Fachinterview mit Burnoutexperte Manuela Starkmann.

Work-Life-Balance ist zum Modewort geworden.

In der richtigen Work-Life-Balance zu sein – das  wird für viele Arbeitnehmer zunehmend wichtiger und immer mehr Unternehmen schmücken sich damit, dass sie ihren Mitarbeitern diese Balance zwischen „Work und Life“ ermöglichen. Aber was genau ist diese Work-Life-Balance überhaupt? Oder vielmehr, was ist sie vielleicht auch nicht?

Suggeriert uns dieses Kunstwort nicht, dass die Arbeit ein Minuspol ist, der Stress bedeutet, Energie raubt und uns belastet, während das Private völlig stressfrei und positiv ist und uns die fehlende Kraft wiedergibt – und wir nur beides ausgleichen müssen, um glücklich zu sein?

Aber kann man tatsächlich so einfach trennen?

Manuela Starkmann ist bereits seit über zwölf Jahren als Burnoutexperte und Coach aktiv und begleitet Menschen dabei ihre Ausgeglichenheit wiederzufinden. Trotzdem würde sie hierfür nie das Wort „Work-Life-Balance“ verwenden. Wir haben uns mit ihr über dieses Thema unterhalten und nach ihrer Sicht zu dieser Entwicklung gefragt.

Frage 1: Frau Starkmann, Sie sagen ganz klar, „Work-Life-Balance“  ist als Begriff irreführend. Warum meiden Sie diese Wortwahl?

Manuela Starkmann, Coachingexperte und Guide für Transformation

Starkmann: Weil es, wieder mal, eine Trennung ist und mit sich bringt. Übersetzt heißt das „Arbeit-Leben-Ausgleich“. Wozu? Warum ist die Arbeit etwas so anderes als Leben, wo es doch innerhalb der täglichen 24 Stunden Leben stattfindet. Ich mag den Gedanken nicht, vor allem deshalb, weil ich erlebe, wie schlecht es Menschen geht, wenn sie eben die Balance nicht schaffen – vielleicht gerade weil sie Arbeit und Leben trennen. Dann kommen noch mehr Selbstzweifel und Druck auf. Dann ist wieder das Gefühl da, auf „ganzer Linie versagt zu haben“. Das macht doch keinen Spaß. Da habe ich aus meiner Erfahrung eine andere Philosophie.

Klare Ansage: Es ist Dein Leben. Es findet jeden Tag über 24 Stunden statt. Alles hat Einfluss auf alles und zwar im positiven Sinne. Schau nicht nach Problemen, richte Deine Aufmerksamkeit auf Lösungen. Habe Spaß, lebe, genieße Deine Lebenszeit.

Genau mit dieser Betrachtungsweise habe ich den Begriff „LebensZEITmanagment“ kreiert.

Frage 2: Geht es Ihnen alleine darum, dass der Begriff nicht die richtige Aussage trifft oder sehen Sie auch eine unterschiedliche Herangehensweise, bzw. einen falschen Lösungsansatz?

Starkmann: Ich sehe in „Work-Life-Balance“ eine gute Grundidee und eine unpassende Herangehensweise. Durchlebt jemand gerade z. B. eine Scheidung, dann hat das Einfluss auf alles – auch auf sein Berufsleben. Hat jemand z. B. hohen Druck in der Arbeit, dann hat das Einfluss auf alles – auch auf sein Privatleben.

Techniken, die begrenzen und trennen, helfen kaum. Der Mensch will doch mit sich und seiner Umwelt wieder in Einklang kommen, gesamtheitlich. Genau deshalb ist eine Zusammenführung wichtig. Und somit auch die Klarheit, dass man nur das Ganze betrachten, verändern und lösen kann.

Frage 3: Viele Ihrer Kollegen werben damit, Menschen bei der Gestaltung ihrer individuellen Work-Life-Balance zu unterstützen und einen Ausgleich zwischen Arbeit und Privatem zu schaffen. Sollte man aber dann nicht vielmehr versuchen diese beiden Bereiche miteinander zu verbinden  statt zu trennen?

Kann es nicht vielleicht sogar sein, dass sich Menschen noch mehr unter Druck fühlen, weil sie dazu angehalten werden, eine Work-Life-Balance aufzubauen und sich danach zu richten?

Starkmann: Exakt.

Wie gesagt, der Mensch braucht nicht noch einen Bereich in dem er meint zu versagen, wieder etwas nicht geschafft zu haben. Meine Richtung ist das VERbinden und zwar durch eine klare VERänderung. Deshalb mag ich, neben work-life-balance, auch change bzw. change management nicht. Change bedeutet übersetzt ändern. Das ist dann auch wieder nur ein Flickwerk, nichts ganzheitliches, nichts langfristiges, nichts nachhaltiges. Somit ist dieser Spaß zu teuer – an Zeit, Geld, Energie.

