Noch immer fehlen, laut Bertelsmann Stiftung, 42 000 staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher in Kitas und Co. Ab dem 1. August 2013 müssen zudem die Kommunen den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab Vollendung des ersten Lebensjahres erfüllen. Doch wem nützt dieser Rechtsanspruch, wenn die nötigen Fachkräfte fehlen?

Denn auch wenn viele Kommunen aktuell bemüht sind, den nötigen Ausbau zügig voranzutreiben, fehlt an vielen Stellen schlichtweg geeignetes Personal. Schließlich fordern die Rahmenbedingungen der U3-Betreuung nicht den Um- und Ausbau der Einrichtungen, sondern auch bestimmte Qualifikationen der Erzieherinnen und Erzieher.

Hauptsache Bildung sprach deswegen mit den Verantwortlichen und Initiatoren des neuen Weiterbildungskurs „Fachkraft für Frühpädagogik U3“ an der FH Köln, die genau diese Qualifizierungslücke auf dem Weiterbildungsmarkt schließt.

Frage 1: Ganz offensichtlich haben Sie den dringenden Handlungsbedarf erkannt und bieten ab Januar 2013 eine spezielle Weiterbildung Frühpädagogik an. Gab es für Sie noch andere Gründe diese Weiterbildung anzubieten?

Matheis: Als Bildungseinrichtung bieten wir den Fakultäten und Instituten der FH Köln professionelle Beratung und Unterstützung bei der Entwicklung, Vermarktung und Durchführung von Weiterbildungsangeboten an. Bei Anfragen prüfen wir den Bedarf der Zielgruppe, schauen uns den Markt an und entscheiden uns in intensiven Abstimmungsgesprächen mit der jeweiligen wissenschaftlichen Leitung für oder gegen ein Angebot.

In diesem Fall kamen Herr Prof. Dr. Strätz, wissenschaftlicher Leiter des Lehrgangs und Experte im Bereich der Frühpädagogik, Sonja Damen (Diplom-Heilpädagogin) und Katrin Betz (Diplom-Pädagogin)  auf uns zu und berichtete uns von einer starken Nachfrage seitens Mitarbeiter/innen und Leitungskräften aus Kindertagesstätten zur Professionalisierung im Bereich Frühpädagogik U3. Aufgrund des verstärkten Ausbaus von Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren befänden sich viele Kindertageseinrichtungen in tiefgreifenden Veränderungsprozessen und seien an der Professionalisierung ihrer Arbeit interessiert, um diesen Herausforderungen kompetent und sicher begegnen zu können. Das Konzept von Frau Betz, Frau Damen und Herrn Prof. Dr Strätz hat uns  hat uns sehr überzeugt. Wir sehen hier für uns als Hochschule einen wichtigen bildungspolitischen Auftrag, den es im Interesse der Kinder, der Eltern und der pädagogischen Fachkräfte zu erfüllen gilt.

Grundmann: In der gemeinsamen konzeptionellen Ausarbeitung des Lehrgangs haben wir besonderen Wert darauf gelegt, MitarbeiterInnen und Leitungskräften von Kindertagesstätten eine Weiterbildung anzubieten, die ausreichend Gelegenheit bietet, sich ein fachliches Fundament für die tägliche Arbeit mit Kindern unter drei Jahren zu erarbeiten und sich selbst und die berufliche Rolle zu reflektieren und Handlungsoptionen abzuleiten

Frage 2: Für wen ist diese Weiterbildung konzipiert und welche Bildungsinteressierte sollte sie in erster Linie ansprechen?

Grundmann: Diese Weiterbildung richtet sich an Fachkräfte, die eine anerkannte Grundausbildung im elementarpädagogischen Bereich nachweisen können (staatlich anerkannter Erzieher/staatlich anerkannte Erzieherin oder einen Bachelor im Bereich Elementarpädagogik) und sich für den Bereich Frühpädagogik U3 qualifizieren bzw. in diesem Bereich professionalisieren möchten. Wir sprechen Erzieherinnen und Erzieher an, die aktuell oder zukünftig im Bereich U3 arbeiten werden und Leitungskräfte, die diesen Bereich in ihrer Kindertagesstätte auf- bzw. ausbauen möchten.

Matheis: Nach erfolgreicher Absolvierung und bestandener Prüfung werden für die erbrachten Studien- und Prüfungsleistungen 10 ECTS vergeben. Diese Credit Points können sich unsere AbsolventInnen im Bachelorstudiengang „Pädagogik und Kindheit der Familienbildung“ an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften  der FH Köln in einem Wahlpflichtfach anrechnen lassen –  sofern sie sich nach Abschluss der Weiterbildung für einen Studiengang entscheiden.

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Es herrscht ein sehr hoher Weiterbildungsbedarf bei den U3-Erzieher-Fachkräften, 8.5 out of 10 based on 2 ratings