Dirk Kreuter ist wohl den meisten von uns als exzellenter Redner und Trainer im Bereich Marketing und Vertrieb bekannt – was nicht zuletzt durch seine Auszeichnung zum „Speaker of the Year 2011“ noch einmal unterstrichen wurde.

Mit seinen Vorträgen füllt Dirk Kreuter riesige Hallen und begeistert sein Publikum mit großartiger Rhetorik und beißenden Metaphern. Bei ihm dreht sich alles um Marketing, Vertrieb und Verkauf.

Normalerweise vermittelt Dirk Kreuter in seiner Show komplexe Strategien, konkrete Techniken und neue Impulse. Für Leute, die in schon einmal erlebt haben oder zumindest ein Video von ihm gesehen haben, kommt er dabei unheimlich authentisch, beeindruckend und immer außerordentlich praxisorientiert rüber.

Wir sind froh, dass er sich bereit erklärte, mit uns über ein völlig anderes Thema zu reden. Ein Thema, was viele als „weich“ bezeichnen, weil es scheinbar außerhalb von harten Daten und Fakten angesiedelt ist. Es ging bei unserem Gespräch um Werte. Werte im Unternehmen, Werte in der Balance zwischen Führungskraft, Mitarbeitern und Kunden. Und hierzu hat Herr Kreuter schon eine ganz klare Meinung.

Unternehmen brauchen Menschen, die ihren Job als Berufung sehen

„Das Stilisieren von gemeinsamen Werten von Unternehmen und Mitarbeitern ist schon der falsche Ansatz. Natürlich möchten Unternehmen wachsen, natürlich möchten sie Erfolg haben. Und dafür braucht es Mitarbeiter, die sich mit ihrem Beruf, ihrer Aufgabe im Unternehmen tatsächlich identifizieren. Und da sehe ich das eigentliche Problem, das uns immer wieder begegnet: Wer seinen Beruf alleine wegen des Geldes, des Status oder der Anerkennung macht, der kann nicht glücklich werden. Deswegen erkranken Leute meines Erachtens nach an Burnout oder suchen sich im besten Fall noch eine Herausforderung außerhalb ihrer Erwerbstätigkeit. Unternehmen brauchen aber Menschen, die ihren Job nicht einfach als Arbeit sehen, sondern als Berufung. Nehmen Sie zum Beispiel Musiker oder Sportler: Ein Michael Schumacher fährt bestimmt nicht des Geldes wegen, er fährt, weil er dafür „brennt“, weil es seine Leidenschaft ist. Dafür gibt es auch ein schönes Zitat von Konfuzius: »Finde den Beruf, den du liebst, und du wirst keinen Tag in deinem Leben arbeiten. «

Für Dirk Kreuter spielt deswegen auch ein fester Wertekodex im Unternehmen keine entscheidende Rolle für eine moderne Führung oder gar eine erfolgreiche Unternehmenskultur. „Ich weiß, dass es nicht so ist. Werte sind kein Garant dafür, dass ein Unternehmen erfolgreich ist. Es gibt Unternehmen, die sehr autoritär führen und am Markt erfolgreich sind und es gibt Unternehmen, die sehr wertschätzend und kooperativ mit ihren Mitarbeitern umgehen und auch erfolgreich sind. Das gleiche gilt aber auch in die andere Richtung.

Nehmen Sie das Beispiel Schlecker: Eine autoritäre Führung, das Schikanieren von Mitarbeitern und das Unternehmen geht den Bach runter. Auf der anderen Seite: Ihr Platz. Ein Unternehmen, was sich eine freundliche Mitarbeiterführung auf die Fahnen geschrieben hat und genauso scheitert. Unternehmen sind nun einmal dafür gemacht, Umsätze und Ziele zu erreichen und damit letztendlich ihr Überleben zu sichern. Die Unternehmenskultur oder auch Philosophie orientiert sich also daran, welche Ziele das Unternehmen verfolgt. Und das heißt, klar zu definieren, wofür das Unternehmen steht und Mitarbeiter zu finden, die genau dies zu hundert Prozent verinnerlicht haben“, erklärt Kreuter.

