Das E-Learning-Angebot im Fernlernbereich wird ständig erweitert. Neu entwickelte Internettechnologien, wie das virtuelle Klassenzimmer, ermöglichen es den Teilnehmern nutzerfreundliche und technisch einfach umzusetzende E-Learning-Angebote zu nutzen.

Wie genau das virtuelle Klassenzimmer genutzt werden kann, und welche Vorteile oder auch Nachteile es  für den Fernschulunterricht birgt, stellen wir im Folgenden vor.

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Klassenzimmer-Tools werden mittlerweile von verschiedensten Software-Firmen angeboten. Zu den bekanntesten gehören:

Was ist ein virtuelles Klassenzimmer?

Als virtuelles Klassenzimmer werden Webconferencing-Tools bezeichnet, die „Live-E-Learning“ ermöglichen. Also im Gegensatz zu den bekannten Lernplattformen wie moodle oder Blackboard ein synchrones Lehren und Lernen anbieten.

Im Unterschied zu den genannten Plattformen findet die Kommunikation in einem Virtuellen Klassenzimmer auf allen Ebenen statt. Der Konferenz- oder Meetingraum wird neben einem Textchat durch auditive und visuelle Kommunikation mittels Headset und Webcam unterstützt. Dabei können auch non-verbale Hinweise (Mimik, Gestik) wahrgenommen werden.

Verschiedene Werkzeuge ermöglichen die Zusammenarbeiten zwischen den Kommilitonen und die direkte Erarbeitung von Lerninhalten. Ein synchrones, kollaboratives Lernen wird möglich. Über die Lernwerkzeuge wird eine Seminaratmosphäre geschaffen, die  einer Präsenzveranstaltung sehr nahe kommt.

Lernwerkzeuge im virtuellen Klassenzimmerentspricht in einer realen Präsenzveranstaltung
Bild- und Ton-Übertragung durch Headset und Webcamöffentliche Kommunikation
Textchat"private" Kommunikation (unter den Teilnehmern)
Präsentationen (PDF, Powerpoint)Beamer
WhiteboardTafel, Flipchart
Desktop-SharingUnterlage, Ergebnisse gemeinsam betrachten
DateifreigabeAusteilen von Übungsblättern, Handouts
Anwendung teilenAufgaben gemeinsam bearbeiten

Voraussetzungen/Anforderungen:

Neben den technischen Voraussetzungen wie einem Internetbreitbandanschluss, einem Pc mit Headset und einer Webkamera sind keine besonderen Hardware-Komponenten zu erfüllen.  Zugang zu einem der virtuellen Klassenräume können die Studenten durch einen Link erhalten, den sie vorher per E-Mail zugeschickt bekommen. Hierzu muss keine besondere Treibersoftware installiert werden.

Um allerdings tatsächlich auch erfolgreiche Seminare oder Vorlesungen durchführen zu können, sollte besonders der Dozent über technisches und mediendidaktisches Wissen verfügen. Er steht vor der Aufgabe, die inhaltliche wie auch die technische Moderation zu führen. Neben seinen Vortrag muss er synchron die technischen Werkzeuge steuern und gegebenenfalls auch technische Probleme lösen können.

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Einsatzmöglichkeiten:

Die didaktischen Anwendungsmöglichkeiten des virtuellen Klassenzimmers sind vielfältig. Neben Online-chats, zum Beispiel für eine Sprechstunde, finden sie ihren Einsatz vor allem in Online-Vorlesungen, Online-Seminaren oder als Lerngruppentreff.

Online-Vorlesungen:

Der Dozent hält einen Vortrag mit Bild- und Tonübertragung. Die Teilnehmer sind dabei passiv, sie können den Vortrag sehen und hören, selbst aber kein Bild oder Ton übertragen. In einem anschließenden Textchat können dann fragen an den Dozenten gestellt werden. Hierzu kann er zusätzlich das Whiteboard nutzen, um seine Antworten durch Infografiken oder ähnliches zu unterstützen.

