Im Zuge unserer Themenwoche „Business-Frauen: Frauen machen Karriere“ hatten wir auch die Gelegenheit mit Henrike von Platen, Präsidentin des Verbands der Business and Professional Women (BPW) Germany zu sprechen. Frau von Platen arbeitet seit 15 Jahren als selbständige Unternehmensberaterin mit den Schwerpunkten Wirtschaftsförderung und Interim-Management und ist bereits seit 2008 im Bundesvorstand des BPW Germany tätig.

HS_Bildung: Frau von Platen, was ist der BPW und wofür setzt er sich ein?

Henrike von Platen, Präsidentin der Business and Professional Women (BPW) Germany

v. Platen: Der BPW Germany ist ein Netzwerk für berufstätige Frauen. Als Dachverband von 44 regionalen BPW-Clubs in ganz Deutschland setzen wir uns für Chancengleichheit von Männern und Frauen in Beruf, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ein. Der BPW Germany ist aber auch Mitglied im BPW International. Mit rund 100 nationalen BPW-Verbänden und 30.000 Mitgliedern weltweit sind wir eines der größten internationalen Netzwerke für berufstätige Frauen. Weltweit kämpfen wir dafür, dass Frauen endlich die gleichen Einkommens- und Karrierechancen vorfinden wie Männer. Frauen sind heute so gut ausgebildet wie nie zuvor, doch in Führungspositionen und bei den gut bezahlten Jobs sind sie immer noch unterrepräsentiert

HS_Bildung: Seit 2008 führen Sie den Equal Pay Day durch – wo liegen Ihrer Meinung nach die Ursachen für  den Entgeltunterschied von Frauen und Männern?

v. Platen: Die Ursachen sind vielfältig und bedingen sich gegenseitig. Frauen fehlen auf den höheren Stufen der Karriereleiter. Sie unterbrechen oder reduzieren ihre Erwerbstätigkeit häufiger und länger familienbedingt als Männer, was im Lebensverlauf zu nicht mehr aufholbaren Lohneinbußen und Karrieresackgassen führt. Das alles hat viel mit dem tradierten Rollenbild des männlichen Allein-Verdieners und der hinzuverdienenden Ehefrau zu tun, das sich in Deutschland besonders hartnäckig hält. Ehegattensplitting, Betreuungsgeld und kostenlose Mitversicherung in der Krankenkasse sind ein Anreiz für Frauen, nicht oder nur geringfügig erwerbstätig zu sein. Darüber hinaus werden Tätigkeiten, die vorwiegend von Frauen ausgeübt werden, wie etwa die Gesundheitsberufe, schlechter bezahlt als vergleichbare Ausbildungsberufe. Zum nächsten Equal Pay Day am 21.3.2013 steht genau dieser Ursachenkomplex im Fokus. Unter dem Motto „Viel Dienst, wenig Verdienst“ ist „Lohnfindung in Gesundheitsberufen“unser Thema.

HS_Bildung: Laut McKinsey erwirtschaften Unternehmen mit vielen Frauen in Führungspositionen eindeutig mehr Gewinn, trotzdem findet sich in 80 Prozent der börsennotierten Unternehmen keine Frau im Vorstand: Woran liegt das?

v. Platen: Nach wie vor sind die Führungsetagen börsennotierter Unternehmen eine geschlossene Männerriege. Hier gilt ein psychologisches Prinzip: Man sucht sich lieber jemanden als Mitstreiter, der einem ähnlich ist. Männer wählen also lieber Männer und bleiben unter sich. Frauen geraten hier also gar nicht ins Blickfeld. Sie werden von Anfang an nicht so gefördert, wie ihre männlichen Kollegen. Hat es eine Frau dann tatsächlich geschafft, ist sie mit Spielregeln konfrontiert, die von Männern festgelegt worden sind. In dieser Männerwelt fehlt es Frauen schlicht an Unterstützung durch Gleichgesinnte.

