Durch die von uns durchgeführte Studie über den Informationsbedarf junger Azubis ist ein Problem ganz besonders in den Fokus gerückt: Mobbing in der Ausbildung. Viele der Jugendlichen haben sich in den Internetforen über die schlechten Ausbildungsverhältnisse in ihrem Betrieb beklagt. Da werden eine Vielzahl an unbezahlten Überstunden geleistet, Urlaubstage ohne Ersatz gestrichen oder dauerhaft fachfremde Arbeiten abgeleistet. Zu Recht fühlen sich viele von ihnen ausgenutzt und als billige Arbeitskraft missbraucht.

Bei einigen der Auszubildenden gehen die Schikanen vom Chef oder den Kollegen allerdings noch weiter: Wenn Azubis dauerhaft ohne Grund kritisiert, beleidigt oder diskriminiert, offensiv aus der Gruppe ausgeschlossen oder gar sexuelle belästigt wird, dann sind sie (auch im Sinne des Arbeitsrecht) Opfer von Mobbing.

Die betroffenen Azubis klagen in den Foren über Magenschmerzen, Schlaflosigkeit, Weinkrämpfen und Angstattacken. Viele von ihnen wissen nicht, wie sie die Probleme mit ihrem Chef oder den Kollegen klären sollen und sind bereits so verzweifelt, dass sie eigentlich nur noch den Abbruch der Ausbildung als einzigen Ausweg sehen.

MobbingDiese besondere Belastung kann bei den betroffenen Azubis schlimme Folgen haben. Mobbing beeinträchtigt das Selbstwertgefühl der Jugendlichen und begünstigt spätere psychische Erkrankungen im Erwachsenenalter wie Depressionen, Alkohol- oder Drogenabhängigkeit und endet schlimmstenfalls mit einem Suizid der Opfer.

Laut einer amerikanischen Studie wiesen Personen, die im Kindes- und Jugendalter schikaniert worden waren ein dreimal höheres Suizidrisiko als Personen ohne Mobbing-Erfahrungen. (Quelle: Ärzteblatt) Die durch das Mobbing zugefügten psychischen Verletzungen heilen selten durch das Älterwerden und führen oft zu einer dauerhaften Instabilität der Betroffenen.

Damit es gar nicht erst so weit kommt sollten Auszubildende, die ständig Schikanen und Mobbing-Attacken des Vorgesetzten oder der Kollegen ausgesetzt sind, frühzeitig ein klärendes und vertrauliches Gespräch suchen. Das kann entweder mit dem Vorgesetzten oder dem verantwortlichen Ausbilder sein. Beide haben Fürsorgepflichten und müssen dafür sorgen, dass der Azubi am Ausbildungsplatz weder körperlich noch seelisch gefährdet ist.

Falls der Vorgesetzter oder Ausbilder selbst derjenige ist, der die jungen Azubis schikaniert, sollten sich die Betroffenen an den Betriebsrat der Firma wenden. Auch die zuständigen Kammern oder Arbeitsagenturen können Hilfe leisten. Allerdings zeigte die Analyse der Forenbeiträge, dass viele der Azubis an diesen Stellen häufig nur unzureichend unterstützt wurden

Für einen ersten Austausch eigenen sich deshalb gut die verschiedenen Azubi-Foren im Netz. Für eine psychologische oder rechtliche Beratung stehen verschiedene Angebote zur Verfügung, die wir nachfolgend zusammengestellt haben:

 DGB Jugend

Jeder Azubi kann in seiner Gewerkschaft Mitglied werden. Alle Mitglieder haben Rechtsschutz im Arbeits- und Sozialrecht und können sich jederzeit beraten lassen.
Bei der  DGB Jugend und dem Beratungsforum www.dr-azubi.de können sich zudem speziell Azubis über ihre Möglichkeiten bei Mobbing und anderen Problemen informieren.

Mobbingberatung Berlin-Brandenburg

Die Beratungsstelle bietet neben Gesprächsgruppen vor Ort ein umfangreiches Angebot der Online-Beratung. Mobbing-Betroffene können im Einzelgespräch, im Gruppe-Chat oder in einer E-Mail-Beratung Hilfe und Unterstützung suchen.

Mobbing-Web

Diese Seite stellt Material zu unterschiedlichen Formen und Arten des Mobbings zusammen und bietet zudem eine telefonische Beratung für Betroffene.

Berufsinformation.org

Auf dieser Seite sind verschiedene Beratungsstellen aus allen Bundesländern aufgeführt.

Mobbing-Net

Der Verein für Arbeitsschutz und Gesundheit durch systemische Mobbingberatung und Mediation e.V. hilft Betroffenen ganz direkt mit einer persönlichen Mobbingberatung.  

Bildnachweis:
@istockphoto.com/momcilog

 

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