Ich werde, noch als Geheimtipp, weiterempfohlen, weil ich meine Kunden dahin führe, sich und ihren Gefühlen zu vertrauen. Kann banal klingen, ist in meiner Vorgehensweise, dem Guiding, aber die Basis. Denn für die meisten Menschen ist es „nicht normal“, ihre Gefühlswelt wahrzunehmen und danach zu handeln. Das haben sie nicht gelernt – beziehungsweise gelernt haben sie das Gegenteil. Das ist, auf den Punkt gebracht, ungesund. Meine Begleitung im Guiding ist anders. Ich setze Impulse für Transformation. Mein Kunde erkennt, dass es für ihn nur einen passenden Maßstab gibt: Seinen eigenen.

Würde es anders funktionieren, nämlich so wie zur Zeit noch vorgegangen wird, hätten wir nur gesunde, glückliche Menschen, ohne Burnout, ohne Ängste, ohne Erfolgsbremsen. So sieht die Realität aber nicht aus. Genau deshalb begleite ich die Menschen, die zu mir kommen, ganz anders. Anders als sie es kennen. Ein Feedback war: „Sie sind erfrischend und authentisch. Was Sie sagen ist realistisch. Sie haben es verstanden, mich sofort mitzunehmen. Ich wünsche mir, dass Sie so weitermachen, damit Sie noch mehr Menschen begeistern.“

Ich lege jedem Leser ans Herz, die eigenen Gewohnheiten und inneren Antreiber zu prüfen. Die Zeit im Leben fliegt so schnell dahin – warum nicht einfach endlich die Lebenszeit nutzen? Meist sind es einfach nur besondere Kleinigkeiten, die verändert werden wollen.

Frage 4: Lebenszeitmanagement – wie kann das also funktionieren?

Starkmann: Ich sage Ihnen zuerst, wie es nicht funktioniert. Es ist nicht mehr zeitgemäß, überall nach Trennung, Deklarierung, Zahlen, Daten, Fakten zu suchen und alles ausschließlich auf diese „Hardfacts“ auszurichten. Es ist nicht menschenorientiert, Menschen hauptsächlich aufzuzeigen, wo sie versagen, wo sie doch noch eine Schippe drauflegen könnten, sie subtil in weitere Zweifel zu bringen und darin fest zu halten. Es ist wenig lebenswert, die eigenen Traumata und Glaubenssätze, die einen unbewusst sehr stark lenken, nicht aufzudecken. Doch genau so leben die Menschen heute – ob einem das nun klar ist oder nicht. Wenn man nur Euros hat, kann man keine Dollars rausgeben.

Um in dem Bild zu bleiben: Lebenszeitmanagement bringt einem einfach mehr Wechselmittel ins Leben. Ich unterstütze im Guiding bei der geistigen Inventur. Wir schauen, was da alles so drin ist, in dem Sack, den der Mensch, oft ungeprüft, mit sich herumschleppt. Woher kommt der ganze Kram, der da drin ist? Wird der wirklich gebraucht oder hat er sich da einfach ein Plätzchen erschlichen und wirkt als graue Eminenz? Und was für wundervolle Hilfsmittel sind da, die möglicherweise bisher ihren wahren Wert nicht zeigen durften? Im Guiding sortieren wir aus und um. Und ich gebe meinen Kunden aus tiefstem Herzen das, was sie sich selber schon lange nicht mehr getraut haben zu fühlen:

Vertrauen. Du machst das alles zur jeweiligen Zeit für Dich passende. Du machst keine Fehler, es ist alles gut, so wie es ist. Das beinhaltet auch, dass jetzt möglicherweise Deine Zeit für Veränderung ist.

Frage 5: Persönliche Weiterentwicklung, Veränderung, Transformation – Sie sind Experte für diese Bereiche – aber gibt es auch kleine Soforthilfen, mit denen wir unseren Prozess zum richtigen Lebenszeitmanagement selbst in Gang setzen können?

Starkmann: Ja.

Jeder Mensch hat immer zuerst ein Gefühl, ein Bauchgefühl. Erst dann schaltet sich die Ratio ein. Da unser gesamtes Lern-, Bildungs- und Lebenssystem auf die Ratio ausgelegt ist, haben es die meisten Menschen verlernt, auf ihr Bauchgefühl zu hören; meinen darüber hinaus sogar oft, dass sie keines haben bzw., dass ihr Kopf zuerst spricht. Das ist Käse! Vertrauen Sie mir und sich. Jeder Mensch hat immer zuerst ein Gefühl. Das mache ich fest an meinen eigenen Erfahrungen und an den vielen Sätzen meiner Kunden, die alle in eine Richtung gehen, die da heißt: „Irgendwie hab ich das gefühlt, aber es dann doch anders gemacht und so war’s nix.“  Wer diese Art Satz auch nur ein Mal im Leben in sich hatte, der hat den Beweis und damit den Tipp zur Soforthilfe:

Lerne wieder, den eigenen, ersten Impuls wahrzunehmen und lebe ganz klar danach.

 Wir danken Manuela Starkmann für das Interview!

Coaching-Expertin Manuela Starkmann

Manuela Starkmann

Experte für Guiding
und Coaching

Schwerpunkte: Burnoutvorbeugung, LebensZEITmanagement und Guiding, Vertriebscoaching und Bewusstseinserweiterung.

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