Die Bologna-Reformen an den Hochschulen sind seit Jahren in aller Munde. Sie wurden verteidigt, sie werden nun zunehmend kritisiert. Die Universitäten waren dabei entsprechend dem Humboldtschen Bildungsideal über Jahrhunderte der klassische Ort der Persönlichkeitsbildung. Hier fanden zur Zeit der Aufklärung wichtige Diskussionen der Aufklärer statt, hier wurden bis weit in die neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts die sozialen Kompetenzen junger Menschen entwickelt. Mit der Standardisierung der Lerninhalte und ihrer inhaltlichen Verknappung seit Bologna stellt sich unterdessen die Frage: Werden jungen Menschen heute noch Werte an der Universität vermittelt?

Nutzen statt Werte

Wer sich den Kalender von Studenten heute einmal anschaut, stellt fest, dass dieser mehr Stunden ausfüllt als ein normaler Arbeitstag. Auf der Jagd nach Credit Points eilen junge Menschen täglich landauf und landab von Vorlesungen zu Seminaren, von Workshops zu Versuchen, von Praktikazeiten zu Prüfungsterminen. Sie kämpfen um Seminarplätze und Anerkennung, hasten durch überfüllte Universitätsgebäude und stehen ständig im Vergleich mit den anderen.

Auf Druck der Wirtschaft sind mit Bologna die Studieninhalte verknappt worden, Bachelor- und Masterstudiengänge geschaffen worden, die die Vergleichbarkeit von Studienleistungen verbessern sollen. Aber lernen die Studenten noch soziale Kompetenzen  innerhalb ihres Studiums, wenn der Ellenbogen stets ausgefahren bleiben muss? Professor Andreas Dörpinghaus von der Universität Würzburg spricht für viele Hochschuldozenten, wenn er kritisiert, dass die Studenten durch die Reformen heute keine wissenschaftliche Neugier mehr entfalten können. (Quelle: 3Sat)

Der Wettbewerb an den Hochschulen ist eine Falle

Wer jungen Menschen vermittelt, dass der Wettbewerb die einzige Form der intellektuellen Auseinandersetzung ist, erzieht sie zu unmündigen Geistern, die traditionelle Lehrfachautoritäten einfach auswendig lernen und schließlich wieder schnell vergessen. Eine Nachhaltigkeit, die im Begriff „lebenslanges Lernen“ positiv enthalten ist, lässt sich in dieser Entwicklung kaum beobachten. Was die Universitäten unter diesem Reformzwang heute ausbilden, sind häufig fachliche Blindgänger, die es gleichermaßen schwer haben werden, sich in ein späteres Berufsleben zu integrieren. Was Bildung für junge Menschen wirklich wert ist, schmilzt so leider auf den letztlich verwertbaren Nutzen zusammen. Ein Renditeversprechen auf Bildung gibt es dabei schon lange nicht mehr.

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