) am Computer erledigt werden, die man am Ende des Tages nicht präsentieren kann. Hier ist das Vertrauen vom Arbeitgeber gefragt, denn wenn täglich Zweifel aufkommen ob der Arbeitnehmer auch wirklich die ganze Zeit gearbeitet hat, führt das auf lange Sicht zu beiderseitiger Unzufriedenheit. Die Unzufriedenheit des Arbeitnehmers wirkt sich dann oft direkt auf das Familienleben aus.

Der Arbeitnehmer spürt das Misstrauen seines Vorgesetzten, wenn jeden Tag zigmal das Telefon klingelt und nach belanglosen Sachen gefragt wird. Auch Chatprogramme wie Skype oder MSN sind nur bedingt geeignet um die Anwesenheit des Arbeitnehmers festzustellen, denn der Home-Office-Arbeiter kann genauso gut vor seinem Rechner sitzen und sich Videos ansehen oder private Dinge erledigen. Wie gesagt heißt das Schlüsselwort hier Vertrauen. Eine gute Option ist auch, wenn sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber in regelmäßigen Abständen persönlich treffen um sich unter vier Augen zu besprechen und mit dem Team auszutauschen.

3. Persönliche Einstellung zur Arbeit

Eine immens wichtige Bedingung für eine langfristig zufrieden stellende Beschäftigung im Home Office, ist die persönliche Arbeitseinstellung. Genau wie an jedem anderen Arbeitsplatz, sollten auch im Home Office gewisse Arbeitszeiten eingehalten werden. Es gehört natürlich zu den Vorzügen dieser Arbeitsweise, dass man im Ausnahmefall auch mal ein bisschen länger schlafen kann und die versäumte Arbeitszeit dann am Abend nachholt – dies sollte jedoch die Ausnahme bleiben, denn wenn sich hier erst einmal Müßiggang eingeschlichen hat, sind die schlechten Gewohnheiten nur schwer wieder auszumerzen.

Neben regelmäßigen Arbeitszeiten ist auch die Selbstmotivation von entscheidender Bedeutung. Meist sind nämlich keine Kollegen greifbar, mit denen sich der Arbeitnehmer über seinen Frust oder seine Demotiviertheit austauschen kann und so muss er selbst wieder aus den Motivationslöchern herausfinden. Selbstverständlich kann man zum Telefon greifen und in der Firma anrufen, doch das ist in diesem Falle nicht das Gleiche wie ein Gespräch unter vier Augen mit einem Arbeitskollegen. Wenn man den Arbeitsfrust dann täglich mit ins Familienleben einbringt, wirkt sich das auf Dauer negativ aus.

Pro und Contra

Wenn die oben genannten Faktoren überwiegend positiv mit der Realität übereinstimmen, dann steht einem Arbeitsplatz im Home Office eigentlich nichts mehr im Wege. Diese Arbeitsweise bietet nämlich Vorteile die nicht zu unterschätzen sind. An welchem Arbeitsplatz ist es schon möglich, sich mit dem Laptop auf die Terrasse der Gartenlaube zu setzen und sich den sommerlichen Arbeitsalltag mit Vogelgezwitscher versüßen zu lassen? Das ist zwar eine etwas romantische Vision aber im Einzelfall durchaus realisierbar – viele Menschen ärgern sich darüber, dass sie bei schönstem Wetter in einem fensterlosen Büro sitzen müssen….

Dass man bei einem Heimarbeitsplatz immer in unmittelbarer Nähe seiner Familie ist, kann viele Vorteile aber auch einige Nachteile bringen. Gerade kleine Kinder verstehen oft nicht, dass Papa oder Mama „auf Arbeit“ ist und nicht gestört werden möchte. Kommentare wie „Aber Papa sitzt doch nur vorm Computer, der ist doch da und nicht auf Arbeit“, werden dann öfter kommen bis die Kleinen die Situation gänzlich verstanden haben. Dafür können unter anderem jedoch die Mahlzeiten zusammen mit der ganzen Familie eingenommen werden und das ist für Kinder enorm wichtig. Sich täglich selbst zu organisieren, zu motivieren und die Arbeitsabläufe zu strukturieren, sind wohl die größten Herausforderungen der Telearbeit.

Was ein Arbeitnehmer an einem Tele-Arbeitsplatz ebenfalls lernen sollte, ist das NEIN-Sagen. Oft werden nämlich Sprüche kommen wie: „Ich gehe dann mal einkaufen, Du bist ja da und kannst ein Auge auf die Kinder haben.“ Wenn das Ausnahmen bleiben dann mag es akzeptabel sein, keinesfalls sollten solche Deals allerdings zur Regel werden, denn das führt auf Dauer zu Problemen. Die Trennlinie zwischen Beruf und Freizeit sollte so klar wie möglich gezogen werden. Auch für behinderte Menschen kann ein Home-Office-Arbeitsplatz die ideale Lösung sein, es kommt hier selbstverständlich immer auf die Art der Behinderung und den Arbeitsplatz selbst an. Die wichtigsten Vor- und Nachteile von Home-Office-Arbeitsplätzen sind nachfolgend zusammengefasst.

Vorteile des Home Office

  • Keine Fahrtkosten
  • Relativ flexible Arbeitszeiten
  • Selbstständiges Arbeiten
  • Kein Zeitaufwand für den Arbeitsweg
  • Flexible Wahl des Arbeitsortes
  • Behindertengerechtes Arbeiten möglich
  • Unterstützung interner Familienstrukturen möglich

Nachteile des Home Office

  • Für ergonomische Büromöbel muss man oft selbst aufkommen
  • Kein „eye to eye“ Kontakt mit Arbeitskollegen möglich
  • Arbeitnehmer bekommen den betriebsinternen „Flurfunk“ nicht mit
  • Oft keine klare Trennung von Beruf und Freizeit
  • Arbeitnehmer können während der Arbeitszeit in die Kindererziehung involviert werden
  • Vorgesetzte rufen manchmal auch außerhalb der Arbeitszeiten zu Hause an
  • Oft keine Trennung zwischen privatem und geschäftlichen Computer
Bildnachweis: @istockphoto/Kemter

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