Lehrerin vor SchulklasseNach der Veröffentlichung der neunten Studiendurchführung des INSM Bildungsmonitors ist  wieder überall zu lesen, wer Bildungssieger ist, welches Bildungssystem das leistungsfähigste ist und in welchen Ländern die Zustände eher bescheiden ausfallen. Das Institut für deutsche Wirtschaft in Köln veröffentlicht das Ranking ihrer Studie und schon wird der Wettbewerb zwischen den Bundesländern in den Medien breit ausgetragen. Für ähnliche Szenarien sorgt alle drei Jahre auch die PISA-Studie, allerdings auf internationaler Ebene.

Die studienleitenden Institute stammen aus dem ökonomischen Bereich und fordern effektive Bildungssysteme, die für ausreichendes Wachstum sorgen. In ihren Studien werden dann Schüler getestet, Veränderungen im Bildungssystem evaluiert und Akademikerquoten verglichen, um schließlich festlegen zu können, wer seine Sache am besten macht und wer das Schlusslicht ist.

Die Studien an sich

Gegen die Durchführung der Studien ist zunächst einmal nichts einzuwenden. Es werden meist quantitative Befragungen und Untersuchungen durchgeführt und anschließend statistisch ausgewertet. Dazu werden meist Punkte vergeben, die anschließend in der Summe den Platz im Ranking ausmachen.

Toll ist, dass jemand die Daten überhaupt erhebt und mal prüft, was Schüler alles wissen und wie die Bildungspolitik eines Landes oder Bundeslandes überhaupt wirkt. Man erfährt hierdurch, an welchen Stellen in der Politik nur versprochen, aber nicht umgesetzt wird und welches Wissen den Schülern in der Schule vermittelt wird. Von der Idee her absolut in Ordnung.

Problem 1: Die ausführenden Organisationen

Selbstverständlich ist Bildung auch ein ökonomisches Thema, da die Bildung der Arbeitnehmer viel zur Wirtschaftskraft eines Landes beiträgt. Dennoch sollte Bildung aber vor allem ein pädagogisches Thema sein und auch für die Politik und soziale Belange ist die Schule da. Die Forschung findet jedoch nur einseitig statt. Es gibt deutlich weniger Studien zur politischen Bildung von Schülern, da diese wirtschaftlich nicht verwertbar ist.

Ebenso sind die Zahlen der Studien von Erziehungswissenschaftlern zur Schulqualität geringer und vor allem medienunwirksamer als die großen Erhebungen der Wirtschaftsinstitute und internationalen Organisationen. Dies führt jedoch zu einer Verzerrung des Blickwinkels auf das Bildungssystem und dazu, dass wichtige Aspekte vernachlässigt werden.

Problem 2: Die Wettbewerbslogik

Anstatt einfach auszuwerten, was in welchem Bundesland gut oder schlecht umgesetzt wird und wo Handlungsbedarf besteht, werden die Ergebnisse der bildungsökonomischen Studien stets mit Punktzahlen versehen, um schließlich zu bestimmen, wer der Sieger ist und wer das Schlusslicht. Der Ansatz der Studien ist also nicht der, die Qualität eines Bildungssystems festzustellen und dann Maßnahmen zu entwickeln, um diese zu verbessern, sondern vor allem das Ranking steht im Vordergrund. In den Ergebnissen selbst werden zwar auch Empfehlungen ausgesprochen, aber in den Medien geht es um das Ranking. Der Wettbewerb zählt und wer Sieger ist, kann sich glücklich schätzen. Dabei gibt es auch in den Siegerländern – im Fall der Bildungsmonitorstudie Sachsen – einiges zu verbessern und manche Schlusslichter haben ggf. auch Vorzüge gegenüber anderen Ländern.

Des Weiteren wird häufig außer Acht gelassen, dass auch die Ausgangssituationen in den Ländern völlig verschieden sind. Es gibt eben Regionen mit vielen Jobs, in denen viele hoch qualifizierte Menschen wohnen und andere, in denen die Arbeitslosigkeit sehr hoch ist. Außerdem ist die Stadt-Land-Verteilung in den Bundesländern und international nicht ausgeglichen und andere Bedingungen des Bildungssystems variieren stark (z.B. Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund, finanzielle Möglichkeiten des Landes etc.).

Die Studien greifen daher etwas kurz und noch schlimmer steht es dementsprechend um das Echo der Studien in den Medien.

Fazit:

Der Ansatz der vergleichenden bildungsökonomischen Forschung entspricht damit nicht ausreichend den Ideen eines Bildungssystems, sondern verkürzt den Blick auf Bildung massiv. Die Daten, die geliefert werden, sind zwar interessant und wichtig und es ist gut, dass sich mal jemand Gedanken über die Qualität der Schulen im internationalen und nationalen Vergleich macht, aber dennoch folgen die Studien der Wettbewerbslogik und nicht etwa einer Förderlogik. Es sollten sich auf jeden Fall andere Bereiche (Pädagogik, Politik, Ethik) in den Bildungsmonitor mit einklinken, damit sich dieser verbessern kann und das Bildungssystem ganzheitlich unter die Lupe genommen wird.

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