Führungspersonen müssen für die Werte des Unternehmens einstehen

Dabei spielen für ihn die Führungsverantwortlichen in den Unternehmen eine entscheidende Rolle, weshalb er auch den Vergleich zu der Beziehung zwischen Kindern und Eltern zieht. „Das Entscheidende ist doch: Trage ich die Werte, für die ich stehe, einfach vor oder lebe ich sie vor? Das ist der Unterschied. Wenn ich als Kind Sparsamkeit und Disziplin gepredigt bekomme, meine Eltern aber undiszipliniert das Geld verprassen, dann kann ich diese Werte wohl kaum verinnerlichen. Und genauso funktioniert es im Unternehmen: Wenn ich als Führungsperson mich immer wieder vor Kunden und Partnern verleumden lasse, weil ich keine Lust habe mich mit ihnen auseinander zu setzen, dann kann ich auch keine Kundenorientierung von meinen Mitarbeitern verlangen. Führungspersonen müssen für die Werte des Unternehmens einstehen und diese ihren Mitarbeitern auch Tag für Tag vorleben.“

„Was mir bei immer mehr Unternehmen auffällt ist, dass sich die Unternehmenswerte immer mehr in Richtung Nachhaltigkeit und Umwelt entwickeln. Dass Konzerne wie zum Beispiel IKEA ihre Firmenphilosophie zunehmend umweltfreundlich und nachhaltig ausgerichtet haben. Hier merkt man, dass diese Werte tatsächlich gelebt werden und dafür auf allen Ebenen investiert wird. Aber natürlich ist es auch so, dass sich dabei verschiedene Kanäle überkreuzen: Das echte „grüne Gewissen“, das gesellschaftliche Interesse an dem Thema und nicht zuletzt aber auch der hohe Marketingwert, der sich daraus ergibt.

Aber machen wir uns nichts vor: Das Ganze wird nur solange unterstützt, bis es um die Existenz des Unternehmens geht. Wenn das Unternehmen ums Überleben kämpft, dann wird auch die gelebte Nachhaltigkeit sekundär. Ein Unternehmen wird sich in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten sicher gut überlegen, inwieweit es aus Gründen der Umweltfreundlichkeit noch auf Gewinn verzichten kann. Und man darf auch eines nicht vergessen: Solche Werte wie Nachhaltigkeit, genauso wie zum Beispiel die Frauenquote, sind vor allem im Fokus der großen Konzerne. In den meisten mittelständischen Unternehmen kann ich diese Art von Werteorientierung nicht beobachten. Aber letztendlich ist es der Mittelstand, der unsere Wirtschaft trägt. Ich glaube, dass dieses ganze Thema Werteorientierung im Unternehmen ein wenig „Schönwetter“ ist. Wenn es zu einer tatsächlichen Krise kommt, ist es genauso raus aus den Medien wie die anderen Themen auch.“

Klare Werte: Freiheit und Selbstbestimmtheit

Trotzdem spielen für Dirk Kreuter als Unternehmer und Privatmensch Werte eine sehr wichtige Rolle. „Für mich persönlich, genauso wie bei uns im Unternehmen herrschen ganz klare Werte: Freiheit und Selbstbestimmtheit. Es ist wichtig, dass alle Mitarbeiter mit diesen Werten konform sind. Deswegen schau ich ganz genau, ob einer ins Team passt, ob er tatsächlich für genau diese Werte einsteht. Schließlich sollen meine Mitarbeiter genauso Freude an ihrer Arbeit haben und an unseren Kunden.

In unserem Team arbeiten und handeln wir deswegen nach unseren Zielen und haben klare Regeln, wie die Zusammenarbeit mit einem Unternehmen abläuft. Dabei haben wir das Glück, dass wir entscheiden können, mit wem wir zusammenarbeiten. Aber auch hier gilt: Wenn dies nicht so wäre, würden auch wir Abstriche machen.

Trotzdem ist es unsere Maxime, sich nicht am Markt oder am Wettbewerb zu orientieren, sondern nur an unseren selbstdefinierten Zielen. Und das heißt auch, optimistische und gewagte Entscheidungen zu treffen – schließlich spielen wir, um zu gewinnen.“

Über Dirk Kreuter

Dirk Kreuter gilt als einer der führenden Verkaufstrainer in Deutschland und ist seit über 20 Jahren als Speaker, Autor und Trainer im Bereich Marketing und Vertrieb erfolgreich. Mit seinem absoluten Ausnahmewissen rund um die Neukundengewinnung füllt er regelmäßig große Hallen mit einem begeisterten Auditorium. Dirk Kreuter ist Autor, Co-Autor und Mit-Herausgeber von über 30 Fachbüchern, DVDs und Hörbüchern, die in mehreren Sprachen erschienen sind und ist zudem Lehrbeauftragter an der Steinbeis Hochschule in Berlin.

Dirk Kreuter

 

 

VN:F [1.9.22_1171]
Diesen Artikel bewerten
Rating: 9.3/10 (3 votes cast)
Dirk Kreuter: "Werte sind kein Garant dafür, dass ein Unternehmen erfolgreich ist.", 9.3 out of 10 based on 3 ratings