Wie aus einer Pressemitteilung der dpa hervorgeht, weiß die Mehrheit der deutschen Bürger nicht, was sich hinter dem Begriff Bologna-Reform verbirgt. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Innofact. Nur jeder Vierte gab an, er wisse, was damit gemeint sei. Im Auftrag der Hochschule München wurden 1116 Personen befragt.

Die Bologna-Reform wurde 1999 von 29 Bildungsministern europäischer Länder unterzeichnet, ist aber nicht im völkerrechtlichen Sinne bindend. Ziel dieser Reform, die sich eigentlich als Prozess bezeichnet, ist es, die europäischen Länder zur gegenseitigen Anerkennung ihrer Bildungsabschlüsse zu bewegen und somit den internationalen Wechsel der Hochschule für Studierende zu erleichtern. Eines der drei Hauptziele bestand daher darin, die Rahmenbedingungen für die Fortsetzung eines im Ausland begonnenen Studiums festzulegen und so die Mobilität der Studierenden zu erhöhen. Die beiden weiteren Ziele bestanden darin, die europäischen Hochschulen im internationalen Wettbewerb stärker zu fördern und die Aussichten der Bürger für lebenslanges Lernen allgemein zu verbessern.

Größter Streitpunkt ist nach wie vor die Anlehnung an das anglo-amerikanische Bildungssystem. So bauen die Studienschlüsse Bachelor, Master und Promotion aufeinander auf. Dabei werden einzelne Bereiche des Studiums in Module aufgeteilt, damit nach einem einheitlichen Punktesystem, dem ECTS (European Credit Transfer System), die größtmögliche Flexibilität gewährleistet werden kann. Diese Modularisierung allerdings hat in vielen Teilen dazu geführt, dass die freie Wahl der Veranstaltungen unmöglich gemacht wird.

Auf die Frage, welchen Abschluss sie bevorzugen würden, wenn sie frei wählen könnten, antworten ein Drittel der Befragten mit Diplom als Studienabschluss. Jeder Fünfte (20 Prozent) entschied sich für einen Masterabschluss. Ebenfalls rund jeder Fünfte (18 Prozent) gab an, er hätte am liebsten ein Staatsexamen.

Insgesamt ist aufgrund der neuen Abschlüsse und der damit verbundenen „Verschulung“ die Reform nach wie vor heftiger Gegenstand von Kritik. Mittlerweile werden Rufe nach einer Reform der Reform laut: So soll der freie Zugang zu Master-Studiengängen gewährleistet werden, berufsqualifizierende Studienanteile einer weiteren Revision unterzogen werden und die Auswahl frei wählbarer Fächer wieder vergrößert werden. Auch die reibungslose Anerkennung von an anderen Universitäten erbrachten Leistungen ist 13 Jahre nach Beschluss der Reform nicht überall möglich.

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