Sie kämpften sich durch den Schulalltag, lernten lange Zeit die Lautsprache und bekommen jetzt Unterstützung durch die Gebärdensprache. Gehörlose Menschen haben es nie einfach gehabt im Leben. Insbesondere nicht, wenn es ihnen um Bildung ging. Die Berliner Ernst-Adolf-Eschke-Schule für Hörgeschädigte hat ein Konzept entwickelt, dass die Lautsprache mit der Gebärdensprache ergänzt. Es ist ein bilinguales Konzept, das Schule machen sollte.

Bis weit in die Achtziger des vergangenen Jahrhunderts war es für Gehörlose üblich, ausschließlich die Lautsprache zu lernen. Bei der Lautsprache müssen schwerhörige oder taube Schüler die Lippen der Sprecher ablesen. Sie arbeiten linear Wort für Wort ab, um an der gesellschaftlichen Kommunikation teilnehmen zu können. Die Gebärdensprache arbeitet dagegen mit Gestik und Mimik, bezieht die Fantasie mit ein. So können Präpositionen verdeutlicht werden, lernen die Schüler bildhafte Kommunikation. Lange Zeit haben Kritiker der Gebärdensprache angeführt, dass kaum jemand in der Gesellschaft die Gebärdensprache beherrsche, Gehörlose so automatisch ausgegrenzt seien, wenn sie diese Sprache lernten. So jedenfalls schildert es der aktuelle Bericht im Deuschlandradio. Der Schulleiter der Ernst-Adolf-Eschke-Schule, Ulrich Möbius, macht aber deutlich, dass Lautsprache und Gebärdensprache einander sinnvoll ergänzen, sich für die Gehörlosen einer neuer Sprachraum entwickle, der ihre Kompetenzen nur fördere.

Als Gehörloser im Hörsaal

Gehörlose Studenten brauchen ihre Augen zum Zuhören, Lesen und Mitschreiben, und doch sind sie mitunter ohne Hilfe eines Dolmetschers an den Universitäten überfordert. Es gibt nicht viele Dolmetscher, die die Laut- und Gebärdensprache beherrschen. Viele hörgeschädigte Studenten sind daher gezwungen, ihr Studium in den großen Städten zu beginnen, weil dort die Dolmetschersituation am besten sei. In Köln beispielsweise hilft das Unternehmen Skarabee und bietet Dolmetscherdienstleistungen an.

Schon vor Beginn des Studiums müssen viele Hörgeschädigte Formulare ausfüllen, Hilfsanträge stellen. Gebärdensprachdolmetscher werden dazu nur für ein Erststudium bezahlt. In der Vorlesung kann es trotz Hilfe manchmal schwer werden, komplexe Grafiken zu verstehen, wenn sie zum Bild und zum Dolmetscher gleichzeitig schauen müssen. Für Schwerhörige und Hörgeschädigte ist auch das Studentenleben ganz anders. Meistens geht die informelle Kommunikation an ihnen vorbei. Daher wäre es wünschenswert, wenn die Kommilitonen sich bewusster darüber werden, wie wichtig eine bessere Integration von tauben Menschen an den Hochschulen ist. Jede Kommunikation ist dabei willkommen.

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