Frauen in Wissenschaft und Forschung nehmen einen immer höheren Anteil ein. Das Jahr 2010 zählte laut Daten des Statistischen Bundesamtes 7945 Professorinnen, die an Deutschlands Hochschulen lehrten und forschten. (http://www.bmbf.de/de/474.php)

Es ist ein erklärtes Ziel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, den Anteil an Frauen in Lehre und Forschung zu erhöhen. Hierfür ist eigens ein Referat mit dem Arbeitstitel „Chancengerechtigkeit in Bildung und Forschung“ zuständig. Aber wie sieht die Praxis aus? Gibt es besondere Förderprogramme für Frauen, die wieder in den Beruf einsteigen oder promovieren wollen?

Das Programm AQUA für Berufsrückkehrerinnen

Das Programm AQUA ist ein von der Bundesregierung gefördertes Programm der Otto Benecke Stiftung e.V., das Frauen in Elternzeit in notwendigen Fortbildungen unterstützt. (http://www.obs-ev.de/) Jede achte Berufsrückkehrerin hat einen Hochschulabschluss erworben und möchte wieder entsprechend ihrer Ausbildung arbeiten. Ein ESF-Programm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hilft zudem Frauen bei der Gestaltung von Übergängen in ihrem Lebenslauf.

Förderung von Frauen in MINT-Berufen

MINT steht für die Fachrichtungen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Mit der Initiative „Komm, mach MINT!“ will das Bundesministerium für Bildung und Forschung mehr Frauen in diese Berufsfelder locken und fördert hier in Partnerschaft mit Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Projektideen sowie Forschungsvorhaben. Für letzteres gelten wie für alle Projektförderungen die Kriterien des Innovationspotentials und der Verwertungsmöglichkeit. Zugleich sollten Frauen, die Anträge auf Projektförderungen stellen, darauf schauen, dass sie Doppelförderungen vermeiden.

Mehr Professorinnen

Seit 2008 stehen jährlich 15 Millionen Euro als Anschubfinanzierung für ein Professorinnenprogramm bereit. Die Länder müssen hier allerdings kofinanzieren, sodass die mögliche Schaffung von 200 Professorinnenstellen abhängig ist von den jeweiligen Länderhaushalten. Je nach politischem Schwerpunkt im Bundesland stellt sich auch hier mitunter das Problem der Bildungshoheit der einzelnen Länder.

Frauen in der Wissenschaft – Echte Chancengleichheit oder ungeliebte Quote?

Bei öffentlichen Stellen gibt es eine Ausschreibungspflicht. Bei Förderprojekten müssen Anträge gestellt werden.  Für Frauen gelten die gleichen Regeln wie für Männer. Entscheidend sind mitunter weiter die geschaffenen Netzwerke an der Uni sowie die dargebotenen Leistungen. Mitte der 90er ließ sich nur kurzzeitig an Universitäten der Ruf vernehmen, dass ein männlicher Wissenschaftler kaum mehr eine Chance auf einen Verbleib in der Forschung habe, weil unterschwellig die Frauenquote eingeführt worden sei. Diese Rufe kamen häufig von männlichen Wissenschaftlern und verhallten spätestens, als wahrgenommen wurde, dass der gesamte Anteil von Frauen an Universitäten stieg, eine entsprechend höhere Einstellungsquote diesem  Trend einfach nur folgte.

Vorbei sind die Zeiten, in denen Frauen in öffentlichen Stellenanzeigen herzlich eingeladen waren, sich zu bewerben. Das ist heute eine Selbstverständlichkeit. Mit Ausnahmen lässt sich sagen, dass Frauen in der Wissenschaft und Forschung mittlerweile eine echte Chancengleichheit erleben, es neben den speziellen Förderprogrammen auch für sie gleichermaßen darum geht, Spitzenleistung in Lehre und Forschung zu erbringen. Dabei bleibt natürlich zu wünschen, dass sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch für Akademikerinnen wesentlich verbessert, damit nicht Kind gegen Karriere ausgespielt werden kann.

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