HS_Bildung: Was kann Frauen darin unterstützen eine Führungsposition einzunehmen? Müssen sie vielleicht anders gefördert werden?

v. Platen: Wir brauchen eine gesetzliche Regelung und fordern dies im Rahmen der „Berliner Erklärung“ (www.berlinererklaerung.de). Wir begrüßen auch den Vorstoß von EU-Kommissarin Viviane Reding für eine Quote für Frauen in Aufsichtsräten. Frauen in Aufsichtsräten können für eine neue Unternehmenskultur sorgen, in der auch Frauen von Anfang an ein förderliches Umfeld vorfinden. Tatsächlich müssen Frauen auch anders gefördert werden. Während es für Männer völlig klar ist, dass sie beruflich aufsteigen wollen, weil sie das von Kindheit so vorgelebt bekommen, fehlen Frauen die Role Models. Eine große Klippe für Frauen ist immer noch die Familiengründungsphase. Gemeinsam mit GE Capital Deutschland haben wir gerade ein Seminar-Projekt gestartet, das Frauen in ihrer Karriereplanung und beim Wiedereinstieg nach Familienpausen unterstützt.

HS_Bildung: Warum fällt es vielen Frauen schwer, nach der Geburt eines Kindes in gleichem Maß wieder an ihre erfolgreiche Karriere anzuschließen?

v. Platen: Noch immer tappen junge Paare nach der Familiengründung in die alten Rollenfallen. Der Mann arbeitet mehr, die Frau ist plötzlich hauptverantwortlich für alles, was mit Familie und Haushalt zu tun hat. Betreuungsplätze für Kleinkinder gibt es noch immer nicht in ausreichender Zahl. Wer aber zu lange aussetzt, wird bei Beförderungen und Gehaltserhöhungen gar nicht mehr berücksichtigt. Einen Anspruch darauf, nach der Elternzeit auf dieselbe Position zurückzukommen, gibt es auch nicht. Teilzeitarbeit wird zudem nach wie vor als minderwertigere und führt häufig beruflich aufs Abstellgleis. Das können Frauen nicht alleine lösen, hier brauchen wir eine neue Unternehmenskultur und neue familiäre Rollenbilder. Erwerbs- und Nichterwerbsarbeit müssen gleichmäßig verteilt werden. Dass das Rollenbild der Hinzuverdienerin auch noch politisch gewollt ist, muss endlich aufhören.

HS_Bildung: Sie unterstützen mit dem Projekt „Building on Diversity“ ganz konkret Wiedereinsteigerinnen bei ihrer Karriereplanung. Was ist besonders wichtig für wiederkehrende weibliche Führungskräfte?

v. Platen: Frauen fehlt es wie gesagt an Role Models. Es gibt keine jahrzehntelange Routine, wie ein Wiedereinstieg reibungslos und für alle Beteiligten zufriedenstellend aussehen könnte. Jede Frau ist hier eine Einzelkämpferin, obwohl sich die Probleme gleichen. In unseren ersten Seminaren hat sich gezeigt, dass die Teilnehmerinnen neben Informationen den Austausch in einem geschützten Rahmen suchen. Informationen darüber, welche Möglichkeiten flexibler Arbeitszeit es gibt, sind wichtig. Aber es ist auch wichtig, das Selbstbewusstsein der Frauen zu stärken. Führungskräfte mit Kind, das sollte eine Selbstverständlichkeit sein und Frauen sollten entsprechend auftreten. Das trainieren wir.

HS_Bildung: Vielen Dank Frau von Platen für das tolle Interview!

Business and Professional Women (BPW) Germany

Der BPW ist eines der größten Netzwerke für Unternehmerinnen und berufstätige Frauen weltweit. Die rund 30.000 Mitglieder setzen sich national wie international dafür ein, Frauen aller Hierarchieebenen und Branchen bei der Entwicklung Ihrer beruflichen Potenziale zu unterstützen. 2008 führte das Netzwerk des BPW Germany den Equal Pay Day, den internationalen Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern, in Deutschland ein.

 

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