Lehrerin vor Schulklasse

Interkulturelle Erziehung ist heutzutage ein gängiges Erziehungsmodell besonders innerhalb der staatliche Erziehungs- und Bildungsinstitutionen wie Kindergarten und Schule.

Gemeint ist damit in der Regel die Erziehung von Menschen für eine Gesellschaft, in der viele verschiedene Kulturen gemeinsam leben. Die Vorbereitung auf den Umgang mit anderen Normen, Werten, ethnischen Gruppierungen und Religionsgemeinschaften ist dabei zentral.

Innerhalb der Kulturwissenschaften wird meistens noch zwischen Interkulturalität, Multikulturalität und Transkulturalität unterschieden – je nachdem, ob die Gesellschaft als ein Zusammenspiel mehrerer Kulturen angesehen wird oder ob die Vielfalt die Kultur erst ausmacht. In Medien und im Volksmund geht es bei den verschiedenen Bezeichnungen jedoch meistens um dasselbe, nämlich das Zusammentreffen mehrerer Kulturen.

Ziel der interkulturellen Erziehung sind Kompetenzen wie Toleranz, interkulturelle Kommunikations- und Handlungsfähigkeit. Diese Kenntnisse und Fähigkeiten werden als sehr wichtig angesehen, da die Kontakte zu anderen Kulturen und Nationalitäten immer häufiger werden, sowohl im eigenen Land als auch im Ausland.
Auslandsaufenthalte sind mittlerweile zur Normalität geworden und auch berufliche Beziehungen zu ausländischen Firmen und Mitarbeitern gehören zum Alltag. Ebenso sind viele Länder, darunter Deutschland, zum Einwanderungsland geworden. Viele Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen treffen demnach hier zusammen. Eine Vorbereitung auf diese gesellschaftliche Situation erscheint damit heute als unumgänglich.

Formen der interkulturellen Erziehung im Bildungssystem

Interkulturelle Erziehung beginnt schon im Kindergarten: Gruppen, in denen bereits eine Fremdsprache spielerisch gelernt wird, gibt es bereits viele (z.B. Englisch, Französisch oder Chinesisch).
In der Schule kann man meistens nur anhand der Zielvorgaben erkennen, dass auch dort interkulturell erzogen werden sollte. Es gibt unter den Fächern lediglich die Fremdsprachen, die zur interkulturellen Erziehung zu zählen sind. Dennoch soll in der Schule zu Toleranz erzogen werden und die Vorbereitung auf eine sich internationalisierende und globalisierende Welt sind eindeutige Ziele.
An den Hochschulen gibt es Fächer, die sich explizit mit Interkulturalität befassen – vor allem die Kulturwissenschaft und die Religionswissenschaft. Mittlerweile gibt es jedoch auch einzelne Studiengänge, die sich die interkulturelle Erziehung zum Thema gemacht haben (z.B. Interkulturelle Bildungswissenschaften). Manche Universitäten bieten auch zusätzliche Kurse an, in denen Studenten ihre internationale Handlungsfähigkeit erweitern können. Besonders für Lehramtsstudenten gibt es diese häufig.
Die interkulturelle Handlungs- und Kommunikationsfähigkeit ist außerdem nicht selten Inhalt betrieblicher Fortbildungen.

Inhalte der interkulturellen Erziehung

In den meisten Kursen und Seminaren geht es vor allem um Kommunikation. Es wird dafür sensibilisiert, dass, auch wenn man eine Fremdsprache beherrscht, gewisse Kommunikationsregeln international unterschiedlich sind (wer darf wann sprechen, wie ist der Körperabstand während des Gesprächs etc.). Des Weiteren wird viel über Stereotype und Vorurteile gesprochen. Diese sollen thematisiert und problematisiert werden, um zu lernen, zwar mit Hintergrundinformationen über die Kultur in ein Gespräch zu gehen, aber dennoch offen zu sein für die Individualität des Gegenübers unabhängig von seiner Kultur.
Zentral ist auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur bzw. dem Ansehen der eigenen Kultur und Nationalität in anderen Ländern. Man findet dadurch Unterschiede und Gemeinsamkeiten und kann Reaktionen von Menschen aus anderen Kulturen ggf. besser nachvollziehen (z.B. unterschiedliche Auffassungen von Pünktlichkeit).

Manchmal sind die Kurse zur interkulturellen Erziehung unabhängig von bestimmten Nationalitäten, aber meistens werden sie für bestimmte Kulturen oder Kulturgruppen angeboten. Dies hat vor allem den Vorteil, dass man so schon einiges über die Kultur lernen kann und spezifisch darauf vorbereiten kann. Die Werte und Kommunikationsregeln variieren schließlich zwischen einzelnen Kulturen. Insofern gibt es beispielsweise den Kurs „Interkulturelle Kommunikation mit Schwerpunkt China“ und entsprechende Angebote für arabische Länder, die USA oder das südliche Afrika.

Interkulturelle Erziehung – Bringt’s das?

Prinzipiell sollten Erziehungsziele wie Toleranz  und Offenheit immer schon Teil der Erziehung sein, ob jetzt bezogen auf fremde Kulturen oder nicht. Ob man durch diese Kurse also toleranter wird oder freundlicher gegenüber Menschen aus anderen Kulturen sei dahin gestellt. Fremdsprachen gehörten eigentlich auch schon zur Erziehung dazu, bevor interkulturelle Erziehung diskutiert wurde.
Dennoch haben die Schulungen zur interkulturellen Kommunikation und Handlungsfähigkeit den Vorteil, dass gerade Menschen, die viel Kontakt zum Ausland haben und/oder sogar zeitweise im Ausland wohnen, sich sicherer fühlen und der Kulturschock vielleicht etwas abgemildert wird. Es passieren weniger Fehler im Umgang mit ausländischen Geschäftspartnern und man wird zumindest dafür sensibilisiert, dass gerade alltägliche Dinge in anderen Ländern und Kulturen anders sein können. Insofern schult die interkulturelle Erziehung vor allem die Fähigkeit, zu verstehen, dass nicht alles so sein muss, wie man es kennt und, dass man nicht davon ausgehen sollte, dass man Menschen aus anderen Ländern versteht, nur weil man die Sprache spricht. Interkulturelle Erziehung führt den Blick weg von der verbalen Sprache hin zu nonverbalen Aspekten, Normen, Werten und Gewohnheiten.

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