Nachdem wir gestern mit Manuela Starkmann über Ursachen und Umstände, die zu  einem Burnout führen können, gesprochen haben, geht es heute im vierten Teil unserer Interviewserie zum Thema Burnout um Persönlichkeit und Selbstschutz.

Hauptsache Bildung: Schneller, höher, weiter – wie können sich Menschen manchmal selbst bremsen ohne sich dabei „auszubremsen“?

Coaching-Expertin Manuela Starkmann

Coaching- und Burnout-Experte Manuela Starkmann

Manuela Starkmann: Den Tag planen. Wie ein TV-Programm. Dann wird man feststellen, dass man mit dem was man tun und erleben will mehr als 24 Stunden füllt. Das passt nicht. Das passt nicht hinein in einen Tag. Das nimmt die Spontanität? Ich sage ja nicht, dass man das bis ans Lebensende tun soll. Doch ich empfehle, rauszufinden, wo die Zeit und Stunden hingehen, womit man sie füllt, um dann oft nicht erfüllt zu sein. Welch Krux.

Dann darf man Prioritäten setzen und streichen. Was auf jeden Fall endlich in den Tag rein soll ist: Zeit. Zeit fürs Nichts-Tun. Mit einem so „umgestrickten“ Tag, hat man die passende Geschwindigkeit und somit Energie.

Hauptsache Bildung: Gibt es eventuell Techniken, die kurzfristig anzuwenden sind, um sich selbst besser zu schützen? Was kann ich tun, wenn ich merke: „Jetzt geht’s nicht weiter“?

Manuela Starkmann: Aus der Situation raus gehen. Damit meine ich nicht, dass man wortlos aus dem Zimmer laufen soll. Flucht ist nicht hilfreich. Doch wenn man spürt, dass es gerade zu viel wird, dann darf man dem möglichen Glaubenssatz „Reiß Dich zusammen“ entgegentreten und sagen: „Ja, das mach ich und jetzt nehme ich mir erst mal Zeit“.

Sie müssen nichts müssen!

Wenn der Kopf nicht mehr will, und ich gebe in meinen Workshops immer gerne Hinweise, wie das menschliche Gehirn grundsätzlich funktioniert, wozu es in der Lage ist und wozu eben nicht, dann geht’s nicht weiter. „Nach fest kommt ab“, sagte ein Handwerker beim Schraubenanziehen zu mir. Also nicht drehen, bis der Kopf abreißt, sondern aufhören, auf sich hören, auf das Gefühl, auf den Impuls: Hier und jetzt brauche ich Luft, Zeit, Pause.

 Hauptsache Bildung: In Ihrer Arbeit setzen Sie bewusst auf Burnoutvorbeugung – wie können Menschen für sich aktiv etwas vorbeugend tun?

Manuela Starkmann: Ich finde, Burnoutvorbeugung ist eine sinnvollere Maßnahme als Burnoutbehandlung. Lieber pflegt man doch sein Auto als es zu reparieren. Wenn das für ein Auto gilt, sollte es für etwas so wundervolles wie den eigenen Körper und das eigene Leben erst recht einen Wert haben.

Burnoutvorbeugung ist für mich und so wie ich mit meinen Kunden arbeite Selbsterkennung. Frei von einer psychologischen Sitzung ist es das Wahrnehmen der eigenen Antriebe. Guiding ist meine Vorgehensweise. Bildlich gesprochen begleite ich Menschen dabei, sowohl ihren Lebensweg für sie passend zu gehen und den Rucksack, den sie tragen, für sie sinnvoll umzupacken. Wo will ich hin und hab ich dafür das dabei, was ich brauche? Nicht mehr und nicht weniger und vor allem nur meins, sind hierbei zielführende Fragen. Oft trägt der Mensch eine Last mit sich und wenn er dies erkennt, ist klar, warum der Weg so schwer ist. Mit dieser Klarheit ist der Weg zur Veränderung kurz und der Erfolg kommt ganz automatisch.

Hauptsache Bildung: „Auf die eigenen Gefühle vertrauen“ – Ist das vielleicht auch ein Problem unserer heutigen Gesellschaft? Über Gefühle sprechen und vermeintliche Schwächen zeigen, findet immer weniger Platz.

Manuela Starkmann: Ja, das stimmt.

Und da die Gefühle da sind, auch wenn man sie unterdrückt oder verdrängt, haben sie im Endeffekt immer eine körperliche oder psychische Auswirkung. Wer das erkannt hat, darf aus dem Hamsterrad aussteigen. Wer noch nicht weiß, wie er das machen soll, dem empfehle ich, sich dabei begleiten zu lassen. Denn es gibt nur zwei Möglichkeiten:

Weitermachen, wie bisher. Das führt kurz oder lang zum Burnout.

Oder Aussteigen. Das führt ganz sicher zu Veränderungen. Doch wenn man merkt, dass das Leben wie es gerade ist, nicht mehr läuft, welchen Verlust hat man dann, wenn man es verändert? Kann es schlechter werden? Kann man sich einen Burnout leisten? Aus meiner Sicht, und die teile ich mit weiteren Menschen, Nein.

Tipp: Morgen gibt es hier den letzten Teil unseres großen Experteninterview mit Manuela Starkmann, in dem es um Maßnahmen und Konzepte zur Burnout-Vorbeugung in Unternehmen geht.

Coaching-Expertin Manuela Starkmann

Manuela Starkmann

Experte für Guiding
und Coaching

Schwerpunkte: Burnoutvorbeugung, LebensZEITmanagement und Guiding, Vertriebscoaching und Bewusstseinserweiterung.

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