Eine aktuelle Studie des Statistischen Bundesamtes kommt zu dem Schluss, dass junge Menschen in Deutschland eine relativ lange Ausbildungszeit in Anspruch nehmen. Dagegen kommt hinzu, dass die Erwerbsbevölkerung heute so gut ausgebildet ist, wie nie zuvor.

Das Statistische Bundesamt hat in seiner neusten Studie 2012 „Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt“ fünf Bereiche untersucht: die Erwerbsbeteiligung im Allgemeinen, die Qualifikationen der Erwerbsbevölkerung, die Arbeitsbedingungen und Verdienste, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie den Übergang in den Ruhestand. Die gesamte Studie steht auf den Seiten des Statistischen Bundesamtes zum Download zur Verfügung.

Besonders auffällig sind die Daten in Bezug auf die Qualifikation der Erwerbstätigen. So stieg die Qualifikation der 15- bis 64-jährigen Personen in den untersuchten 27 EU-Staaten in den letzten 10 Jahren immer weiter an. Bei den Männern dieser Altersklassen erhöhte sich der Anteil an Personen mit tertiären Abschlüssen, also Hochschulabschlüssen, von 20% auf 26%. Bei den Frauen war der Anstieg ungleich höher: von 22% auf 32%. Die Frauen liegen jedoch mit einer durchschnittlichen Abschlussrate von 26% im unteren Drittel im EU-Vergleich. In anderen Ländern haben demnach mehr Frauen höhere Abschlüsse. Durch die noch immer schwere Vergleichbarkeit der Abschlussarten ist jedoch dieser Befund kritisch zu sehen.

Im EU-Bildungsraum sind die meisten Länder und Ministerien daran interessiert, viele junge Menschen zu einem Studium der MINT-Fächer zu bewegen. Damit sind vor allem die Fächer Mathematik, Informatik, die Naturwissenschaften sowie die technischen Fächer gemeint. Frauen in Deutschland entscheiden sich jedoch noch häufig gegen MINT-Fächer. Nur 16% aller Studentinnen waren in diesen Fächer im Jahr 2012 eingeschrieben.

Ein weiterer interessanter Punkt ist die immer länger werdende Qualifikationsphase junger Menschen. Zwar bemühen sich die deutschen Bundesländer um eine Verkürzung besonders an Gymnasien und weiterführenden Bildungseinrichtungen, dennoch befanden sich 2003 noch 43% der 20- bis 24-jährigen in der Ausbildung. Der Wert erhöhte sich sogar bis 2011 auf 50%. Im EU-Durchschnitt sind es jedoch nicht 50% sondern 40% der 20- bis 24-jährigen, die in Ausbildung sind. Den höchsten Wert verzeichnen hierbei Luxemburg und Slowenien mit über 50%.

Dabei muss bemerkt werden, dass viele junge Menschen Ausbildung und Arbeit kombinieren – und beispielsweise parallel zum Studium einer Beschäftigung nachgehen. In Deutschland, Dänemark und Malta arbeiten die meisten jungen Menschen neben der Ausbildung. In Deutschland ist das Ergebnis jedoch vor allem auf das duale Ausbildungssystem zurückzuführen, bei dem Schüler auch in ihrem Ausbildungsbetrieb tätig sind.

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