Widersprüchliche Reform zur Forderung nach frühkindlicher Bildung

Seit 2007 diskutiert die CDU/CSU über das Betreuungsgeld für Elternteile, die Ihre Kinder unter drei Jahren zu Hause betreuen, anstatt sie in Krippen oder ähnliche Einrichtungen zu bringen. Die Koalition aus CDU/CSU und FDP will an diesen Plänen festhalten und das Betreuungsgeld zum 01. Januar 2013 einführen. Allerdings wird ihr Vorhaben von vielen Seiten drastisch kritisiert.

Was genau ist das Betreuungsgeld?

Das Betreuungsgeld ist im Prinzip lediglich die Auszahlung des Betrages von 150 €, den ein Krippenplatz den Staat durchschnittlich kosten würde, an die Eltern, die ihre Kinder unter drei Jahren zu Hause betreuen. Offen ist allerdings noch, ob dieser Betrag bar oder in Gutscheinform ausgehändigt wird, um zu gewährleisten, dass das Geld dem Kind zugutekommt.

Was wird kritisiert?

Gerade die Wirtschaftsverbände sehen das zentrale Problem dieser Reform darin, dass sozial benachteiligte Familien ihren Kindern des Geldes wegen frühkindliche Bildung vorenthalten könnten. Hierdurch wird gegen eine Chancengleichheit gearbeitet, die doch so oft gefordert wird, denn das Betreuungsgeld schadet „gerade jenen Kindern, die von der institutionellen Betreuung im Kleinkindalter am meisten profitieren würden“. (Thomas Straubhaar im Handelsblatt)

Außerdem kann das Betreuungsgeld negative Konsequenzen für die Frauenerwerbstätigkeit haben: wenn mehr Frauen zu Hause bleiben, fehlen sie auf dem Arbeitsmarkt und gerade für die Arbeitskraft der Frauen sollte sich eingesetzt werden.

Ein weiterer allgemeiner Kritikpunkt ist das mit dem Geld verbreitete traditionelle Geschlechterverhältnis, das nicht der modernen Familie entspricht.

Die Zeit betont zudem, dass die Höhe des Betrages so gering ist, dass sich für gut verdienende Frauen trotz dieser Reform nicht die Frage stellt, aus dem Beruf zu gehen und stattdessen die Kinder zu erziehen. Für diese wichtige Gruppe bringt das Betreuungsgeld insofern wenig. Es wird keine attraktive Alternative zum Job angeboten.

Alle Kritiker sind sich darin einig, dass das Betreuungsgeld eine sinnlose Reform ist, die viel Geld kostet und dass der Ausbau von frühkindlichen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen ein wesentlich wichtigerer Schritt wäre, wenn tatsächlich eine optimale Förderung der Kinder, Chancengleichheit und eine hohe Frauenerwerbsquote angestrebt werden.

Interessanterweise wird in dieser Debatte kaum darüber diskutiert, dass die Eltern, die ihre Kinder nicht zu Hause betreuen, nicht nur die staatliche Förderung in Anspruch nehmen, sondern auch noch einen Elternanteil für diese Betreuung bezahlen müssen. Demnach werden sie finanziell in der Regel nicht bevorzugt, sondern eher noch bestraft. Das Betreuungsgeld als Ausgleichszahlung für die Familien anzusehen, die die staatlichen Zuschüsse nicht in Anspruch nehmen, ist also durchaus fragwürdig. Krippenplätze kosten in Deutschland je nach Region, Einkommen der Eltern, der Länge der Betreuungszeiten usw. für die Eltern bis zu 500 € zuzüglich eventueller Verpflegungskosten.

Welche Alternativen gibt es?

Ein Ausbau der frühkindlichen Bildung könnte demnach schon dadurch geleistet werden, wenn man die Eltern (nicht nur die finanziell schwachen Familien) von diesen Kosten befreien würde oder die Beiträge beispielsweise um die 150 € senken würde, die das Betreuungsgeld ausmachen. So würden Familien nicht auch noch vor der Entscheidung stehen, ob ein Elternteil zu Hause bleiben sollte, um die Betreuungskosten zu sparen.

Hinzu kommt, dass es zusätzlich zu diesem Betreuungsgeld bereits das Elterngeld gibt, das es Eltern ebenfalls erleichtert für eine gewisse Zeit aus dem Beruf auszusteigen und zu pausieren, um sich der Kindererziehung zu widmen. Ein weiteres Geldpaket, das dies fördern soll, scheint hierdurch unsinnig.

Wirklich nur das Beste für die Kleinen?

Entgegen der vielen kritischen Stimmen ist das Betreuungsgeld mittlerweile jedoch durch CDU/CSU und FDP beschlossen und wird wohl eingeführt werden. Offen ist bislang noch, ob es ein Gutscheinmodell geben wird, das von den Kritikern zumindest als die bessere Alternative angesehen wird. Auf diese Weise wird immerhin sichergestellt, dass die Kinder davon profitieren und nicht die Eltern.

Es kann jedoch nicht sicher von einem positiven Effekt auf die Förderung des Kindes ausgegangen werden, was das eigentliche Ziel einer Reform im Betreuungs- und Bildungswesen sein sollte. Insofern herrscht Unklarheit darüber, was der eigentliche Zweck dieser Reform sein soll und warum die Politik derartige Vorschläge macht, wenn doch so viel dagegen spricht und es bessere Möglichkeiten geben würde, das Geld im Bildungswesen auszugeben (kostenloses KiTa-Angebot, Ganztagsschulausbau, Unterstützungsmaßnahmen für Familien im Alltag etc.)

Bildnachweis: @istockphoto/damircudic

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