Vor zwei Jahrzehnten noch wurde die Burnout-Symptomatik fast ausschließlich bei Menschen gesucht, die in helfenden Berufen tätig waren. Mit der Zeit kamen auch Berufsgruppen im Management und Marketing dazu. Mittlerweile sind sich die Experten einig, dass sich das Burnout-Syndrom nicht auf bestimmte Berufe beschränken lässt, sondern im Grunde genommen jeden Menschen treffen kann und bei weitem nicht nur der Beruf dafür ausschlaggebend ist. Das führt zu der Frage, ob es bestimmte Charaktertypen gibt, die besonders burnout-gefährdet sind.

Es ist nahezu unmöglich, ein Schema für den burnout-gefährdeten Charaktertypus zu finden und ein solches „Schubladendenken“ sollte vielleicht auch besser gar nicht erst zur Anwendung kommen. Eventuell ist die Aussage nützlicher, dass es verschiedene Charakterzüge und Verhaltensweisen bei Menschen gibt, welche die Entwicklung einer Burnout-Symptomatik begünstigen können. Solche Charakterzüge können mehr oder weniger stark ausgeprägt sein und sind ansatzweise in fast jedem Menschen vorhanden.

Nachfolgend einige Umstände und Verhaltensweisen, die, wenn sie stark ausgeprägt sind, die Entstehung eines Burnout-Syndroms begünstigen können (nicht müssen!):

  • Übersteigerter Ehrgeiz
  • Unbedingter Perfektionismus
  • Totale Fixierung auf Leistung
  • Immer am absoluten Leistungslimit arbeiten
  • Mangelndes Durchsetzungsvermögen
  • Ignorieren der eigenen Bedürfnisse
  • Sucht nach Anerkennung
  • Fehlendes soziales Netz
  • Ausgeprägtes Helfer-Syndrom
  • Fehlendes positives Feedback

Diese psychosozialen Dispositionen können die Entwicklung einer Burnout-Erkrankung begünstigen. Die Betonung liegt aber klipp und klar auf dem Wort „können“. Auch wenn all diese Faktoren bei einem einzelnen Menschen zusammenkommen, dann muss sich nicht unbedingt ein Burnout-Syndrom entwickeln. Einige dieser Eigenschaften können durch einen ausgleichenden Pol gewissermaßen neutralisiert werden. Es muss sich zum Beispiel nicht negativ auswirken, wenn ein Mensch bei der Arbeit einen übersteigerten Ehrgeiz an der Tag legt, sich aber dafür in seiner Freizeit völlig entspannen kann. Gefährlich wird es nur, wenn dieser Ehrgeiz neurotisch wird und sich auf alle Lebensbereiche ausweitet.

Die Eigenschaften, die in obiger Liste genannt werden, sind immer nur eine Seite der Medaille. Wenn auch die gegenüberliegende Seite vorhanden ist, dann müssen diese Verhaltensweisen nicht zwangsläufig zum Burnout führen. Auch o.g. Lebensumstände können verändert und die Selbstwahrnehmung gefördert werden. Kein Arbeitnehmer sollte denken „Ich habe zu viele negative Eigenschaften, die mich über kurz oder lang zum Burnout führen “. Jeder Mensch kann an sich arbeiten und niemand ist unabänderlich ein Burnout-Opfer.

Bildnachweis: @istockphoto.com/PeskyMonkey

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