SchulwesenImmer mehr junge Leute machen Abitur, immer schließen mit Bestnoten ab und immer mehr fangen an zu studieren.

Und immer mehr von diesen jungen, talentierten Nachwuchskräften mangelt es trotzdem und überraschenderweise offensichtlich an Studierfähigkeit – glaubt man einer kürzlich durchgeführten Umfrage unter Professoren.

Da stellt sich natürlich die Frage: Woran liegt das?

Ohne hier mit der großen Moralkeule kommen zu wollen, denn das können wahrscheinlich andere besser und mit viel mehr Leidenschaft – aber irgendwo könnte es doch sein, dass sich das unsere nach Leistung schreiende Gesellschaft wieder einmal selbst verbockt hat.

Denn wer von klein auf lernt, dass Antwort A falsch ist, weil Antwort B nun einmal im Lösungsheft steht,

wer nur nach striktem Lehrplan unterrichtet wird, weil alles andere nicht mehr erlaubt und erst recht nicht erwünscht ist,

wer nur noch mit Whiteboard und Powerpoint multimediale Referate hält, weil Medienkompetenz heute wichtiger ist als die Fähigkeit einen Aufsatz zu schreiben,

wer nicht mehr lernt zu analysieren und zu interpretieren, sondern nur noch die geforderten Analyse- und Interpretationswerke auswendig zu lernen, weil genau das abverlangt wird und für alles andere keine Zeit bleibt,

wer aus der Pubertät heraus direkt in die „Jeder-Punkt-zählt-Leistungskurse“ geschickt wird, weil es im Vergleich mit anderen jungen Nachwuchskräften nicht zu viel Zeit zu verlieren gilt,

wer wie auf einer Leistungsschau nach Schema F und Lösungsblatt A mit allen anderen verglichen wird, damit es ja für alle nachvollziehbar ist,

wer mit 17 in die Uni geschickt wird, um dann mit der Unterschrift der Eltern an einer Exkursion teilzunehmen und bei der O-Woche um Mitternacht aus der Kneipe geworfen zu werden

der ist tatsächlich vielleicht noch nicht studierfähig… aber verwundert das wirklich?

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Heute und aus gegebenem Anlass: Studierfähigkeit?, 9.0 out of 10 based on 1 rating