Interview mit der Schulleiterin der Profilschule Ascheberg Frau Reimann-Perez: Das erste Halbjahr ist geschafft! Nach viel Arbeit im Vorfeld blickt Sylke Reimann-Perez, Rektorin der ersten Gemeinschaftsschule NRW, sehr positiv auf das erste Halbjahr ihrer neuen Schule zurück.

Die Profilschule Ascheberg gehört zu den insgesamt gut 50 Gemeinschaftsschulen, die durch die rot-grüne Landesregierung in NRW genehmigt wurden. Ascheberg  erhielt allerdings als einzige Kommune schon 2010 die Genehmigung zur Einführung und startete bereits 2011 als Pilotprojekt.

Dabei leistete sie einen nicht unerheblichen Teil an Pionierarbeit, weshalb die Schule besonders im Fokus der Öffentlichkeit stand. Grund genug also mit Frau Sylke Reimann-Perez einmal persönlich über  ihre Erfahrungen nach dem allerersten Schuljahr als Gemeinschaftschule zu sprechen.

Bild_Rektorin_Reimann-Perez

Rektorin Reimann-Perez in ihrem Büro

HS_Bildung: Frau Reimann-Perez, ein halbes Jahr ist nun vergangen, seitdem die  Profilschule Ascheberg ihre Pforten für ein längeres, gemeinsames  Lernen geöffnet hat. Wie sehen die ersten Erfahrungen aus?

Reimann-Perez: Gut. Sehr gut. Das Kollegium ist motiviert. Die Schüler gehen sehr gern zur Schule. Es hat etwas gedauert, bis die Schüler auch das eigenverantwortliche Lernen verinnerlicht haben, aber das war zu erwarten und ist normal. Mittlerweile wissen alle, was sie zu tun haben und führen ihre persönlichen Mappen vorbildlich.

HS_Bildung: Warum ist längeres, gemeinsames Lernen für die Schüler eigentlich so  wichtig?

Reimann-Perez: Wichtig ist, die Bildungswege möglichst lange offen zu halten. Im Alter von 10 Jahren ist es nicht immer möglich Aussagen darüber zu treffen, welchen Abschluss ein Kind einmal erreichen wird.

HS_Bildung: Und?

Frau Reimann-Perez: Außerdem ist die Durchlässigkeit in einem dreigliedrigen Schulsystem nicht so gegeben, wie sie gerne dargestellt wird.

 HS_Bildung: Welche Rückmeldungen haben Sie bisher von den Eltern bekommen? Welche Probleme gibt es?

Reimann-Perez: Wir haben bisher ausschließlich positive Rückmeldungen bekommen. Die Kinder gehen gern in die Schule. Einige Eltern waren lediglich etwas besorgt, weil bei uns an drei Schultagen der Ganztagsunterricht stattfindet, an dem keine Hausaufgaben mehr anfallen. Dazu aber gibt es einen Erlass, der aussagt, dass in gebunden Ganztagsschulen keine Hausaufgaben gegeben werden dürfen. Wichtig ist aber, dass Eltern eine Rückmeldung über die Leistungen ihrer Kinder erhalten.

HS_Bildung: Ein Kern des pädagogischen Konzepts ist die frühe Herausbildung von Profilen in den MINT-Fächern, Musik, Sprache und bald auch Sport  und Gesundheit. Für die Anmeldung müssen Kinder und Eltern sich für ein Profil entscheiden. Dürfen die einmal gewählten Profile innerhalb der drei Jahre noch einmal gewechselt werden?

Reimann-PerezNein, das geht nicht. Genau deswegen legen wir aber sehr viel Wert auf eine umfassende Beratung.

Profilschule

Der erste Schultag der Profilschule Ascheberg 2011


HS_Bildung:
  
Was ist das Besondere an dieser Lernform und der Profilbildung?

Frau Reimann-Perez: Die Schüler lernen, sich auf ihre Stärken zu konzentrieren. Uns kommt es zugleich auf kooperative Lernformen an. Natürlich kommen auch wir nicht ganz ohne den Frontalunterricht aus. Aber wir legen viel Wert auf das eigenständige Lernen in Gruppen. Das zeichnet eine aktive Schule heute aus.

HS_Bildung: Kommen die Stärkeren da nicht zu kurz?

Frau Reimann-Perez: Nein, überhaupt nicht. Durch unsere besondere Form der individuellen Förderung werden sowohl die stärkeren als auch die schwächeren Schüler angesprochen. Außerdem verfahren wir auch nach dem methodischen Prinzip „Schüler als Lehrer“.

HS_Bildung: Hat die Landesregierung schon einmal zwischendurch nachgefragt, wie es bei Ihnen an der Schule im Alltag so läuft?

Reimann-Perez: Nein, eigentlich nicht. Es hat nur einmal einen Erfahrungstausch der Verbundschulen gegeben. Ansonsten haben wir sehr viele Anfragen von Schulvertretern anderer Gemeinden.

HS_Bildung: Im Vorfeld der Einführung gab es einige Befürchtungen nachbarlicher Kommunen wegen ohnehin schon schwindender Schülerzahlen. Gibt es da noch Kontakt?

Reimann-Perez: Das Verhältnis ist gut und intensiv. Wir haben regen Kontakt zu der unmittelbaren Schullandschaft.

HS_Bildung: Welche Anschlussmöglichkeiten gibt es bei Ihnen nach der 10. Klasse?

Reimann-Perez: Unseren Schülern stehen alle Anschlussmöglichkeiten offen. Vom Berufskolleg in Lüdinghausen bis zum Gymnasium in Senden.

HS_Bildung:  Die Schulzeit ist eine sehr prägende Zeit. Was werden Schüler später über die Profilschule Ascheberg sagen?

Reimann-Perez: Ich glaube, sie werden sagen: Es war eine schöne Zeit, weil die Schule uns eine Vielfältigkeit geboten hat und soziale Kompetenzen gefördert wurden.

HS_Bildung: Wir danken Frau Reimann-Perez für das Interview!

 

Bildnachweis: @profilschule_ascheberg

VN:F [1.9.22_1171]
Diesen Artikel bewerten
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)