Online-Seminare:

Durch die vielfältigen Werkzeuge kann hier eine sehr reale Seminaratmosphäre geschaffen werden. Alle  Teilnehmer sind mit Video und Ton live dem Seminar zugeschaltet. Sie können sich direkt per Headset zu Wort melden, ihre Folien präsentieren oder mit anderen Seminarteilnehmern gemeinsam in Gruppen arbeiten. Durch den E-Moderator können hierzu die einzelnen Lernwerkzeuge freigegeben werden.

Online-Lerngruppen:

Auch für Online-Lerngruppen können die virtuellen Meeting-Räume  für selbstorganisierte Lerntreffs genutzt werden. Hier findet im Gegensatz zu den anderen Einsatzmöglichkeiten keine Moderation durch einen Dozenten statt. Lerngruppen können bei der zuständigen Administration der Fernschule einen freien Online-Meeting-Raum beantragen, organisieren und nutzen. Dabei kann, trotz räumlicher Distanz,  ein sozial-kommunikativer Austausch zwischen den Fernstudenten stattfinden.

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Nachteile des virtuellen  Klassenzimmers:

Vor allem die technische Vorbereitung birgt mitunter Probleme. Es muss ein gewisses technisches Grundverständnis der Teilnehmer vorausgesetzt werden.  Gerade Neueinsteiger im Bereich E-Learning (sei es auf der Seite der Dozenten oder der Studenten) können sich schnell durch die vielleicht anfangs auftretenden technischen  Probleme überfordert fühlen.  Vor allem wenn  alle Beteiligten per Live-Video- und Audio-Chat zugeschaltet sind, kommt es gelegentlich zu technischen Schwierigkeiten oder zu Zeitverzögerungen in der Übertragung. Deshalb müssen insbesondere die Dozenten, die als E-Moderatoren das Seminar oder die Vorlesung leiten, im Umgang mit Technik und Lernwerkzeugen geschult sein.

Ein anderer Nachteil ist die zeitliche Festlegung der Seminarzeiten. Im Gegensatz zu üblichen Lehr- und Lernmittel im Fernstudium finden die Online-Vorlesungen oder Seminare im virtuellen Klassenzimmer zu bestimmten Terminen statt, an dem alle Teilnehmer anwesend sein müssen. Diese Tatsache spricht ein wenig gegen die hohe Flexibilität, die ein Fernstudium eigentlich gewährt.

Vorteile für den Fernunterricht:

Zum einen bleibt auch bei dieser Form der Vermittlung der Student zumindest räumlich flexibel. Er muss nicht zu Präsenzveranstaltungen reisen, die mit Kosten- und Zeitaufwand verbunden sind. Dies ermöglicht ihm wiederum eine andere Art der zeitlichen Flexibilität.

Im Gegensatz zu anderen Lernplattformen findet hier ein ähnlich synchrones Lernen und Lehren wie in einer Präsenzveranstaltung statt. Es wird nicht, wie in andere E-Learning-Angebote zeitversetzt, also asynchron gelehrt, gelernt und kommuniziert – sondern zeitgleich.

Der größte Vorteil von virtuellen Klassenräumen ist die Möglichkeit der ganzheitlichen Kommunikation. Durch den Einsatz von Video- und Audioeinspielung können Teilnehmer und Dozenten auch non-verbal kommunizieren. Der Hör- und Sichtkontakt kann somit eine soziale Präsenz schaffen, die im Fernstudium lange Zeit nicht möglich war. Die Kommunikation wird authentischer und persönlicher.

Vor allem die gemeinsame Interaktion und Diskussion, der kommunikative Austausch untereinander ist dabei ein bedeutender Zugewinn. Gerade für Fernstudenten, die oft aufgrund der räumlichen Distanz keine Möglichkeiten haben in direkten Kontakt  mit ihren Kommilitonen oder Dozenten zu treten,  bietet das virtuelle Klassenzimmer neue Wege sich untereinander auszutauschen.  Deshalb ist das virtuelle Klassenzimmer gerade für den Fernunterricht eine sehr sinnvolle Ergänzung zu anderen Lernangeboten und sollte in Zukunft noch stärker genutzt und ausgebaut werden.

Bildnachweis: @Adobe Connect 

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