Fachinterview mit Manuela Starkmann: Balance auf körperlicher, emotionaler und mentaler Ebene – Burnoutvorbeugung statt Burnout.

Das „Schneller-Höher-Weiter Prinzip“ hat uns fast alle in seinem Bann. Die Welt hat sich in den letzten zehn, fünfzehn Jahren in einem Tempo verändert, dem viele Menschen nicht mehr gewachsen sind.Viele Menschen beginnen sich durch den Leistungsdruck und die permanent steigenden Anforderungen überfordert und ausgebrannt zu fühlen. Probleme im Beruf sind an der Tagesordnung und das Burnout-Syndrom, der Zustand physischer oder seelischer Erschöpfung, ist inzwischen zum großen Problem unserer Gesellschaft herangewachsen.

Ursachen sind dabei aber nicht nur erhöhte Anforderungen oder unerwartete Mehrbelastungen im Beruf, sondern auch der selbst aufgebaute Druck, der oft viel höher ist als der von außen ausgeübte.

Doch gerade was die eigene Persönlichkeitsstruktur und Lebensweise anbelangt, gibt es stabilisierende Möglichkeiten, um sich mit der Belastung zu arrangieren und zu lernen mit Stress umzugehen. Wir sprachen deshalb mit Manuela Starkmann, Coaching-Expertin für Lebenszeitmanagement, Burnoutvorbeugung und Persönlichkeitsweiterentwicklung über Burnout-Präventation und Maßnahmen, die nachhaltig helfen können, einen Veränderungsprozess in Gang zusetzen.

Manuela Starkmann, Coaching-Expertin und Guide für Transformation

Frage 1: Erstmal eine sehr allgemeine Frage: Welchen Einfluss hat das viel höhere Tempo, mit dem sich unsere Gesellschaft verändert, auf das Befinden des Einzelnen?

Starkmann: Grundsätzlich sind die Folgen sicher individuell – die einen kommen mit dem höheren Tempo gut klar, die anderen weniger. Wobei ich feststelle, dass diese Frage auch davon abhängig ist, wann sie gestellt wird. „Heute“ kommt jemand mit der Geschwindigkeit gut klar, hat Spaß dabei und damit. „Übermorgen“ machen sich möglicherweise dennoch die Folgen bemerkbar. Denn eines ist doch entscheidend: Wir können uns nicht über unsere Kraftressourcen hinaus mogeln. Ob nun bewusst oder unbewusst, mit oder ohne Freude am allgemeinen Tempo … irgendwann kann Körper-Seele-Geist „Notaus“ rufen.

Frage 2:  Welche Glaubenssätze und Denkweisen führen zu vermehrtem Stress? Wie kann ich mir selbst klar machen, was mich besonders belastet und mir Stress bereitet?

Starkmann: Viele unserer Glaubenssätze kennen wir gar nicht – bewusst. Wer zurück in seine Kindheit lauschen mag, hört vielleicht Sätze wie „Du bist nicht gut genug“, „Das kann doch nicht so schwer sein“, „Das hättest Du besser machen müssen“ usw. – einhergehend oft auch mit Ablehnung und Liebesentzug. Das prägt ein Kind und als Erwachsener weiß es dann nicht mehr, warum es so handelt wie es handelt. Es handelt, läuft im Hamsterrad. So wird mit dem erwachsenen Menschen sehr viel gemacht, ohne dass er es wirklich merkt. Er meint, er wäre Herr seines Tuns und seiner Gedanken. Weit gefehlt. Denn wer unbewusst permanent sehr starke Perfektantreiber dabei hat, die sich übrigens ganz toll tarnen können, der will immer noch eine Schippe darauf legen. Das Endresultat ist Stress, der sich in Problemen körperlicher, geistiger, psychischer, emotionaler Art als Folge zeigt. Die Ursachen bleiben oft, auch in den Behandlungen, im Schatten.

Sich selbst klar machen was einen stresst ist, grundsätzlich, ganz einfach. Allerdings haben wir das von klein auf nicht gelernt bzw. verlernt. Jedes Baby hat ein sehr gesundes Verhältnis zu sich selbst und seinen Bedürfnissen. In der wie ich es nenne „20-Jahres-Kur“, allgemein bekannt als „Kindheit“, wird uns aberzogen auf unser Inneres zu hören, den Gefühlen BeAchtung zu schenken und ihnen zu folgen. Die Kur „Gefühle sind schlecht – Fakten sind gut“ begleitet den Menschen sein Leben lang. Noten, Ausbildung, Gehalt, Auto(s), (Marken)Kleidung usw. zeigen vermeintlich, wie erfolgreich jemand ist. „Messbar“ nicht wie es sich anfühlt, sondern wie es sich durch Zahlen, Daten, Fakten zählen, im wahrsten Sinne des Wortes, begreifen lässt.

