Und wieder geht es los. Polnische Putzfrauen, Türkische Dönerbudenbesitzer und jetzt … spanische Azubis. So, der Vorschlag von Frau Schavan. Warum die Debatte über Auszubildende aus anderen europäischen Ländern nicht ganz unwichtig ist.

Seit 2005 ist sie Bundesministerin für Bildung und Forschung. Unsere bundesdeutsche Bildungsministerin, Frau Annette Schavan, welche ihre Promotion über Gewissenbildung verfasste und vor einigen Monaten selbst in die Kritik geriet, „plagiiert“ zu haben – über ihr Gewissen weiß man nichts –, hat sich nun dazu auserkoren, den deutschen Ausbildungsnotstand mit einem Geniestreich zu lösen. Die Sachlage ist folgendermaßen.

1) Spanien hat nahezu 25% arbeitslose Bürger. Besonders Jugendliche sind betroffen, denn unter ihnen sind knapp 52% arbeitslos – so viel, wie in keinem anderen Land der EU. Schuld ist auch das spanische Bildungssystem, welches sich zu wenig am Arbeitsmarkt orientiert. Sagt man. Es gebe zu wenig duale Ausbildungsangebote, die auf eine praktische Tätigkeit im Betrieb vorbereiten. Vermutet man. Tatsächlich hängt wieder einmal alles mit der aktuellen Finanz- und Eurokrise zusammen. Aber so weit wollen wir nicht gehen.

1) Frau Schavan weiß auch um die Probleme in Deutschland. Der Fachkräftemangel grassiert. Bei Maschinen- und Fahrzeugbau-Ingenieuren, Elektro-Ingenieuren und IT-Experten und in der Gesundheitsbranche (im Pflegebereich sowieso immer) hat eine aktuelle Analyse der Bundesagentur für Arbeit einen „Fachkräfteengpass in Deutschland“ bescheinigt. Ein flächendeckender Mangel sei allerdings nicht zu erkennen. Hinzu kommen verschiedene Berufsfelder, in denen viele Menschen bald in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Große personelle Lücken tun sich damit auf. Vor allem bei Buchhaltern, Industrie- und Werkmeistern und sogar den Baggerfahrern wird jeder Vierte in den nächsten Jahren seinen Hut ziehen und seine staatliche oder private Rente nutzen.

Frau Schavan zählt also 1) und 1) zusammen und schlägt deutschen Unternehmen mit Niederlassungen in Spanien vor, weitere Ausbildungsangebote zu schaffen. Da deutsche Unternehmen in der ganzen Welt anerkannt sind (wer kennt nicht die deutschen Tugenden Pünktlichkeit, Ordnung, Zuverlässigkeit, Disziplin und vor allem Weltoffenheit) soll den Jugendlichen natürlich auch der Anreiz geboten werden, den deutschen Fachkräfteengpass ein wenig auszugleichen.

Da viele spanische Jugendliche von sich aus schon Auswanderungspläne hegen, kommt diese Idee doch zur rechten Zeit. Aber wieder muss man sich das nationale Gezeter anhören, dass die spanischen Azubis unseren deutschen Arbeitslosen die heiß ersehnten Ausbildungsplätze wegschnappen. Davon ist jedoch an keiner Stelle die Rede. Wenn man bedenkt, dass die Arbeitslosigkeit in Spanien in einem Maße herrscht, wie sie in Deutschland undenkbar ist, sollte jegliches Handeln auf europäischer Ebene begrüßt werden. Zudem gibt es immer wieder Berufe, für die sich der deutsche Bürger mancherorts zu „fein“ ist. Man denke nur an den geehrten Beruf der Reinigungskraft, liebevoll Putzfrau genannt.

Dass es mit dem Fachkräftemangel nicht so weitergehen kann, sollte jedem deutschen Bürger klar sein. Die Initiative von Frau Schavan ist genauso wichtig, wie die Debatte darüber. Das Verharren in Ressentiments hilft jedoch nicht weiter. Denn schon längst gehören polnische Putzfrauen und türkische Dönerbudenbetreiber zu unserem Verständnis von Unternehmenskultur. Es wird sich zeigen, ob wir uns als europäische Bürger verstehen oder uns lieber weiterhin über unsere Nation identifizieren möchten.

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