Einige Frauen strahlen als leuchtendes Beispiel, wie man in einem technischen Beruf erfolgreich ist. Andere können sich einfach nicht vorstellen, Informatik oder Mathematik zu studieren. Was unterscheidet diese beiden Gruppen?

Fakt ist, dass in Deutschland noch immer mehr Männer als Frauen in technischen Berufen arbeiten. Der Grund für diese Zurückhaltung ist jedoch weiterhin unklar. Wir haben dazu der Herausgeberin von „Business Ladys“, Ute Blindert, einige konkrete Fragen gestellt.

Hauptsache Bildung: Was denken Sie, sind die Ursachen für das mangelnde Interesse der weiblichen Bevölkerung an technischen Berufen?

Ute Blindert: Die Ursachen sind natürlich vielfältig und manchmal nicht so genau zu fassen. Auf der einen Seite haben wir es zahlreichen Stereoptypen zu tun: Mädchen tragen rosa und spielen mit Puppen, Jungen ziehen nur blau an und bauen mit Lego-Technik. Anscheinend werden solche Tendenzen im Kindergarten und der Schule verstärkt anstatt aufgebrochen, einfach, weil die Peer-Group so wichtig für Kinder ist. Und trotzdem sind Mädchen nicht per Geschlecht weniger an Technik interessiert. Man muss sie eventuell anders an Technik heranführen und mehr Selbstverständlichkeit hereinbringen. Interessant ist auch, dass in den ehemaligen Ostblock-Staaten Frauen einen sehr hohen Anteil in technischen Berufen haben und in Ländern des Nahen Ostens Frauen sehr präsent in IT-Berufsfeldern sind.

Hauptsache Bildung: Nun gibt es ja eine Reihe von Förderprogrammen, die vor allem junge Frauen von technischen Berufen begeistern sollen. Allen voran stehen die MINT-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Diese sind angeblich schon bei den Mädchen in der Schule weniger beliebt als bei den Jungs. Machen Ihrer Ansicht nach solche Förderprogramme Sinn?

Ute Blindert: Ich finde, dass es viel zu wenig erwachsene Frauen gibt, die Mädchen vermitteln, dass Technik Spaß macht. Ich vermisse z.B. bei den tollen Kinder-Wissens-Sendungen wie „Die Sendung mit der Maus“ oder „PUR+“ mehr Moderatorinnen, die technische und naturwissenschaftliche Phänomene erklären. Die Redaktionen sind ja durchaus ausgewogen, aber weibliche Gesichter gibt es meiner Meinung nach hier viel zu wenige. Programme und Projekte wie „Mädchen machen MINT“ sind sicherlich sinnvoll, insofern sollte man damit unbedingt weitermachen.

Hauptsache Bildung: Sollte man in der Erziehungsphase oder an der gesellschaftlichen Konstruktion der Geschlechterrollen etwas ändern?

Ute Blindert: Ich denke, dass Veränderungen über das „Machen“ und die klare Entscheidung dafür entstehen. In dem Moment, wo sich z.B. ein Unternehmen vornimmt, den Frauenanteil in seinen Führungspositionen zu erhöhen und dies an klare Vorgaben knüpft, gibt es dann auch Wege, um diese Frauen in Teilzeit zu führen, andere Strukturen zu schaffen etc. Und so gibt es mehr Vorbilder für junge Mädchen. Auch fände ich es wichtig, dass bereits in Kindergarten und Schule mehr mit Technik umgegangen würde, z.B. auch mal kleinere EDV-Programme geschrieben würden. Und dazu sollten Mädchen ganz besonders ermutigt werden. Vielleicht ist es auch sinnvoll, in diesem Fall gezielt getrennte Gruppen einzurichten.

Hauptsache Bildung: Frau Blindert, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

Ute Blindert

Ute Blindert ist Gründerin und Geschäftsführerin von Zukx – Campus 2 Company. Zukx dient als Schnittstelle zwischen Hochschule und Unternehmen und bietet Studenten und Absolventen auf den Weg in den Beruf passende Hilfestellungen an. Frau Blindert ist außerdem Herausgeberin mehrerer Magazine, darunter auch des Magazins „Business Ladys„, das sich an Frauen richtet, die Karriere machen oder machen möchten.

Fotonachweis: Nina Witte

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