Fazit: Jeder darf in sich wieder das Licht suchen. Es ist ganz sicher da, nur im Laufe des Lebens wurde so einiges davor gestellt. Mein Rat: Fühlen Sie wieder Ihre Gefühle!

Frage 3: Gibt es Möglichkeiten für mich selbst eine Art „Frühwarnsystem“ einzurichten und somit Stress auch aktiv vorzubeugen?

Starkmann: Das Frühwarnsystem beinhaltet aus meiner Erfahrung vor allem eben genannten Punkt. Unabhängig von Geschlecht, Alter, Beruf: Fühlen und vertrauen Sie auf Ihre Gefühle!

Zusätzlich ist es wichtig, sich seine Ruhe, Entspannung und Zeit zu gönnen. Das tolle an der Zeit ist: Sie ist sehr gerecht verteilt. Jeder Mensch hat 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Selbst wenn man im Augenblick das „Wie?“ nicht weiß, dabei helfe ich gerne, ist es schlicht entscheidend, mit welcher Qualität man seine LebensZeit füllt. Anstatt zum Beispiel k.o. vor dem Fernseher zu sitzen – und ich verstehe diesen Wunsch – halte ich es für sinnreich, spazieren zu gehen. Lassen Sie sich doch den Kopf lieber von der frischen Luft freiblasen als vermeintlich vom Fernsehprogramm. Viele bzw. solche Tipps können banal klingen. Doch entscheidend ist nicht, was wir („eigentlich“) wissen, sondern was wir tatsächlich tun. Ich helfe meinen Kunden da sehr individuell, denn es muss für sie umsetzbar sein. Das beinhaltet sowohl Techniken, vor allem jedoch wieder ein „zurück zu sich“.

Frage 4: In ihrer Arbeit als Coach und Guide für Transformation spielt die Selbsterkennung und ganzheitliche Betrachtung der Persönlichkeit eine wichtige Rolle. Was können Sie Menschen raten, um ihre innere Balance auf körperlicher, emotionaler und mentaler Ebene zu festigen?

Starkmann: Vertrauen Sie sich. Sie sind der weiseste Berater, den Sie haben können. Sie haben alles, was Sie – für ein glückliches, gesundes, erfolgreiches Leben – brauchen schon längst in sich.

Nur der Zugang ist gerade verstellt. Das ist „alles“.

Erkennen Sie wieder(!) was Sie wollen, werden Sie sich darüber klar, für welche Aspekte in Ihrem Leben Sie Lösungen brauchen und erlauben Sie sich dann diese wundervolle Veränderung.

Frage 5: Weihnachten steht vor der Tür, der große Weihnachtsstress geht in die letzte Runde. Vielleicht sind die Feiertage aber auch für einige eine Chance sich zu erholen und die Möglichkeit eine Auszeit zum Nachdenken und Neu-Orientieren zu nehmen. Was können Sie den Lesern als praktische Tipps, sozusagen als ersten Denkanstoß in Sachen Selbsterkennung, mit in die Feiertage geben?

Starkmann: Genießen Sie die Zeit, diese Zeit, Ihre Lebenszeit. Nehmen Sie sich Auszeiten – allgemein und auch um die Weihnachtszeit. Jetzt geht es nicht darum, sich wieder Stress zu machen. Sie dürfen, achtsam zu sich und anderen, „Nein, danke“ sagen. Und Sie dürfen erkennen, aus welchen Gründen Ihnen das schwer fällt.  

Ich meine, dass die Zeit für Veränderung und für Vorsätze nicht nur der Jahreswechsel sein soll, sondern dann, wenn der Mensch spürt „das möchte ich so nicht mehr“, doch nutzen Sie doch gerade den Jahresabschluss für Fragen wie: Was möchte ich im alten Jahr lassen? Was möchte ich, ganz bewusst, ins neue Jahr mitnehmen? Was möchte ich ganz bewusst und mit großer Klarheit an mir selbst verändern?

Gerade ist Herbst. Bei den Bäumen heißt es da ganz gesund: Schneiden und wachsen. Das Gleiche ist auch für das Lebewesen Mensch sinnvoll.  Schauen Sie, was Sie wirklich in Ihrem Leben haben wollen: „love it, transform it or leave it. Was kein 100%iges „Ja“ ist, sollten Sie verändern; was nicht mehr funktioniert, los lassen. Gehen Sie mit sich und anderen Menschen achtsam um.

Wir danken Manuela Starkmann für das Interview!

Coaching-Expertin Manuela Starkmann

Manuela Starkmann

Experte für Guiding
und Coaching

Schwerpunkte: Burnoutvorbeugung, LebensZEITmanagement und Guiding, Vertriebscoaching und Bewusstseinserweiterung.

Zum Profil

VN:F [1.9.22_1171]
Diesen Artikel bewerten
Rating: 10.0/10 (1 vote cast)
"Vertrauen Sie wieder auf Ihre Gefühle", 10.0 out of 10 based on 1 rating