Frauenquoten überall. Aber was wird aus den Männern, wenn die Frauen plötzlich alle Führungspositionen einnehmen, wie es die Unternehmen hoffen?

Wenn man sich als Mann um einen Vorstandsposten bewerben will, sind die Chancen derzeit eher schlecht. Die Quote fragt nicht nach Gerechtigkeit, sondern nur nach dem Geschlecht. Was erhofft man sich von einer gesetzlich vorgeschriebenen Begünstigung? Zweck ist die Gleichstellung von Mann und Frau in beruflichen Positionen. Und wenn man sich die aktuelle Lage anschaut, erkennt man, dass in vielen Berufszweigen von Gleichstellung keine Rede sein kann.

Der Blick fällt vor allem auf so angesehene Berufszweige, wie die der Hochschulprofessoren. Es gibt Studienfächer, in denen der Anteil an weiblichen Absolventen bei über 90% liegt, der Anteil an Doktoranden weiblichen Geschlechts nur marginal darunter, aber die Professorenstellen zu 90% von Männern besetzt werden. Gute Aussichten für männliche Bewerber. Dieser Extremfall zeigt, worum es bei der Einführung der Frauenquote geht.

Denn es geht formal um die „Beseitigung der Diskriminierung der Frau“. So steht es in den international anerkannten Frauenrechten. 2011 stellte der Wirtschafts- und Sozialausschuss der Vereinten Nationen fest, dass Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt benachteiligt werden – und forderte die Einführung einer Quote.

Gegner der Quote sehen in der Kompensation der Diskriminierung eines Geschlechts die Diskriminierung des anderen. Konkret könnte dies für einen männlichen Bewerber bedeuten, dass man, ohne jemals Anteil an dieser Diskriminierungspolitik gehabt zu haben, auf eine Stelle aufgrund der Bevorzugung von Frauen verzichten muss. Explizit steht in vielen Ausschreibungen: „Frauen werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt behandelt.“ Es stellt sich hier natürlich die Frage, ob es letztlich eine „gleiche Qualifikation“ zweier Bewerber geben kann.

Befürworter der Frauenquote sehen darin die Möglichkeit, eine fehlgeleitete Politik zu korrigieren. Dass der Staat nun gesetzlich einschreiten muss, ist die ultima ratio einer sich nicht bessernden Situation. Im Übrigen tut dies der Staat fast immer, wenn er Gesetze erlässt. Er lenkt seine Bürger in eine Richtung – notfalls auch gegen Widerstand einiger Bevölkerungsteile. Ein höherer Anteil von Frauen sei auch wirtschaftlich sinnvoll, da sonst ein großes Potential der Gesellschaft unausgeschöpft bliebe.

Viele Männer halten den Befürwortern bereits ihre geschmälteren Karriereaussichten entgegen. Dass jedoch 2020 kein Mann mehr in den Chefetagen den Ton angeben wird, ist unwahrscheinlich. Dass Frauen jedoch sanfter oder sogar fürsorglicher agieren als ihre männlichen Konkurrenten ist ebenfalls ein Mythos. Viele Frauen, die es bis nach oben geschafft haben, haben sich in einer Männerwelt durchgesetzt und sind in vielen Punkten der maskulinen Konkurrenz ähnlicher als sie denken.

Gefährlich wird die Frauenquote, wie jede Quote, erst, wenn sie die Qualifikation in den Hintergrund drängt. Die Stelle nur an eine Frau zu vergeben, weil sie eine Frau ist, widerspricht in der Tat den Gerechtigkeitsintuitionen vieler Bundesbürger – auch Frauen.

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