Frauen zwischen Beruf und Familie haben mehr als einen Vollzeitjob. Sie hetzen morgens zur Arbeit, empfangen am Nachmittag die Kinder von der Schule, gehen mit ihnen die Hausarbeiten durch und haben dazu noch genug eigene. Was diese Frauen leisten, kommt den vielfältigen Aufgaben eines Managers in Qualität und Zeitaufwand sehr nahe. Deren Gehälter bekommen sie nicht. Aber wenigstens gesellschaftliche Anerkennung?

Das Alleinverdienermodell reicht nicht mehr aus

Die Frauen, die den Spagat zwischen Familie und Beruf meistern, wissen um die schlechte Betreuungssituation für Kinder in Deutschland. In Großstädten wird die Familie so zu einer immer größeren Herausforderung. Sie wissen aber auch um die Probleme der eigenen Versorgung im Alter. In Zeiten gestiegener Lebenshaltungskosten, steigender Mieten und sinkender Löhne reicht das klassische Alleinverdienermodell aus dem vorigen Jahrhundert auf die Dauer kaum mehr aus, um das Auskommen nachhaltig zu sichern.  Zwar dominiert in Westdeutschland noch immer das männliche Ernährermodell, doch lassen sich auch hier mittlerweile Trends beobachten, die eine verstärkte Berufsrückkehr der Frau nach einer bestimmten Kinderzeit erkennen lassen (Quelle: Doku IAB)

Sicher ist dabei ein Trend. Die Familienbildung findet immer später statt. Frauen zwischen Beruf und Familie stecken daher häufig in einem Dilemma. Besonders, wenn sie zwischen 30 und 40 sind. Kümmern sie sich in dieser Zeit um die Kinder, spüren sie den gesellschaftlichen Druck, doch bald wieder in den Beruf einsteigen zu müssen. Sind sie in den Beruf wieder eingestiegen, plagt sie das schlechte Gewissen gegenüber ihren Kindern. Die kulturelle Prägung spielt Frauen hier mitunter übel mit.

Noch nie waren Frauen so gut ausgebildet wie heute

Gleichermaßen sind Frauen noch nie so gut ausgebildet gewesen wie heute. Viele selbstbewusste Frauen möchten direkt nach der Geburt des Kindes wieder in ihr Berufsleben einsteigen, weil sie um ihr Potenzial wissen. Sie möchten nicht einfach nur Mutter sein, sondern lieben auch ihren Beruf. Es ist bedauerlich und peinlich, dass der Staat es bis heute nicht geschafft hat, diesen Frauen ein echtes Betreuungsangebot zu machen. Von einem Land wie Deutschland, das so viel Wert aus kleinen und mittleren Unternehmen schöpft, die keine KiTa nebenan anbieten können, muss man mehr erwarten dürfen.  Wer die Potenziale dieser gut ausgebildeten Frauen nicht auszuschöpfen versteht, denkt nicht wirklich an Zukunft. Eine bessere Infrastruktur hier würde vielen Familien möglicherweise die Entscheidung zu einem zweiten Kind erleichtern, denn auch das lässt sich mit dem modernen Berufsleben und der antiquierten Familienpolitik im Land gut ablesen: Der Trend zur Einkindfamilie.

Investition in Bildung und Betreuung ist Familienpolitik

Erstmalig machen seit diesem jungen Jahrhundert mehr Mädchen als Jungs in Deutschland Abitur. Diese Entwicklung setzt sich entsprechend an der Universität fort. Wer in dieser Entwicklung den Ausverkauf der Familie sieht, ist im Rollenmodell von gestern stehengeblieben. Häufig werden kinderlose Akademikerpaare als Beispiel angeführt.  Dass während des Studiums Hilfen für eine Familienbildung diskutiert werden, kommt in den gesellschaftlichen Diskussionen dagegen nicht vor. Stattdessen soll es nächstes Jahr das Betreuungsgeld geben. Die Investition in Bildung und Betreuung ist dagegen eine Angelegenheit der Zukunft. Viele Frauen heute möchten aber in der Regel beides: Beruf und Familie.

 

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