Noch vor einem Jahrzehnt galt es als hochgradig exotisch, sich als Europäer mit der chinesischen Sprache zu befassen. Zurzeit ist es zwar immer noch nicht selbstverständlich, diese Sprache ohne triftigen Grund zu erlernen aber gerade in Deutschland erfreut sich die wahrscheinlich älteste Sprache der Welt immer größerer Beliebtheit. Das bestätigt auch eine Erhebung des pädagogischen Austauschdienstes der Kultusministerkonferenz.

Augenscheinlich verwirren den Durchschnitts-Europäer die tausende komplizierten Schriftzeichen und deren Grammatik am meisten – doch die Erfahrung der Menschen, die diese Sprache lernen sagt etwas anderes – demnach sind Aussprache und Schrift die weitaus größeren Probleme. Von den über 7.000 chinesischen Schriftzeichen beherrschen übrigens auch erfahrene Schriftgelehrte meist nur etwas mehr als die Hälfte. Dennoch hat sich die Zahl der Personen, die einen Chinesisch-Sprachkurs belegen in den letzten 10 Jahren vervielfacht.

Was motiviert jedoch Menschen überhaupt dazu, sich der chinesischen Sprache zu widmen? China ist ein Land mit rasantem Wirtschaftswachstum, deshalb liegt der Fokus der Chinesisch-Kurse auch meist auf Handelschinesisch. Ein anderer Aspekt ist der Boom, den die Traditionelle Chinesiche Medizin (TCM) hierzulande erlebt, denn für diese Fachrichtung der Alternativmedizin gibt es mittlerweile ebenfalls spezielle Sprachkurse.

Die Sprachkurse werden also meist entweder in der Hoffnung belegt, dass man seine beruflichen Chancen in internationalen Wirtschaftsunternehmen verbessern oder eine der ältesten Heilmethoden besser verstehen kann. Diese beiden Trends lassen sich natürlich keineswegs pauschalisieren, stellen jedoch zwei wichtige Beweggründe dar, die chinesische Sprache zu lernen. Experten orakeln bereits, dass Chinesisch irgendwann sogar die englische Sprache an Popularität überholen kann – das bleibt jedoch zumindest in Europa abzuwarten.

Eine weitere Schwierigkeit der chinesischen Sprache sind die kulturellen Gepflogenheiten des Landes China. Der Bundesvorsitzende des Fachverbandes Chinesisch, Andreas Guder, sieht vor allem noch Defizite bei der Vermittlung der Lehrinhalte selbst. „In Deutschland hat man sich noch nicht damit beschäftigt, wie die Sprache richtig vermittelt wird. So mag es beispielsweise sein, dass der Lernende weiß, wie er etwas sage – damit weiß er aber noch lange nicht wann er es sagen soll“, so Guder.

Es scheint also als wäre die Vermittlung der chinesischen Sprache in Deutschland trotz des anhaltenden „China-Booms“ noch beim Startup. Die Entwicklung ist jedoch auch weiterhin in vollem Gange. So fördert beispielsweise die chinesische Regierung im Rahmen des so genannten „Chinese-Bridge“-Projektes die Entstehung von „Konfuzius-Instituten“ (Auslands-Spachschulen) und die Verbreitung von Lehrmaterial im Internet im Rahmen der Aktion „Great Wall Chinese“.

Abschließend noch eine Aussage von Professor Joel Bellassen aus dem französischen Bildungsministerium: „Chinesisch zu lernen ist nicht schwierig, wenn man die richtige Umgebung und Interesse daran hat. Der Schritt vom Alphabet zu den chinesischen Schriftzeichen ist auf jeden Fall eine Herausforderung für unsere Denkweise und eine Trainingsaufgabe für unser Gedächtnis.“

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