Bildungsperspektiven in Deutschland zu finden, ist auf den ersten Blick einfach. Immer mehr  junge Menschen studieren, und schon letztes Jahr befürchteten die Universitäten, mit den doppelten Abiturjahrgängen und der Aussetzung der Wehrpflicht völlig überfordert zu sein (Quelle: Stern). 

Zugleich macht der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages kürzlich darauf aufmerksam, dass für dieses Jahr noch viele Lehrstellen unbesetzt seien (Quelle: DIHK). Viele Soziale Verbände weisen unterdessen junge Menschen auf die Möglichkeit hin, ein Freiwilliges Soziales Jahr abzuleisten. Andere werben wieder darum, dass Jugendliche doch erst einmal ein Auslandsjahr absolvieren sollten (Quelle: Auslandsjahr.org).

Der Wettbewerb um junge Menschen ist längst im Gange

Goldene Zeiten also für Menschen, denen das Leben noch bevorsteht. Denkt man, ist aber nicht immer so. Die Industrie ist in der Regel an einer großen Auswahl von Bewerbern interessiert. Wer da rausfällt, steht mitunter später mit leeren Händen da. Im Rahmen der Selbstverwaltung bewerben Universitäten ihr eigenes Image, schöpfen wegen der hohen Bewerberzahl momentan noch aus dem Vollen. Aber aufgrund des demografischen Wandels ist davon auszugehen, dass spätestens in zehn Jahren viele Universitäten ihre Tore dicht machen werden.

Was in ländlichen Regionen bereits mit der Zusammenlegung von Schulen derzeit geschieht, wird wie eine verzögerte Welle auf die Hochschulen und Fachhochschulen zukommen. Und nicht zuletzt stehen heute schon junge Akademiker mit hervorragenden Uniabschlüssen da und werden bald in die akademische Reserve abgeschoben. Mehr als ein befristeter Vertrag oder Teilzeitarbeit springt da nicht raus (Quelle: Süddeutsche)

Diese Beispiele machen nachfolgenden Bildungsgenerationen nicht gerade Mut. Die eigene Chancensuche ist also trotz oder gerade wegen der vielen Möglichkeiten komplizierter denn je.

Warum eine gute Ausbildung dennoch wichtig ist

Unsere Arbeits- und Alltagswelt von heute ist so komplex, dass es Menschen ohne eine gute Ausbildung immer schwieriger haben werden, sich zurechtzufinden. Anders als in den Vereinigten Staaten oder in England werden einem in Deutschland Lebensbrüche und häufige Berufswechsel nicht so schnell verziehen. Das wird sich zwangsläufig ändern, dauert aber noch, weil man in Deutschland so sehr Beständigkeit und Planbarkeit gewohnt ist.

Eine gute Ausbildung stärkt das Selbstbewusstsein und zeigt in späteren Bewerbungsgesprächen an, dass man ein Ziel konsequent verfolgt hat. Ohne eine abgeschlossene Ausbildung oder einen höheren Bildungsabschluss wird sich jedoch der Eindruck im späteren Bewerbergespräch verstärken, der Kandidat sei aus der Generation, in der man nur gelebt und nichts richtig angefangen habe. Natürlich kennen wir alle auch Erwerbsbiografien von Menschen, die als Quereinsteiger in ein völlig anderes Berufsfeld eingestiegen sind, heute erfolgreicher denn je sind. Auf ein solches vermeintliches Glück sollte man indes nicht hoffen. Vor allem aber sollte man nicht nur die Möglichkeiten sehen, die einem der Arbeitsmarkt später bietet, sondern auch die eigenen Potentiale im Blick behalten.

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