Dass viele Schüler, Eltern und Lehrer mit der G8-Regelung unzufrieden sind, ist nicht neu. Vielen geht das sogenannte „Turbo-Abi“ zu schnell. Doch selbst Schülern, die es in noch kürzerer Zeit schaffen, schieben die bürokratischen Hürden im Umfeld von G8 einen Riegel vor den vorzeitigen Abschluss.

Der Fall Felix Weimer: Felix ist hochbegabt. In der Schule hat er sich vor allem gelangweilt. Da es Hochbegabte, wie fast alle Sonderlinge, auch sozial schwerer haben, wurde Felix irgendwann physisch krank. Er beendete die Schule mit einem Hauptschulabschluss nach der neunten Klasse. Die Fernuni Hagen hat jedoch sein Potential erkannt und ihm eine Berechtigung erteilt, Informatik zu studieren. Seit zwei Jahren studiert er nun schon emsig, doch den Abschluss darf er nicht machen. Dazu benötigt er die Hochschulreife.

Die kann in Deutschland jeder Erwachsene nachholen. Doch Felix ist noch nicht erwachsen. Er ist erst 16 Jahre jung. Das Argument lautet hier: Der Junge gehört in die Schule. Dort soll er das Abitur machen – wie jeder jugendliche Schüler auch. So jedenfalls sieht es die hessische Schulbehörde. Sie hat die Regel aufgestellt, dass man erst mit 19 Jahren als externer Abiturient aufgenommen werden darf. Somit müsste Felix noch drei Jahre warten. Wäre Felix jedoch in der Schule geblieben, hätte er Klassen überspringen können. Das wäre sogar möglich gewesen, aber wegen der G8-Regelung hätte dann ein Zwölfjähriger in der Oberstufe gesessen. Man mag sich ausmalen, wie schwer es ist, dort sozialen Anschluss zu finden.

Und noch etwas hat die G8-Regelung bewirkt: Felix verließt nach der 9. Klasse das Gymnasium. Dass er nur einen Hauptschulabschluss hat und nicht die mittlere Reife – also die Hochschulreife, die er jetzt dringend benötigt – liegt daran, dass G8-Schüler diesen Abschluss erst nach Vollendung des zehnten Schuljahres bekommen. So will es das Schulgesetz. Ein Jahr Oberstufe ist also Pflicht.

Felix klagt, mit Hilfe von Bildungsanwältin Sibylle Schwarz, dagegen. Offensichtlich gab es schon vor Felix junge, talentierte Menschen, die vor dem Erreichen des 19. Lebensjahres ihr Abitur in der Tasche hatten. Ob sich das Gericht solche Fälle berücksichtigt und sich auf eine Sonderregelung einlässt, ist jedoch unklar.

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